Gestrandet (Teil 3)

Als wir nun gegen 23:00 Uhr im Windschatten von Sardinien auf eine geeignete Ankerbucht zusteuerten schlief der Wind ein und ich beschloss erstmals seit Menorca die Maschine anzuwerfen und die Segel zu bergen. Leider konnte ich nicht den von der Motorfahrt gewohnten Vortrieb  feststellen – die Maschine blieb ohne Wirkung. Kurz darauf schlief der Wind vollständig ein, die imer noch hohen Wellen schüttelten uns fürchterlich durch und wir trieben auf eine unbewohnte Insel zu.

Ich musste daher in den sauren Apfel beissen und mich mit Taucherbrille und Taucher-Taschenlampe bewaffnet in das dunkle, tobende Mittelmeer wagen um nach der Schraube zu schauen. Doch umsonst – sie war uns unterwegs verloren gegangen… Später wurde uns von einem österreichischen Segler erklärt, dass das völlig normal ist weil die sardische Mafia alles klaut, was nicht Niet- und Nagelfest ist..

Nachdem die Felseninsel bedrohlich nah kam und die Aussicht von den Turmhohen brechenden Seen dort auf die messerscharfen Klippen geworfen zu werden mir nicht recht gefallen wollte, habe ich mich zügig mit der DSC-Funktion meines Funkgerätes auseinandergesetzt und kurz darauf eine Dringlichkeitsmeldung abgesetzt – des Inhaltes, dass ich Schlepperhilfe gut gebrauchen könnte. Eine gute Stunde und diverse  Aufrufe später wurde uns nach Vermittlung durch einen freundlichen, mir ansonsten unbekannten Herrn mitgeteilt, dass die Guardia Costieri  unterwegs sei und uns in ca. 45 Minuten erreichen würde.

Romantischer Liegeplatz

Kaum 4 Stunden später, gegen 5:00 Uhr nach länglicher Schleppfahrt wurden wir in der morbiden Kulisse des verfallenen Industriehafens von Sant Antiocho an den Kai geschubst. Danach wurden Reisepässe und Bootspapiere eingefordert und davongetragen. Vor meinem geistigen Auge liefen schon mal die Zahlenkolonnen der zu erwarteten Rechnung ab. Meine Schätzung lag bei irgendwas zwischen 2.000 und 10.000 €. Glücklicherweise war ich zu erschöpft von der vorangegangen Überfahrt und der durchwachten Nacht um mir davon den Schlaf rauben zu lassen.

Etwa 4 Stunden später am Morgen wurden mir im Büro des Hafenkapitäns von einem misslaunigen und offenbar nur der italienischen Sprache mächtigen Mitarbeiter meine Papiere wieder ausgehändigt und die Erlaubnis erteilt noch ein paar Tage zu bleiben bis ich den Propeller ersetzt habe. Meine Frage nach den Kosten der Bergung und den Liegegebühren wurde mit einem mürrischen Kopfschütteln abgetan.

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One Response to Gestrandet (Teil 3)

  1. Arne says:

    Hallo Thoma,

    ich habe gerade mal wieder reingeschaut – und Du siehst mich schmunzeln. SAR – Euch hat es also ebenso erwischt wie uns vor einigen Wochen in Polen (siehe meine Mail vom 16.6.).
    Aber auch sonst scheint es Euch erwischt zu haben ;-). Siehe auch dazu meine Mail ;-). Es freut mich sehr für Euch!

    Schön, dass Ihr Euch auf den Weg gemacht habt. Es gibtfür Euch im Mittelmeer noch unglaublich viel Schönes zu entdecken. Gönnt Euch doch ein weiteres Jahr im schönen Europa. Falls nicht, dann sehen wir uns vielleicht im Nov/Dez in der Karibik.

    In Dänemark haben wir ganz entspannt Rund Fünen und Äero gemacht und in einer Woche geht es für 3 Wochen nach Griechenland (Athen-Santorin-Rhodos).

    Weiterhin gute Zeit!!!

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