Traumziel Sardinien

Sardinien war ursprünglich das Hauptziel der ganzen Reise gewesen und von den Äolischen Inseln hatten wir nach der Nacht ohnehin die Schnauze gestrichen voll. Bislang waren wir auf Sardinien nur kurz gestrandet gewesen, so beschlossen wir das Tief über dem

Isola Ischia

Tyrrhenischen Meer zu nutzen um uns zu unserem eigentlichen Ziel durchzuschlagen. Auf dieser Überfahrt waren rund 300 Meilen und somit rund 3 Tage Fahrt zu bewältigen – zunächst mit 20 Knoten Wind aus West-Nord-West nach Nord-Westen hoch und dann mit langsam nördlich drehendem Wind nach Westen weiter.

Nach Nord-Westen hoch ging es recht zügig – allerdings hart am Wind, gegen die Welle an und mit großem Reff in Groß und Genua. Glücklicherweise funktionierte die Windsteueranlage ausgezeichnet, so dass wir kaum Ruder gehen mussten.

Cala Garibali – Maddalena Archipel – Sardinien

Trotzdem ist ein Hart-am-Wind Kurs bei 6 Beaufort gegen die aufgewühlte See an kein Zuckerschlecken und ziemlich zermürbend. Gut 28 Stunden später hatten wir einigermaßen genug davon. Da der Wind sich ohnehin weigerte nach Nord zu drehen und wir uns der Italienisch Küste bei Neapel näherten, wurde kurzentschlossen die Insel Ischia als Zwischenziel auserkoren, die wir nachmittags erreichten.

Ischia sieht hübsch aus und mag für Arthritis- und Rheuma-Geplagte ein guter Ort sein, für uns war es nichts. Der kleine Ort Sant Angelo an der Süd-Küste fällt durch unverschämte Preise und absolutes Fehlen von Cafes mit WLAN auf. Nach langer Suche fanden wir ein Restaurant wo man bereit war, uns im Internet surfen zu lassen. Bilanz: 2 Bier, ein Espresso, eine Portion Brushetta und Internet – 30 €.

Cala Garibaldi – Maddalena Archipel – Sardinien

Leider war uns mittlerweile der Wind abhanden gekommen, so dass wir die verbleibenden knapp 200 Meilen nach Sardinien praktisch komplett unter Motor zurück legen mussten. Fünf weitere Tage auf Ischia auf das nächste Lüftchen zu warten schien uns keine Alternative. Vielleicht hätten wir es uns überlegt, wenn wir einen Blick auf die Spritpreise in Italien geworfen hätten – 200 Liter Diesel schlagen hier aktuell mit 380 € zu Buche.

Caprera – maddalena Archipel – Sardinien

Unser nächstes Ziel – der Maddalena Archipel im Norden von Sardinien ist diese Investition aber auf jeden Fall Wert. Eine Preiswerte Marina (Cala Gavetta) in La Maddalena und ein hübscher Ort haben uns schnell versöhnt. Unangenehm fiel in La Maddalena lediglich auf, dass man für ein großes Bier an der Promenade locker 6 € zu berappen waren – und das in der Nachsaison..

Dafür ist die Umgebung traumhaft. Eine Bucht mit azurblauem Wasser und kuriosen Felsen jagt die andere. Die Inseln – speziell Caprera bestehen aus Granitfelsen welche die seltsamsten Formen bilden so dass man seiner Phantasie freien lauf lassen kann. Wenn man sich an Land bewegt erschrickt man teils wenn plötzlich im Augenwinkel eine solche

Caprera – maddalena Archipel – Sardinien

Felsskulptur in Erscheinung tritt. Durchsetzt ist die Felslandschaft von Macchia und eigenartigen Wäldchen aus Krüppelkiefern, die in einem phosphorisierendem Grün zu leuchten scheinen.

