Stranded in Civilization

Mittlerweile liegen wir

Heineken Reagatta

Heineken Regatta, St. Maarten

vor St. Maarten. Nicht unbedingt eines meiner Traumziele. Die Insel ist zwar nur gut 7 x 7 Meilen groß aber trotzdem in einen französischen und einen holländischen Bereich aufgeteilt – wir sind in Holland. In diesem Holland wird englisch gesprochen und mit US$ gezahlt. Interessanterweise sind die Waren im Supermarkt aber noch in Gulden ausgezeichnet, das letzte Bischen holländische Identität. Die Lebensmittel sind teuer aber dafür ist es der beste Ort in der Karibik um Bootszubehör einzukaufen. Den französischen Teil haben wir noch nicht besucht..

Plantagen Ruinen auf Nevis

Plantagen-Ruinen auf Nevis

Die Insel hat viele schöne Strände, einen internationalen Flughafen und gut 1 Millionen Besucher pro Jahr. Ein ziemlicher Kulturschock für uns, nicht zuletzt auch weil wir gerade mitten in die Heineken Regatta hineingeplatzt sind und die Insel vor Booten und Seglern förmlich überquillt..

Natürlich bin ich nicht wirklich freiwillig hier. Meine Vergangenheit holt mich gerade ein, triefend vor Gier und Niedertracht schreit sie nach Aufmerksamkeit. Mein lieber Kompagnon hat meine Firma mittlerweile ziemlich plump aber dafür vollständig ausgeräumt. Wie es aussieht werde ich ihn vor Gericht schleppen müssen um zumindest etwas von dem abzubekommen, was in 15 Jahren aufgebaut wurde. Das ist ärgerlich und traurig – zeigt mir aber, dass ich das einzig Richtige getan habe dieser Gesellschaft den Rücken zu kehren. Leider zwingt mich diese Angelegenheit, mich eine Weile in Nähe zur Zivilisation aufzuhalten. Ansonsten wäre ich jetzt schon unterwegs zu den British Virgin Islands

Hiking auf Nevis

Hiking auf Nevis

Vorher haben wir uns St. Kitts und Nevis angeschaut. Ein seltsames Land, bestehend aus 2 Inseln. Irgendwie konnten wir uns dort aber nicht wirklich zuhause fühlen. Seltsame Schwingungen – ich hatte eigentlich ständig das Gefühl entweder dort nich hin zu passen oder nicht willkommen zu sein. Trotzdem haben wir uns auf den Inseln ein wenig die Beine vertreten. Auf Nevis wurde der Berg bestiegen und eine schöne alte Zuckerohr-Plantage besichtigt. Wenn man die Inseln umrundet sieht man speziell auf der Schwesterinsel St. Kitts überall die verfallenen Schornsteine der Zuckerplantagen aufragen, von denen viele liebevoll restauriert und in Hotels und Restaurants umgewandelt worden sind. Trotzdem wirkt alles etwas morbide. Selbst das mondäne Four Seasoms Resort scheint nicht wirklich zu laufen.

Ankerbucht vor St. Kitts

Ankerbucht vor St. Kitts

Eine Analyse der Lage bezüglich der Ursache meiner latenten Unzufriedenheit brachte mich schnell zu dem Ergebnis, dass ich dringend mal wieder einen Ankerplatz abseits der Zivilisation in Kristall klarem Wasser und mit reichlich Riff zum Schnorcheln und Schwimmen brauchte. Also wurde in St. Kitts ausgecheckt und am Südende der Insel über Nacht geankert. Dort wurden meine Anforderungen schon mal weitestgehend erfüllt. Die Bucht war einsam, das Wasser klar nahe dem Ufer lud ein Riff mit einem Wrack zum Schnorcheln ein.

Reich & schön

Reich & schön

Nächsten Morgens ging es weiter nach St. Barthelemy – die Insel der Reichen und Schönen. Nicht gerade place to be, wenn man gerade versucht sein Budget ein wenig zu straffen. Gaylyn war entzückt von dem Angebot in den Supermärkten – der erste Ort in der Karibik, wo wirklich fast alles zu haben war. Nur dass jedes Produkt – selbst das Gemüse – entweder aus Europa oder Amerika importiert und entsprechend teuer war. Schön auch die Cafees, dort konnte man sich endlich mal wieder so richtig arrogant und von oben herab bedienen lassen.

Dafür ist die Reede der Hauptstadt Gustavia mit wunderbar klarem Wasser über sandigem Grund gesegnet und die Saintes – ein paar Felsinseln –

Gaylyn besichtigt St. Barth von unten

Gaylyn besichtigt St. Barth von unten

laden zum Schnorcheln ein. Ein ein Ausflug zu einem der Saintes – nur 100 Meter vom Ankerplatz entfernt erbrachte diverse neugierige Barakudas, ein Wasserballet aufgeführt von 4 Kalmaren und diverse andere interessante Fische.

Letzte Station auf der Anreise nach St. Maarten war die in einem Naturschutzgebiet gelegene unbewohnte Insel Ile Fourchue. Hier kann man mal so richtig Robinson spielen. Wir erforschten die Insel gegen Abend. Es gibt ein paar felsige Berge die erobert sein wollten und die Aussichten auf die Nachbarinseln und die eigenwillige Vegetation war faszinierend. Die Insel wurde in der Verangenheit von

Fiese Pflanzen auf Ile Fourchue

Fiese Pflanzen auf Ile Fourchue

Ziegenherden komplett kahl gefressen. Nachdem die Ziegen sich selbst die Lebensgrundlage geraubt haben und die letzten überlebenden entfernt worden waren, erfindet die Natur sich auf den Inseln gerade wieder selbst und zähes Grün breitet sich überall auf dem trockenen Eiland wieder aus.

Mittlerweile (dieser Artikel war ein schwere Geburt und hat ein paar Tage gereift) haben wir uns auf St. Maarten eingelebt. Der französiche Teil, insbesondere Marigot ist ganz hübsch anzuschauen (ganz im Gegensatz zu Simpson Bay), mein Außenborder der auf der Ile Fourchue den Dienst eingestellt hatte ist durch ein leistungsstärkeres Modell ersetzt worden und meine gute Laune ist weitestgehend wieder hergestellt. Außerdem geniessen wir die Vorteile der tendenziell überbevölkerten Insel und kommunizieren fleißig. Auch unsere Dänischen Stalker sind mittlerweile eingetroffen und Gaylyn gibt dort morgen unterricht.

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One Response to Stranded in Civilization

  1. Dagmar says:

    Hallo Thomas,
    war gut mal wieder mit Dir zu sprechen. Mir ist aufgefallen das Du ja Einjähriges gefeiert hast. Wie schnell die Zeitvergeht. Wenn man 1 Jahr zurück denkt, kannst ganz schön stolz auf Dich sein, hast es trotz der Umsstände geschafft alles zu realisieren. Toll
    Liebe Grüsse Dagmar

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