Frisch gewaschen

Endlich bin ich wieder auf Malle  – wer hätte gedacht, dass ich mich darüber noch einmal freuen würde. Früher war die Insel ein rotes Tuch für mich. Mittlerweile habe ich mich an den Teutonengrill gewöhnt und fühle mich ganz zuhause hier.

Zudem habe ich auch meinen ersten Landfall in der Zivilisation genutzt um meine Erreichbarkeit wiederherzustellen. Man kann mich nun wieder unter einer spanischen Nummer anrufen (+34.634.398.780) und in Kürze werde ich auch wieder online sein ohne auf Internet-Cafes angewiesen zu sein.

Am Freitag früh waren wir von La Maddalena, Sardinien nach Menorca aufgebrochen. Der Plan war, die sich abschwächende Mistral-Wetterlage zu nutzen um die rund 250 Seemeilen (460 km) ohne allzuviel Einsatz der Maschine zurücklegen zu können.

Wie so oft waren Plan und Realität nur begrenzt in Deckung zu bringen. Schon morgens bei der Ausfahrt aus der Straße von Bonifacio zeigte der Wind sich stark und widerspenstig. Es musste gekreuzt werden um sich von Sardinien frei zu segeln. Kaum draußen schwächelte der Wind zunächst um dann auch noch direkt von vorn zu kommen. Meine Laune sank durch das früh morgendliche Generve mit dem Wind auf den Nullpunkt – nicht zuletzt weil Kreuzen bei kräftigem Wind auch immer einen Haufen harte körperliche Arbeit bedeutet.

Als der Wind gegen Nachmittag wieder kam, gab es gleich eine ordentliche Portion und er kam Hand in Hand mit einer mächtigen Welle. Nun hieß es hart am Wind gegen die Welle anzukämpfen – auch kein reines Vergnügen sondern harte Arbeit. Gegen Abend verschwand die sardische Küste langsam in der Ferne, Welle und Wind hatten bedrohliche Ausmaße angenommen und ich fing langsam an mich zu fragen, ob die Entscheidung durch den Mistral zu segeln wirklich so schlau war. Andererseits war es aber Teil des Planes gewesen, uns vor der Reise in den Atlantik noch einmal mit der rauhen Seite des Mittelmeeres auseinander zu setzen. Wir hatten zwar schon eine feucht-fröhliche Überfahrt von Sizilien nach Italien bewältigt aber dies versprach eine andere Größenordnung zu werden.

Es blieb denn auch spannend. Zur Nacht lies der Wind glücklicherweise etwas nach aber mit der aufgehenden Sonne war er wieder voll da und drehte erst im Laufe des Tages in eine Richtung, die uns davon verschonte direkt gegen Wind und Welle anzukämpfen und uns erlaubte endlich direkt Kurs auf Menorca zu steuern. Mitunter war es angenehmer der aufgewühlten See den Rücken zuzuwenden und sich die steilen, teils brechenden Wellenberge nicht anzuschauen die auf das Boot zuliefen. Nachteil der Strategie war, dass man nie wußte wann es den nächsten Guß in den Nacken gibt. Mit der Zeit ist das Gehör aber auf das spezifische Geräusch der Wellen trainiert, die das Potential für eine anständige Dusche haben und man duckt sich automatisch weg.

Mit Erstaunen musste ich wahrnehmen, dass meine sonst so trocken segelnde Qi diverse Brecher direkt ins Cockpit hinnehmen musste, so dass wir schon bald mit halb verschlossenem Niedergang segelten, um kein Wasser in den Salon zu bekommen. Teils liefen wir mit komplett weg gerolltem Großsegel und stark gereffter Genua mit bis zu 7,5 Knoten am Wind gegen 3 – 4 Meter hohe Wellen an. Glücklicherweise hatte ich mich mittlerweile mit meiner Windsteueranlage angefreundet, so dass wir von der anstrengenden Arbeit am Ruder entlastet wurden.

So richtig gut finden kann man das erst wenn man es hinter sich hat. Unser Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten, vor allem aber in die Stabilität und Wetterfestigkeit unseres Bootes ist durch die Aktion aber immens gefestigt.

This entry was posted in Deutsch, Seefahrt. Bookmark the permalink.

3 Responses to Frisch gewaschen

  1. Susanne says:

    Lieber Thomas,
    ich freue mich für Dich dass Du jemanden gefunden hast, der Dich auf Deinem Weg begleitet. Gaylin kann wohl auch segeln und schein sehr sportlich und angstfrei zu sein. Bei Christian und mir wars am Anfang auch eine 24 Std.-Beziehung und nach fast 9 Jahren halten wir es noch immer sehr lange miteinander aus. Finde Deinen Schreibstil einfach nur gut und bin gespannt auf die nächsten Geschichten. Ich wünsche Euch viel Glück und dass Du weiter im “Wir” und “unser” bist,
    Susanne

    • thomas says:

      Hallo Susanne,
      ja da hast Du wohl Recht, das war eine glückliche Fügung. Gaylyn passt perfekt auf das Boot und wir haben eine tolle Beziehung.
      Liebe Grüße
      Thomas

  2. Tina says:

    Buongiorno, O-Ton Thomas R. aus B.: “Endlich wieder Malle”, wer hätte das gedacht ;o) Bist du jetzt wieder zurück an deinem Stammtisch? Und dann noch Strohwitwer :o( Geniess die Ruhe, es kommen sicher bald stürmische, abenteuerliche, fantastische Zeiten auf euch zu… Home of the sea schon über sechs Monate…wow! Grüß’ Gaylyn, alles Liebe, bis bald mal, Tina

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *