Malta Sehen und Sterben

Auf Malta wurde ich selbst verschuldet von der Kommunikation abgeschnitten. Mein Vodafone-Vertrag, der mich bisher für schlappe 70-80 € pro Monat permanent online und erreichbar gehalten hat, hatte am 23.08.2012 endlich seinen frühesten Kündigungstermin erreicht. Meine spanische Mobilnummer ist im Ausland nicht in Betrieb, zumal ich es mittlerweile geschafft habe die PIN-Nummer der spanischen Prepaid-Karte zu vergessen. Damit bin ich komplett incommunicado – kein Telefon – Internet nur in Kneipen. Keine Ahnung mehr, was sich auf dem Planeten tut.. So etwas kann teuer werden – die Diesel-Preise in Italien von 1.889 € pro Liter haben mich kalt erwischt – ein paar Meilen weiter in Frankreich wäre es wohl erheblich billiger gewesen.

La Valetta – Grand Harbour Marina

Zurück zum Start – in Malta lief zunächst alles wie am Schnürchen. Wundervolle felsige Buchten durchsetzt von Höhlen, herrliche Schnorchel- und Tauchreviere sowie klares, warmes, blaues Wasser. Ein Traum. Zudem trafen wir auf Gozo auf gute Freunde von Gaylyn, die zwar in Australien leben aber von Gozo stammen. Auf diese Weise hatten wir guten Zugang zu Insiderwissen und zum Landesinneren.

La Valetta – Grand Harbour Marina

Der Grund für meinen Besuch auf Malta war die Übernahme neuer Segel und neuer Crew. Die neuen Segel waren da und ließen sich ohne große Probleme aus dem Zoll befreien. Die neue Crew hingegen fiel aus Gründen aus, über die ich lieber den Mantel des Schweigens ausbreite..

Für die Segel ging es nach La Valetta – eine Stadt, die man gesehen haben muss. Wo immer man sich aufhält ist man von Geschichte umgeben – die altem Mauern atmen sie in einer Intensität aus, wie ich sie noch nirgends zuvor erlebt habe. Malta war die Heimat der Templer Ritter, die die Insel als Heimat bekamen als man sie in Europa loswerden wollte. Sie haben sich dort in einer Weise eingeigelt wie ich es noch nie gesehen

La Valetta – Birgu

habe – die Stadt eine riesige Festung. Davon abgesehen scheint die Hauptinsel aus einer einzigen Stadt zu bestehen. Mehr als 10 Tage würde ich mich auf Malta nicht aufhalten wollen, gesehen haben muss man die Insel aber.

Kaum aus dem Hafen von La Valetta ausgelaufen bahnten sich Schwierigkeiten an. Die Maschine verlor plötzlich an Drehzahl um nach kurzer Frist anstandslos stehen zu bleiben. Für mich hieß das ab in den Motorraum – Kraftstofffilter wechseln – das Standardproblem. Glücklicherweise war ich mir dieser Gefahr von Anfang an bewusst und hatte mir von meinem Mechaniker in Palma genau erklären und zeigen lassen, was zu tun ist. 10 Minuten später war der Filter gewechselt, die Einspritzanlage

La Valetta

entlüftet und die Maschine lief wieder. 2 Stunden später ging das Drama erneut los. Da ich nun keinen rechten Plan mehr hatte und erst einmal ausführlich über die anstehenden Maßnahmen zur Behebung des Problems meditieren wollte, habe ich erst einmal die Segel aufgezogen und beschlossen mich unter Segeln in eine nah gelegene Bucht zu schleichen und zu Ankern. Mein erstes Ankermanöver unter Segeln wurde durch ein paar kleinere Missgeschicke und Fehler gewürzt, verlief aber ansonsten ohne Schäden an Mensch und Material. Zu meiner großen Freude weigerte sich auch der Außenborder des Dinghis anzuspringen. Im Übrigen einer der Tiefpunkte dieser Reise, an denen ich nicht umhin konnte die Seefahrt im Allgemeinen und meine im Besonderen in Frage zu stellen, wenn nicht zu verfluchen.

Am nächsten Morgen waren alle Probleme zunächst einmal provisorisch behoben und wir retteten uns in den nah gelegenen Hafen von Mgarr auf Gozo. Das Problem, so hatte ich bei den ausführlichen Analyse- und Reparatur-Arbeiten festgestellt, war auf schmutzigen Diesel zurückzuführen. Entweder die Reste von 4 Jahren Liegezeit des Bootes vor dem Kauf oder von minderwertigen Diesel aus Sciacca – Sizilien. Natürlich war es Freitag Mittag als wir im Hafen ankamen und der Mechaniker sagte uns einen Termin erst für Montag Morgen zu.

Blue Lagoon – Cominotto

Also ein Wochenende im Hafen – gar nicht nach unserem Geschmack. Nach einer ausführlichen Reinigung der Kraftstoffanlage und dem Abpumpen von 200 Liter schmutzigem Diesel durfte ich wieder volltanken, benutze seither eine Additiv um den Diesel rein zu halten und habe Haufenweise Ersatzfilter an Bord. Der ganze Spaß kostete mich 200 Liter Diesel, 3 Tage Liegegebühr plus eine vernachlässigbare Rechnung vom Mechaniker.

Cominotto Sundown

Wir mussten danach noch ein wenig auf Wind für die Passage nach Sizilien warten – die Zeit verbrachte wir in der Blue Lagoon vor Cominotto – ein traumhafter Ort zum Tauchen und Schnorcheln.

 

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