 

Montag waren wir erst Nachmittags aufgebrochen und bei leichtem Wind ein wenig um die Insel Maddalena gesegelt. In der Bucht, die ich mir für die Nacht auserkoren hatte wurden wir von einem Italiener im Dinghy in Empfang genommen, der behauptete die Bucht sei privat und für eine Nacht an der Boje seien 60 € zu berappen. Nachdem wir die letzte Nacht für 40 € inkl. Wasser und Strom direkt an der Promenade mitten in der Stadt verbracht hatten, waren wir nicht geneigt sein freundliches Angebot anzunehmen. So verschlug es uns in die Cala Garibaldi. Eine hübsche Bucht – am Strand die eigenartige Kulisse eines offensichtlich schon länger geschlossenen Club Mediterranee der dem Ort mit seinen strohgedeckten Rundbehausungen eine afrikanisches Ambiente verlieh.

Caprera – Maddalena Archipel – Sardinien

Die Insel Caprera erweckte schon abends unseren Entdeckergeist. Der Hang bewachsen mit seltsamen Kiefernwäldern die in einem unwirklichen Grün strahlten durchsetzt von schroffen Granitformationen und gekrönt durch einen alpin anmutenden Gebirgskamm und eine große Festung. Es war sofort klar, was am nächsten Tag auf dem Programm stand.

Gaylyn versorgte uns denn auch gleich morgens mit leckerer Picknick-Verpflegung und dann schlugen wir uns in die Büsche.

Caprera – Maddalena Archipel – Sardinien

Meiner bekannten Vorliebe für Offroad-Abenteuer folgend versuchten wir es zunächst querfeldein. Wir waren erstaunlich erfolgreich, solange man auf den felsigen Passagen blieb. Die Macchia zwischen den Felsen war weniger zugänglich und hat auf unseren Beinen eine Hundertschaft von kleinen und großen Kratzern und Rissen hinterlassen. Allerdings hatten wir schon abends ausgemacht, dass oben irgendwo eine Straße sein musste, die wir auch fanden und die uns erlaubte den Weg ohne weiteren Blutzoll fortzusetzen. Die Festung, zu der die Straße führte erreichten wir nach einer Stunde strammen Fußmarsches gegen Mittag, nur um von dem Soldaten, der den Zugang bewachte zu erfahren, dass sie nun schließe aber in 4 Stunden wieder öffnen würde. Es handelt sich dabei um eine große Befestigungsanlage, die dem italienischen Volkshelden Guiseppe Garibaldi gewidmet und wohl auch von ihm erbaut oder doch benutzt wurde. (Anmerkung: Recherche fällt mangels Internet aus, Italienisch kann ich immer noch nicht und die Italiener sprechen immer noch kein Englisch)

Caprera – Maddalena Archipel – Sardinien

Wir erspähten flugs weitere Befestigungen, die zudem oben in den alpin anmutenden Gebirgszinnen lagen, welche ohnehin unser Hauptziel gewesen waren. Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch waren wir mitten drin. Verteidigungsanlagen in den Granit der Bergspitzen hinein gebaut – zumeist äußerlich mit Granitblöcken ausgeführt, so dass sie aus der Ferne kaum von dem umgebenden Fels zu unterscheiden waren oder wie die auf Sardinien und Korsika verbreiteten Genueser Türme aussahen. Der Blick von dort oben reichte über den gesamten Inselarchipel. Genau der richtige Ort für das Picknick.

Caprera – Maddalena Archipel – Sardinien

Auf dem Weg nach unten musste noch ein weiteres Felsmassiv bestiegen werden um Gaylyns ungezügelten Abenteuer-Drang zu befriedigen und dann ging es auf befestigten Wegen wieder zurück zum Boot. Auch auf die Gefahr hin zu langweilen muss ich auch dem Maddalena Archipel in die Liste der absolut empfehlenswerten Orte aufnehmen. Nun sind es noch knapp 2 Tage bis mein Wetterfrosch Wind für die Passage nach Menorca heraufbeschwört. Es wird wohl wieder ein heißer Ritt, denn wir wollen auf den Nachwehen eines Mistral-Windes der bis zu 40 Knoten Wind liefert hinüber reiten. Bleibt zu hoffen, dass der Wetterfrosch recht hat und unser Timing stimmt..

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