Gestrandet (Teil 4)

Nachdem ich offensichtlich nicht mit horrenden Forderungen für die Bergung konfrontiert werden würde, war der Tag schon einmal halbwegs gerettet. Zum Ausgleich machten wir im Anschluß erst ein mal alles falsch. Um 13:30 Uhr aufzubrechen und sich auf die Suche nach dem gerüchtehalber 20 Fußminuten entfernten Ort zu machen, war nicht wirklich schlau. Zum Einen weil die brütende Hitze die durch fortlaufenden Schlafentzug ohnehin geschwächten Lebensgeister unmittelbar ausdörrt. Zum anderen weil der Sarde eben dies über die Jahrhunderte auch schon mitbekommen hat und sich deshalb zwischen 13:00 Uhr und 16:00 Uhr zu einer ausgiebigen Siesta zurückzieht, so dass man von Glück reden kann wenn man eine offene Kneipe findet, die bereit ist einem ein Bier auszuschenken.

Lecker Hafenwasser

Immerhin konnten wir nach dem Ende der Siesta in Erfahrung bringen, dass

  • der nächste größere Hafen 60 km entfernt und sehr aufwendig zu erreichen ist.
  • es im Ort keinen Autovermieter gibt.
  • in Italien im August kaum Hoffnung besteht irgendetwas schnell geliefert zu bekommen weil alle im Urlaub sind.
  • bei dem größten lokalen Bootsausrüster eventuell ein Propeller zu bekommen wäre, der zwar nicht passt, uns aber eventuell unsere Mobilität zurückgeben könnte.
  • Ich dazu in dem extrem wenig einladenden Hafenbecken tauchen müsste, um meine Propellerwelle genauer auszumessen.

Antiocha Romantica

Am nächstem Morgen versuchten wir zunächst auszuschlafen und dann die offensichtlichsten Fehler des Vortages zu vermeiden. Auf diesem Weg gelang es uns, uns mit dem Ort anzufreunden und auch die wiederholten Ausflüge in die trübe und üblelriechende Unterwasserwelt des Hafens wurden mir lieb und teuer.

Mittlerweile finde ich Sardinien schon mal total toll. Die Leute sind ausgesprochen freundlich, hilfsbereit und sogar recht effizient. Ich habe während eines wunderbar langen Ausfluges in die herrlich modrige Unterwasserwelt des Hafens einen Propeller mit einer von einem alten Italiener von Hand angepassten Passfedernut sowie diversen andere Custom-Made-Modifikationen angebracht, der sogar ein wenig Vortieb macht und kann mit etwas Glück schon morgen diesen wundervollen Ort verlassen und nach Sizilien fahren. Ich werde ganz sicher wiederkommen, hoffentlich nicht wieder im Schlepptau der Guardia Costiera.

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12 Responses to Gestrandet (Teil 4)

  1. Tina says:

    Hey, Not macht erfinderisch, im August läuft eigentlich so gar nichts in Italia und jetzt beginnt anscheinend das echte, raue Seefahrerleben ;o) Und an Siesta kann man sich echt gewöhnen ;o) Take care!

  2. Claus-Jürgen Maassen says:

    In der Ausgabe Nr.17 vom 1.8.1912 der “Yacht” wird ein Tauchgerät beschrieben, das zur Erleichterung Deiner Unterwasser-Inspektionen und Reparaturen beitragen könnte. Hersteller des sog. Freediver-Systems ist ein gleichnamiges deutsches Unternehmen (www-freediver.de). Bei http://www.yacht.de kann man den Praxistest-Bericht als PDF herunterladen.
    weiterhin Mast und Schotbruch
    Nachbar Jürgen

    • thomas says:

      Hallo Claus-Jürgen,
      den Freediver habe ich mir auf der Boot in Düsseldorf angeschaut. Eine feine Sache speziell für Nicht-Taucher und Arbeiten am Boot. Ich habe lieber mein Tauchequipment mitgenommen, muss nun zwar sehen dass ich immer etwas Druck auf einer meiner Flaschen habe um zumindest mal schnell einen Anker befreien zu können. Dafür habe ich zwei Flaschen an Bord.
      Danke für den Tipp trotzdem.
      Grüße aus Malta
      Thomas

  3. Frau Flausch says:

    Huhu Thomas!!!!
    Was ist das denn ? Die klauen Schiffsschrauben???!!!Wie abgefahren…. darauf muss man erst mal kommen. Aber nun a les wieder gut, oder?
    Wir melden uns aus dem ruhigen Gotland. Hier wohnen (neben uns)
    geschätzte 5.000 Schafe (alle schwarz!) , 12.000 Kanickel und ein paar wenige Mücken.
    Die Touris aus Schweden sind alle schon abgereist- Ferien sind zuende. Wir haben uns echt einen sehr ruhigen Teil der Insel für unseren 5 Wochen-Trip ausgesucht. Aber super schön:). Helle lernt nun die wichtigsten schwedischen Floskeln und hat soger schon ein Kjöttbullar-Gläschen ( gibts hier, kein Scherz!) verdrückt….

