Angekommen

Erster Ankerplatz vor St. Anne

Erster Ankerplatz vor St. Anne

Angekommen sind wir vor mittlerweile 9 Tagen aber es dauert natürlich immer ein wenig bis man sich an die neuen Lebensbedingungen angepasst hat. Das eher monotone Leben auf See ist wieder einem schnelleren Tempo gewichen. Man spürt plötzlich, dass es doch einen gewissen Bewegungsmangel gab, denn gerade in der Hitze der Karibik scheint der Kreislauf nicht recht hinterher zu kommen, wenn man plötzlich meint einen Hügel hinauf laufen zu müssen. Da wir wieder vor Anker liegen, wird auch das

Gaylyn beim Frühsport

Gaylyn beim Frühsport

tägliche Trainingspensum wieder durchlaufen: Morgens Schwimmen, Rudern, wenn der Außenborder schwächelt und die Hügel um St. Pierre herum haben es auch in sich..
Gestern waren wir erstmals hier tauchen. St. Piere ist unter Wasser ganz hübsch aber nicht spektakulär. Das erwartete Wrack haben wir nicht gefunden, dafür aber ein paar andere interressante Dinge, ein paar Rotfeuer-Fische (allerdings in Schwarz statt in Rot), eine Kolonie von den lustigen Aalen die halb im Sand stecken, wie Pflanzen aussehen, sich dann aber überraschend in den Bau zurückziehen wenn man sich nähert, ein paar hübsche Korallen und eine Seeannemone – leider ohne Clownsfisch.
St. Pierre, im Nord-Westen in Martinique gelegen hat eine interessante Geschichte:

St. Pierre vom Wasser aus

St. Pierre vom Wasser aus

Ursprünglich die Hauptstadt der Insel wurde der Ort an einem einzigen Tag komplett vernichtet – einschließlich einer Flotte von Handelsschiffen die in der Bucht vor Anker lagen. Schuld war der Vulkan Pele oder nach allem was man so liest die Stadtverwaltung, die nicht wahr haben wollte, dass so etwas passieren könnte. Es gibt natürlich auch jene, die behaupten das Inferno sei auf den Fluch der letzten Kariben der Insel zurück zu führen von denen lange zuvor unweit des Ortes die letzten ausgerottet wurden.
Jedenfalls schickte der Vulkan am Himmelfahrtsmorgen des Jahres 1902 eine Wolke glühender Asche und Gase seine Hänge hinab, nachdem er sich vorher schon seit Monaten aufgebläht hatte und diverse Anwesen an seinem Hang vernichtet hatte. Die Stadt wurde dabei in eine Ruinenlandschaft verwandelte, die an Hiroschima nach der Atombombe erinnert. Überlebt hat nur ein einziger wegen Mordes einsitzender Sträfling und eines der auf Reede befindlichen Boote. Beide halbverbrannt.

Die Ruine der irrenhauses von St. Pierre

Die Ruine der irrenhauses von St. Pierre

Heute kann man viele der alten Gebäude besichtigen, von denen zumeist nur die Grundmauern überlebt haben. Alles wird überwuchert von der unaufhaltsamen Vegetation der Karibik und überbaut von den Nachfahren.
Das Wetter, welches diese Vegetation unterhält ist durchaus auch eine Zeile wert. Seit wir hier Anker geworfen haben regnet es jede Stunde zumindest 10-15 Minuten. Manchmal ist es auch nur eine konstante Berieselung, wie in einem Gewächshaus für Pflanzen des Nebelwaldes. Das ist eigentlich ganz angenehm in der Hitze – immerhin ist es ja Süßwasser, nur dass hier einfach nichts trocknet sondern stattdessen alles immer nur nasser wird nervt. Zwischendurch kommt immer mal eine größere Regenfront durch – dann gibt es eine richtige Schüttung und auch schon mal Böen bis zu 30 Knoten. Das erfüllt das Seglerherz mit Sorge – darüber nämlich ob der Anker hält.

Ready for Sightseeing

Ready for Sightseeing

Unser erster Anker in dieser Bucht tat genau das nämlich nicht. Glücklicherweise waren wir uns des unguten Halts des Ankers durchaus bewußt – wähnten uns aber im Windschatten der steil aufragenden Küste sicher. Trotzdem habe ich des Nachts einen Ankeralarm gesetzt, so dass der damit beauftragte Computer morgens gegen 4 Uhr via GPS die Positionsveränderung des Bootes bemerkte und Alarm schlug. Mittlerweile haben wir den Ankerplatz gewechselt und der Haken liegt jetzt sicher eingegraben im Sand.
Gestern haben wir auf der Reede von St. Pierre ein Boot ausgemacht dessen Name uns bekannt vor kam: Hanta Yo – ich hatte auf dem Atlantik Funkkontakt mit einem Boot dessen Namen ich da noch als Hunter Joe interpretierte.. Also sind wir auf dem Weg zum Tauchen kurz mit dem Dinghy vorbei und haben direkt eine Einladung zum Sundowner abgestaubt. Es ist tatsächlich das Boot, mit dem wir gesprochen hatten (nach langer Suche konnten wir es damals als winzigen weißen Fleck am Horizont ausmachen) und es wird derzeit begleitet von einem Filmteam, welches den Ausbruch der Eigner in die große Freiheit fürs Fernsehen dokumentiert hat. Auch der Sundowner wurde eifrig Dokumentiert und nachher habe noch ein Interview mit dem Filmteam, so dass Qi, Gaylyn und ich vielleicht bald im Fernsehen zu bewundern sind (SWF). Gaylyn darf beim Interview leider nicht mitreden – deutsch ist erwünscht. So komme ich endlich auch mal zu Wort.. Sollte es zur Ausstrahlung kommen werde ich versuchen den Sendetermin zu posten..

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