Nix wie weg

Sant Antiocho war gut zu uns, nichts desto Trotz hatten wir nichts besseres zu tun als sofort Sonntag morgen zu verschwinden und uns auf die Suche nach einer Badebucht zu machen. 5 Tage in der Hitze ohne Bad (die Tauchgänge in der Hafenbrühe zählen nicht wegen des Ekelfaktors) sind schwer zu ertragen zumal kein Strom und  Wasseranschluß zur Verfügung standen.
2 Stunden später haben wir gefunden, was wir suchten – eine hübsche Bucht,  klares Wasser und eine leichte Brise vor Anker. Leider drängt der Wetterbericht zur Weiterfahrt. Das einzige Zeitfenster für eine Überfahrt nach Sizilien unter Segeln war schon angebrochen. Also ging es nach einer kurzen Siesta weiter.
In der Nacht trieben uns leichte Winde mit 5 Kn auf einem Am-Wind-Kurs nach Sizilien. Ich konnte endlich einmal meine Windsteueranlage ausgiebig erproben und mir die Zeit auf der Nachtwache mit der Beobachtung der Meteoritenschauer und dem wundervollen Sternenhimmel vertreiben.
Ab morgens musste für den Rest der Reise der Diesel ran. Unser Ziel, die Egadischen Inseln ander Westküste erreichten wir rund 1 1/2 Stunden nach Sonnenuntergang in stockfinsterer Nacht. Eine neue Herausforderung für mich: Finden und Ansteuerung einer Ankerbucht im dunklen ohne brauchbares Hafenhandbuch. Und das nach einer anstrengenden Überfahrt. Das bedeutet intensives Kartenstudium auf der Suche nach geeigneten Flecken, Ansteuerung der gefundenen Orte – immer guter Hoffnung nicht in Fischernetzen oder Ähnlichem hängen zu bleiben, Suche nach anderen Yachten (Ankerlichter), die eine Eignung des Ortes andeuten (Ankergrund usw.).
Die erste Bucht ist zu tief und mit Bojen versehen, die alle bereits belegt sind. Absolut spooky – die anderen Boote, Felsen usw. Tauchen nur im Kegel des Suchscheinwerfers auf.. Also weiter, nächste Insel. Der dritte Versuch um ca. 00:30 bringt uns endlich in eine geeignete Bucht. Der nächste Morgen enthüllte eine karge Insel (Favignana) mit einem steilen Berg, der von einem mächtigen Kastell gekrönt wird und wunderbar türkises Wasser über sandigem Grund. Volltreffer. Dieser wunderbare Dienstag wird flugs zum Sonntag umdeklariert und mit Hashbrowns (Kartoffelpuffer auf englisch) und Rührei und frisch gepresstem Orangensaft angemessen begrüßt.
Nachmittags geht es weiter – wieder ist es der Wetterbericht sowie eine Quallenplage die uns dem Ort den Rücken kehren lassen. Gleich um die Ecke finden wir die Cala Rotonda – eine wundervolle geschützte Felsenbucht und der bisher beste Platz zum Schnorcheln und Tauchen den ich angetroffen habe. Der Grund und die Ufer sind quasi mehrstöckig von Höhlen durchzogen und voller bunter Fische. Wenn man hinabtaucht landet man in wunderbar kaltem Wasser und es gibt diverse Löcher, die man durchtauchen kann um auf der anderen Seite wieder im Sonnenschein aufzutauchen.
Mittwoch der 15.08 ist Feiertag in Italien. Morgens kommen zunächst einmal die Carabineri in die Bucht gedampft und fangen an bei den ankernden Segel- und Motorbooten längseits zu gehen. Ich habe da noch ein kleines Problem mit den Bootspapieren und bekomme hektische Flecken im Gesicht. Nach einer Stunde wird klar – die haben es nur auf Italiener abgesehen – mein Boot sowie der Franzose der weiter drinnen ankert werden ignoriert.
Kaum sind die Carabineri verschwunden wird die Bucht von einer Armada italienischer Boote geentert. Die nachmittägliche Zählung ergibt rund 70 Boote jeglicher Coleur und Größe in der winzigen Bucht. Gleichzeitig erschreckend eng und chaotisch und freundlich entspannt – Italien feiert auf dem Wasser. Abends sind die Segler wieder unter sich und wir nutzen die Ruhe kurz vor Sonnenuntergang um mit Schuhen bewaffnet an Land zu schwimmen und die Insel in Besitz zu nehmen. Schade, dass wir weiter müssen: Wasser und Vorräte gehen zur Neige und meine Segel sind unterwegs nach Malta.
Heute segeln wir bei schönem Wind die Südküste von Sizilien entlang nach Sciacca – the future is wide open..

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