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Internet auf dem Boot ! Das hatten wir lange nicht mehr, also muss es gnadenlos genutzt werden, um mal wieder mit allen in Kontakt zu treten und die überfälligen Kommunikations-Aufgaben abzuwickeln.  In den letzten Wochen gab es meist nur Internet in Kneipen. Das heißt schnell die Rechner einpacken ins Dinghy (am besten zur Happy Hour) und dann bei einem Bier oder zweien schnell das Wetter herunter laden, die wichtigsten Mails beantworten und vielleicht einen zuvor auf dem Boot vorbereiteten Blog einstellen. Begrenzt wird die Session durch die Baterien des Computers sowie durch den Bierkonsum. Dabei bleibt meist die Hälfte unerledigt ,Telefonieren via Skype ist eher nervig wegen der Musik und der vielen Gesellschaft und die Happy Hour macht das Vergnügen zwar billiger, ist aber meist auch die Stunde, in der die Moskitos auftauchen um den Bewegungslos über dem Rechner sitzenden gnadenlos auszusaugen.

Clarkscourt bay, Grenada

Clarkscourt bay, Grenada

Qi liegt mittlerweile in Clarkscourt Bay, Grenada vor Anker. Auf den letzten Inseln war die Frage nach dem besten Platz zum ‘Übersommern’ mehr und mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. In der Karibik ist seit heute offiziell Hurricane-Saison und wer sich jetzt noch auf den Inseln herumtreibt, sollte einen Plan haben, was er im Falle eines Hurricanes anstellt. Infolgedessen haben wir alle kompetent wirkenden Cruiser interviewt, was für Pläne sie für den Sommer haben. Das Ergebnis dieser Befragungen hat uns zunächst hierher nach Grenada geführt.  Die Insel ist hübsch so hies es, die Versorgungslage gut, es gibt eine große Cruiser-Community, es soll recht Hurricane-sicher sein und man kann immer mal schnell einen Abstecher in die Grenadinen machen.

Mittlerweile hat sich allerdings herauskristalisiert, dass der letzte Hurricane die Insel vor gerade mal 9 Jahren voll getroffen hat (Ivan). Zudem ist das Wasser in den Ankerbuchten im Süden der Insel reichlich trüb und das Wetter schlägt gerade massiv in Richtung Regenzeit um. Das bedeutet viel Regen und heiße, schwüle Luft.  Zudem sind die Flugverbindungen nach Deutschland teuer und umständlich. Es sieht daher nicht danach aus, dass wir allzuviel Zeit hier verbringen werden.

Die Cruiser-Community ist allerdings allerliebst. Es gibt einige deutsche Boote hier, die allerdings nicht durch rege Kommunikation auffallen. Die english-sprechende Frakion ist dafür um so aktiver. Praktisch jeden Tag ist irgendwo etwas los. Gestern war Cricket heute wird ein Hash veranstaltet und es gibt eine Lese-Stunde für die lokalen Kids. Morgen gehen wir Leatherback Schildkröten bei der Eiablage beobachten.

Viele der Veranstaltungen sind allerdings sehr eigenwillig. Cricket z.B. ist ein Spiel, dessen Regeln ich auch nach diversen Erklärungsversuchen durch Gaylyn nicht im geringsten verstanden habe. Ein richtiges Cricket-Match kann zudem leicht 5 Tage dauern und dann trotzdem noch unentschieden ausgehen. Unvorstellbar – meine Geduld mit Sportverantstaltungen scheitert meist schon an den 90 Minuten eines Fußballspiels. Zudem habe ich in meinem Leben noch nicht mit einem Knüppel nach einem heranfliegenden Ball geschlagen, außer vielleicht im weitesten Sinne beim Tennis. Also eher nichts für mich.

Der Hash ist auch eine sehr britische Angelegenheit – es geht nicht etwa darum lokale Kräuter zu rauchen. Die offizielle Beschreibung lautet – a drinking club for people with a running problem. Damit ist schon mal die Lieblingsbeschäftigung aller Segler – das Trinken – abgedeckt. Zunächst wird aber gelaufen oder gewandert.  Zur Belohnung gibt es dann zu Essen und zu Trinken. Ich werde in den nächsten Tagen detaillierter Berichten…

Ansonsten sieht es wohl so aus, dass wir uns früher oder später entweder nach Trinidad oder nach Curacao aufmachen. Trinidad ist die Insel der Wahl um Reparaturen am Boot durchzuführen. Allerdings soll das Klima eher grenzwertig sein – heißer und feuchter noch als hier – nur ohne die kühlende Passat-Brise. Wenn wir dort bleiben, dann nur um das Boot aufs Trockene zu stellen, ein paar Arbeiten am Unterwasserschiff durchzuführen und einen Abstecher nach Deutschland  zu machen. Erst im Februar ist die Insel wirklich Place to be, denn sie ist die Heimat des weltweit besten Karnival, so heißt es.

Curacao hingegen fällt durch wesentlich sonnigeres Wetter, klares Wasser und gute Flugverbindungen nach Deutschland auf. Dafür liegt es weit im Westen, sozusagen auf einer Art Einbahnstrasse für Segler. Der Weg zurück nach Osten wird durch die Passatwinde und die westgehende Strömung blockiert, nach Norden geht es zurück in die Huricane-Zone. Es bleibt also nur der Weg nach Mittelamerika – Kolumbien und Panama – wenn man von Curacao die Schnauze voll hat.. Dort ist man bis zum Ende der Hurricane-Saison in einer Art Sackgasse und wird zudem von der tropischen Regenzeit wieder eingeholt. Es bleibt also spannend..

Gerade ist es mal wieder Zeit, den Computer in Sicherheit zu bringen und die Luken zu schließen. Windböen von 30 Knoten und mehr kündigen den nächsten tropischen Regenguss an..

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