Gibraltar II

Eigentlich sollten es ja nur ein, zwei Tage werden, nun sind wir mittlerweile seit über einer Woche hier. Was uns hält ist primär das Wetter – nicht etwa weil es so schön ist (es ist eher durchwachsen) sondern weil es bislang keine vernünftigen Nordwinde  für die Weiterreise gab.

Zudem musste ich mich u.A. um meine defekte Lichtmaschine kümmern – was in der Fremde wie immer nicht völlig problemlos von statten ging. Hier hat mich eine Firma  auf der spanischen Seite (www.crisnaval.com) recht freundlich und kompetent unterstützt. Man war dort sehr um meine Sicherheit besorgt und der Meinung, dass ich mit nur einer Lichtmaschine auf dem Atlantik nichts zu suchen habe. Daher wurde für überschaubares Geld dafür gesorgt, dass ich nun eine brandneue Lichtmaschine und meine alte reparierte als Reserve habe. Heute baue ich die neue Lima wieder ein und das Kapitel ist dann hoffentlich vorerst abgeschlossen. Das Gute dabei – ich habe wieder viel dazu gelernt und kann meine Lima mittlerweile mit verbundenen Augen ein – und ausbauen.

Gibraltar ist ansonsten ein eigenwilliger Ort. Eigentlich viel zu klein hängt es in vielem von Spanien ab. Die Stadt ist pituresk, der Affenfelsen ganz nett anzusehen, Alkohol und Zigaretten kann man billig an jeder Ecke kaufen, aber für alles andere geht man besser über die Grenze nach La Linea. Die vielen Sehenswürdigkeiten drehen sich zumeist um die große Belagerung (the great Siege), die Schlacht von Trafalgar oder den 2. Weltkrieg. Es gilt also zu 90% große Kanonen, Verteidigungsanlagen oder das siegreiche British Empire im allgemeinen zu bestaunen. Warum die Briten so stolz auf ihre Kriege sind oder was sie hier überhaupt zu suchen haben erklärt natürlich niemand.

Der Grenzübertritt nach La Linea ist spannend. Zunächst gilt es die Landebahn des Flughafens zu überqueren, die von der stets bereit stehenden Polizei für jeden ein- oder ausgehenden Flug gesperrt wird. Dann kommt die Grenzkontrolle – eigentlich ein Relikt in Europa aber Gibraltar scheint nicht zum Schengen-Raum zu gehören.

La Linea ist auf den ersten Blick häßlich wie die Nacht, entpuppt sich aber bei genauem Hinschauen als ein quirliges, sehr authentisches spanisches Städtchen mit allem was dazu gehört und einigen Spezialitäten die es dem nahen Gibraltar bzw. dem nahen Afrika zu verdanken hat. Nur die Siesta kann einen gründlich nerven. Welchen Grund kann es in der kalten Jahreszeit geben von 13:30 bis 17:30 alle Läden gnadenlos zu schließen ? Der einzige Vorteil ist, dass man so nach Ladenschluss in Gibraltar (pünktlich um 18:00) in La Linea noch bis 21:00 weiter shoppen kann.

Was an Gibraltar noch erwähnenswert ist, ist das Nachtleben. Es gibt eine Flut von begeisterten Musikanten, die sich bei den regelmäßigen Karaoke-Abenden, Jam-Sessions und Live-Auftritten die Klinke in die Hand geben. Wir sind mittlerweile Stammgäste im Lord Nelson und es ist schwer dort nicht zu versacken, denn es ist jeden Abend etwas los.

Allerdings muss man auf sich aufpassen – die Eingeborenen sind nicht immer friedlich. Gleich an unserem ersten Karaoke-Abend am Montag kam es zwischen Gaylyn und einer volltrunkenen, adipösen Britin und ihrem ebenfalls abgefüllten Galan zu einer Auseinandersetzung, als diese einen kurzen Ausflug meinerseits zur Toilette und Gaylyns zu Bar nutzten, um sich an unserem (immer noch durch unsere Crew besetzten) Tisch breit zu machen. Zwar konnten wir unser persönliches Trafalgar feiern und die feindliche Flotte erfolgreich in die Flucht schlagen, wurden aber den Rest des Abends von dem Galan mit Stinkefingern bedacht, was von uns mit ausgelassener Heiterkeit beantwortet wurde.

Am Montag hoffen wir endlich die günstigen Nord-Winde anzutreffen und werden uns zur Weiterfahrt und gleichzeitigen Entgiftung auf den Atlantik begeben..

This entry was posted in Deutsch, Seefahrt. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *