Navigation für Fortgeschrittene

Wie ja mittlerweile jeder mitbekommen hat, habe ich keinen blassen Schimmer von der christlichen Seefahrt, deshalb tut es Not meinen Erfahrungshorizont stetig zu erweitern. Antigua bietet dazu eniges an Gelegenheit, denn es ist umgeben von flachem Wasser gespickt mit unzähligen Riffen.

QI vor Great Bird Island

QI vor Great Bird Island

Üblicherweise bleiben die meisten Segler in der Karibik im Westen der Inseln. Der Osten ist offen zum Atlantik und hat oft keine oder nur wenige geschützte Ankerplätze. Man kämpft dort also mit den ungebremsten Atlantikwellen die auf die Küste aufprallen und jeden Ankerplatz zur Achterbahn machen. Außerdem ist man stets im Leegerwall wie der Seeman sagt – im Falle eines Problemes treibt der Wind einen unaufhaltsam auf Land zu – man hat also nur wenig Zeit seine Probleme zu beheben bevor man aufläuft.

Antiguas Ostküste

Antiguas Ostküste

Antiguas Ostküste ist von Riffen und kleinen Felsinseln gesäumt, die sich weit in den Atlantik hinaus strecken und zwischen sich und der Hauptinsel ein von Riffen und Sandbänken durchzogenes Seegebiet umschließen, dass vor der Atlantik-Dünung geschützt ist. Ein wundervolles Segelrevier mit viel Wind, wenig Welle und vielen wunderbar einsamen Ankerplätzen. Der Karibiktraum schlechthin.
Allerdings muss man die Augen offen halten, denn man segelt teils sehr nah an Messer scharfen Fels- und Korallenriffen entlang und jeder Hurricane verändert das Gebiet, so dass auf die Seekarten kein Verlass ist. Man navigiert zumeist nach Sicht. Es gilt also beim richtigen Stand der Sonne zu reisen. Bei Nacht sollte man besser fest verankert sein, denn dann ist das Seegebiet gefährlich.

Tropicbirds

Tropicbirds

Aktuell liegen wir im Windschatten von Great Bird Island vor Anker. Eine wunderschöne kleine Insel mit kleinen weißen Stränden, besiedelt von Scharen von Vögeln und Eidechsen. Die auffälligste Art ist der Tropicbird – ein Seevogel, der einen auffällig langen weißen Schweif hinter sich her zieht. Sie segeln  in den Aufwinden der steilen Ostküste an den Klippen direkt vor den Augen des Beobachters. Ihre schrillen Schreie klingen aus der Entfernung wie eine Trillerpfeife. Die Vegetation der Insel ist

Inselvegetation

Inselvegetation

erstaunlich vielfältig. Neben Palmen, Mangroven und Buschwerk findet man viele großen Kakteen und Aloevera. Tagsüber kommen vereinzelt Ausflugsboote auf die Insel aber ab Nachmittags haben wir sie komplett für uns – außer uns liegt nur ein weiteres Boot hier vor Anker.

Trotzdem geht es morgen wieder weiter. Zunächst müssen wir uns wieder zwischen den Untiefen hindurch ins offene Wasser hinausmogeln, damit is meine Lektion in Riff-Navigation (oder englisch Eyeball Navigation) abgeschlossen. Anschließend wird noch einmal in Jolly Harbour Halt gemacht um in dem vorzüglich sortierten Supermarkt einzukaufen und auszuklarieren. Dienstag geht es weiter – nächstes Ziel

Stranded on Great Bird Island

Stranded on Great Bird Island

ist die Insel Nevis (St. Kitts and Nevis).

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9 Responses to Navigation für Fortgeschrittene

  1. Susanne says:

    Lieber Thomas und Gaylin,
    freue mich über Eure Karibikerzählungen und mehr über das Leben auf dem Boot zu lernen, ist ja fast wie Campen im Wohnwagen und das kenn ich noch aus der Kindheit.
    War Skifahren in Österreich und bin sturzfrei und juchzend über die Pisten gewedelt. Falls Ihr mal den Land- und Luftweg nehmen solltet und etwas Abkühlung braucht, hier bei uns Nahe München ist immer ein Bett für Euch frei.
    Herzliche Grüße bei Minus 3 Grad und Schneefall
    Susanne

    • thomas says:

      Der Unterschied zum Wohnwagen ist, dass Du nicht gleich im Wasser bist, wenn Du Ihn verlässt und dass er im Allgemeinen noch da steht, wenn Du mal ein paar Stunden weg warst. Beim Boot fragst Du Dich immer ob der Anker wohl hält und oder sonst etwas passiert. Dein Heim ist permanent irgendwelchen Gefahren ausgesetzt. Die unendliche Leichtigkeit des Seins erfordert unter diesen Umständen eines gewissen Masses an Gelassenheit. Das will geübt sein. Wirklich frei ist nur, wer nichts zu verlieren hat…
      Grüße Thomas

  2. Tina says:

    oh, oh…das sind ja Aussichten :o) Schickt doch mal Sonne, Ihr Beiden… Schnee habe ich dann ja anscheinend ab morgen genug in Minga ;o( Wo seid Ihr denn jetzt? Newis? Enjoy!!!!!!!! Life, Love, Sun and Bubbles ;o)

  3. Arne says:

    Hallo Ihr beiden,
    wieder mal sehr schöne Beschreibungen. Wenn ich das auf der Karte “Wo ist Qi! richtig sehe, seid Ihr noch auf Antigua. Recht so! Dort ist es m. E. viel schöner als Saint Kitts und Navis. Aber schon die nächste Insel ist wieder ein Traum. Ich liebe St. Barth.
    Die Bilder unter Wasser werden ja ganz toll.
    Habe mir mal wieder in aller Ruhe Deine Unterseite Today’s Outlook angeschaut. Man kommt sofort ins schwärmen.
    Liebe Grüße
    Arne

    • thomas says:

      Hallo Arne,da hast Du leider Recht. Waren ein paar Tage auf St. Kitts und auch auf Nevis und ich fand es nicht berauschend. Jetzt liegen wir in Gustavia, St. Barth und es est definitiv schöner. Wenn auch eigentlich mehr was für die Schönen und Reichen dieser Welt. Dafür kann man direkt auf Reede bei den Saints ganz vortrefflich Schnorcheln und das Wasser ist klar und lädt zum Bade.. Demnächst geht es weiter nach St. Marten. Meine Vergangenheit holt mich ein und ich muss mich um die Liquidation meiner Firma kümmern.
      Schöne Grüße aus der Sonne
      Thomas

  4. Ralf says:

    Hey du Seebär,
    kommst du vor lauter chillen und Bacardifeeling nicht mehr zum schreiben??

    Liebe Grüsse aus Pattensen
    P.S. Es wird langsam wärmer hier, wir haben schon sage und schreibe 3-4 Grad.

    • thomas says:

      Hallo Du Landei,
      schön mal wieder was zu hören. Bin aktuell etwas offline. Mein Aussenborder war kaputt und ich musste immer rudern um ins Internet zu kommen. Zudem hatte ichob dann meist andere Probleme. Das Motorproblem ist hoffentlich gerade gelöst.. Glückwunsch zu den Plusgraden. Ich benutze Kleidung eigentlich nur um meine Blöße zu bedecken und mich vor der Sonne zu schützen.. Celsius habe ich reichlich…
      Grüße die Schützen von mir.
      Thomas

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