Easy Riding

Es geht auch anders. Nachdem der Mechaniker in Garrucha meine Lichtmaschine für Gesund erklärt hat, sind wir frohen Mutes wieder aufgebrochen um uns den Ostwind nicht entgehen zu lassen, der uns  aktuell mit 15-20 kn durch die Alboran-See nach Gibraltar bläst. Kaum raus aus dem Hafen zeigte die Lichtmaschine wieder das fehlerhafte Verhalten, nur um etwas später doch wieder zögerlich ein wenig Strom zu produzieren. Diesmal beschlossen wir das Strom-Problem auf Gibraltar zu vertagen und uns bezüglich des Stromhaushaltes auf den Generator zu verlassen.
Diese Entscheidung wurde im Laufe des Nachmittages belohnt: Der aufkommende leichte Ost-Nord-Ost-Wind wurde mittels meines Genakers (asymetrisches Ballonsegel ähnlich einem Spinnaker) in zügige 6-7 kn Fahrt umgesetzt.

Zur Nacht wurde der Genaker wieder durch die Genua ersetzt, was uns Geschwindigkeitstechnisch stark zurück warf – zumal ein kräftiger Strom entgegen setzte. Dafür wurden wir mit einem ganz besonderen Schauspiel belohnt. Das Wasser ist in der Alboran-See um diese Jahreszeit offenbar extrem reich an phosphorisierendem Plankton, was sich deutlich an der leuchtenden Spur niederschlägt, die das Boot sowie alle anderen Objekte hinterlassen die sich schnell durch das Wasser bewegen. Hagai bemerkte die Delfine zuerst, die sich uns näherten um Qi einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Ein Anblick wie aus einem Science-Fiction-Film. Die Delfine sind im Wasser in der Dunkelheit nur anhand ihrer Leuchtspuren zu erkennen. Wenn sie direkt am Boot auftauchen ist das grünliche Licht des Planktons stark genug um schemenhafte Konturen erkennen zu können, ansonsten erscheinen sie nur wie geisterhafte Kometenstreifen die das Boot mit hoher Geschwindigkeit umkreisen. Eine Vorstellung, die sich in den frühen Morgenstunden noch einmal wiederholt, so dass alle an Bord in den Genuß kommen.

Als ich um 2:00 meine Wache antrat kümmerte ich mich zunächst um Giskard, der auf dieser Reise bisher nicht im Einsatz war.  Giskard ist der Name unserer Windsteueranlage, die nicht etwa zur Steuerung des Windes eingesetzt wird, sondern zur  automatischen Steuerung des Bootes. Im Gegensatz zur unserem elektrischen Autopiloten arbeitet Giskard völlig autark nur mit der Kraft des Windes und des Wassers ohne Strom zu  verbrauchen Der Name wurde ihm von Gaylyn gegeben, nach einem Roboter in einem Roman von Isaak Asimov. In dem Roman ist der Roboter in der Lage die Emotionen der Menschen zu beeinflussen – das hat er mit unserer Windsteueranlage gemein, denn wenn sie funktioniert macht sie uns alle glücklich. Plötzlich kann man auf Wache mal 15 Minuten unter Deck gehen um sich aufzuwärmen oder ein Süppchen zu kochen. Das macht den Wachhabenden froh. Auch tagsüber ist es immens entspannend wenn keine festen Wachen gegangen werden müssen. Seit 2:20 Uhr hat Giskard Qi und die Laune der Crew wieder fest im Griff und alle sind zufrieden.

Der Morgen wurde dann noch mit Anglerglück belohnt. Zunächst war Hagai leicht frustriert, weil ihm ein prächtiger Bonito im letzten Augenblick vom Haken gesprungen war. Eine Stunde später war das Pech dann auf der Seite eines Bonitos. Der ist mittlerweile filettiert und wartet in Form einer Ceviche auf den unmittelbaren und in Form einiger Steaks auf den späteren Verzehr.

Gibraltar ist noch 95 Meilen (ca 16 Stunden) entfernt, der Wind weht mit 16 kn aus der richtigen Richtung, die Sonne scheint und Giskard macht die Arbeit. Besser geht es nicht.

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