    Euch weiterhin viel frischen Wind um eure Näschen…
    Eure Family Flausch aus Schweden.

    • thomas says:

      Hey Flauschis,
      viel Spass in Schweden. Das klingt wunderbar und Tina scheint es auch glücklich zu machen..
      Bin jetzt auf Malta angekommen, der neue Propeller hält und liefert auch einigermaßen Vortrieb – dafür ist der Autopilot ausgefallen…
      Immerhin geht dafür jetzt die Windsteueranlage. Vorher musste ich beim Segeln mangels Strom von Hand steuern und konnte unter Motor die Windsteuerung benutzen – jetzt ist es anders herum.. Zeit wieder die Werkzeugkiste zu öffnen. Aber erst einmal muss ich wohl Tauchen gehen – liege auf Malta in einer Bucht die danach schreit betaucht zu werden…
      Liebe Grüße
      Thomas

  4. Adudollah says:

    auweh, hgw!

  5. Adudollah says:

    Treibanker?

    • thomas says:

      Treibanker hab ich aber das ist eigentlich mehr für Sturm… Aber der neue Propeller ist fein und kaum langsamer als der alte. Dafür geht mein Autopilot seit heute nicht mehr. Es kommt also keine Langeweile auf.
      Grüße Thomas

  6. Tina says:

    Hey, ihr süßen Flauschis, Buletten als Breichen müsst ihr unbedingt mitbringen…nun hat auch der Sommer in der Langen Reihe Einzug gehalten…eure schöne Wohnung ist echt der perfekte “place to be”, man kann sich dran gewöhnen, also seht euch vor, nicht dass ich noch zum “The hing that wouldn’t leave” mutiere…wünsch euch noch Traumwochen in Schweden… geniesst die Stille und die Einsamkeit ;o) Und wenn ihr diese Wohnung mal aufgebt, sagt mir als erstes Bescheid ;o) Ich werde dann einfach im Lotto gewinnen und sie mieten… So, soviel zu euch… und euch, ihr beiden Weltreisenden Abenteuerer, wünsche ich einen tollen Törn zur next destination… Alles Liebe, Tina

  7. Adudollah says:

    Die Elektrochemische Spannungsreihe weist jedem Metall einen Platz zu. Vergleicht man zwei unterschiedliche Metalle miteinander (z. B. Zink und Eisen), ist immer eines davon das „unedlere“ (das Zink) und das andere (Eisen) das „edlere“ Metall.
    Stehen die beiden Metalle miteinander elektrisch in Kontakt (sie berühren sich ohne Isolation), z. B. indem eine Zinkanode direkt an den Eisenrumpf eines Schiffes geschraubt wird, und kommt ein Elektrolyt (Seewasser) hinzu, dann gibt das unedlere Metall allmählich durch Elektronenaustausch mit dem höherwertigeren
    Metall seine Atome an den Elektrolyt ab, bis das minderwertige Metall vollständig im Elektrolyt aufgelöst ist.
    Schiffs- und Bootsrümpfe sind jedoch nicht aus reinem Eisen gefertigt, sondern aus einer Legierung (Stahl). Auch Legierungen lassen sich jedoch über molare Berechnungen in edlere und unedlere einteilen und in Relation zu reinen Metallen setzen. Geeignete Opferanoden funktionieren also auch an Legierungen. Sie bestehen
    ihrerseits ebenfalls aus geeigneten Legierungen. Ein Boot mit einem Rumpf aus seewasserfestem Aluminium lässt sich nicht mit einer Zink-Opfer-anode schützen (Aluminium steht in der elektrochemischen Spannungsreihe unter Zink). Die Zinkanode am Rumpf würde bewirken, dass sich statt der Anode der Rumpf auflöst.
    Noch schwieriger wird es, wenn das Boot einen Propellerantrieb hat. Oft ist die Welle, die vom Getriebe zum Propeller reicht aus Stahl gefertigt. Das Stevenrohr, die Stelle, an der die Antriebswelle den Rumpf von innen nach außen durchbricht, ist oft aus einer Messinglegierung gefertigt. Der Propeller kann aus Aluminium, Bronze oder Stahl gefertigt sein. Um all diese Komponenten zu schützen, werden am Schiff geeignete Opferanoden verteilt, um der Korrosion vorzubeugen.
    See- und Süßwasser sind elektrolytisch unterschiedlich aggressiv. Der Salzgehalt bestimmt die Aggressivität.
    Der Salzgehalt steigt von Süßwasserrevieren, also in Binnengewässern, über Sackgassennebenmeere, wie die Ostsee, zum Atlantik oder dem Toten Meer hin an.
    Opferanoden im Boots- und Schiffbau sind daher von den Werften oder auch den Herstellern der Komponenten (der Motoren, der Propeller, etc) nicht nur auf die zu schützenden Materialien sondern auch auf das Einsatzgebiet hin ausgewählt.

    • thomas says:

      Hm, ja, sehr ausführlich aber natürlich in den Grundzügen durchaus bekannt. Trotzdem Danke für den Beitrag. Wie geht es Dir abgesehen von den galvanischen Korrosions-Beschwerden?

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