Kolumbien

Gaylyn erforscht Bonaire von unten

Gaylyn erforscht Bonaire von unten

Die Niederländischen Antillen haben uns erstaunlich lange aufgehalten. Nach erster Sichtung von Curacao hatte ich noch gedacht, dass die Inseln dazu kaum in der Lage wären. Außer dem für die Jahreszeit erstaunlich trockenem Klima und den wunderschönen Stränden und Korallenriffen war dort nicht wirklich viel zu holen und der einzige vernünftige Ankerplatz von Curacao – Spanish Waters ist eine Lagune, in die wir uns aufgrund des trüben Wassers und der anzunehmenden Kontamination (haufenweise Segelyachten in einem stehenden Gewässer) nur widerwillig zum Bade begeben mochten.
Bonaire hatte zwar Vertrauen erweckende Mooringbojen über glasklarem Wasser, aber an Land noch weniger zu bieten. Zudem war dies die erste Insel auf unserer Tour, auf der wir noch selbst gute 150 Meter vom Ufer entfernt auf dem Boot massiv von Moskitos heimgesucht wurden. Unsere diesbezogenen Klagen gegenüber anderen Segler wurden abgetan – sie hätten die Insel erst auch nicht so toll gefunden, aber wenn man sich erst einmal eingelebt hat ist es prima.

Bonaires unverdorbene Riffe

Bonaires unverdorbene Riffe

So war es denn auch, Gaylyn hat Moskito-Netze für Türen und Fenster und Windscoops (Lufthutzen ) für die Decksluken angefertigt – damit waren die primären Probleme aus der Welt. Zunächst war ich vorm Tauchen noch zurück geschreckt, da ich einen empfindlichen Zahn hatte, dessen Nerv auf starke Druckschwankungen schlecht anzusprechen schien. Nachdem sich das erledigt hatte, haben wir zügig die 107 US$ für 21 Tankfüllungen investiert. Gut 5 US$ pro Tank, billiger und einfacher habe ich noch nie getaucht.

Seepferdchen

Seepferdchen

Die Cruiser-Gemeinschaft war sehr angenehm – nicht aufdringlich aber hilfreich. Regelmäßig wurden die diversen Sichtungen seltsamer und seltener Meerstiere auf den jeweiligen Tauchausflügen ausgetauscht. Bald waren wir intensiv auf der Suche, insbesondere nach den Seepferdchen und nach dem sagenumwobenen Frogfish. Die Seepferdchen waren schnell abgehakt aber der Frogfish machte sich rar. Es handelt sich um ein kleinen Fisch der einem Schwamm oder einer Koralle täuschend ähnlich sieht und extrem schwer zu entdecken ist. Auf dem letzten Tauchgang vor der Abreise tauchte der sagenumwobene Fisch dann endlich auf – direkt unter dem Boot.

Der Sagen umwobene Frogfish

Der Sagen umwobene Frogfish

Nach einem weiteren kurzen Stopover in Curacao zur Installation eines neuen Achterstags ging es am Donnerstag Nachmittag auf nach Santa Marta, Kolumbien. Wir waren vor dieser Passage reichlich gewarnt worden – es handelt sich so heisst es um eines der berüchtigsten Seegebiete und regelmäßig kommen Boote dort zu Schaden. Unsere Passage verlief jedoch problemlos, wir hatten eher mit zu wenig Wind zu kämpfen und liefen einige Stunden unter Motor. Am Freitag morgen zog noch vor Sonnenaufgang die Insel Aruba an uns vorbei und Gaylyn, deren Wache um 3:00 Uhr began, wurde mit der Aufgabe konfrontiert durch eine Flotille von gut 12 in Wartestellung treibenden Tankern hindurch zu steuern, die dort vermutlich auf ihre Einfahrt in die venezoelanischen Ölfelder im Maracaibo-See warteten. Am Samstag morgen war unser Timing besser und wir erreichten pünktlich zum

Sunrise over Cabo de la Vela

Sunrise over Cabo de la Vela

Sonnenaufgang das Cabo de la Vela in Kolumbien. Dort wurde kurzfristig der Anker geworfen und erst einmal ausgeschlafen. Gestört wurde unser Schlaf nur durch die zahlreichen Kanus und Lanchas der offensichtlich sehr neugierigen lokalen Wayu Indianer, die auf dem Rückweg von ihren Fischzügen ganz nah an uns vorbei fuhren. Offensichtlich tauchen hier nicht viele Boote auf.

Das Cabo de la Vela liegt auf der Halbinsel Guajira, die den nördlichsten Punkt des

Cabo de la Vela in daylight

Cabo de la Vela in daylight

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Carlos, das Empfangskommitee

Südamerikanischen Kontinents bildet und ist extrem trocken und karg.
Mittags setzte eine sanfte Brise aus Nord-Ost ein, eine unmissverständliche Aufforderung die Reise fortzusetzen. Nach einer weiteren Nacht auf See wurde am Sonntag Morgen, knapp 40 Meilen vor Santa Marta wieder der Diesel zugeschaltet, um uns angesichts des nachlassenden Windes eine Ankunft bei Nacht zu ersparen.
Auf dem letzten Abschnitt wurden wir von einem frühzeitigen Empfangskommitee abgefangen. Ein kleiner Vogel, der offensichtlich auf See nichts zu suchen hatte, landete erst auf dem Deck, wurde dann zusehends zutraulicher, am Ende lies er sich sogar auf meinem Arm nieder solange ich mich nur nicht bewegte. Zwischendurch wurde das innere des Bootes intensiv nach essbaren Insekten untersucht. Besonders faszinierend war das verspiegele Badezimmer, wo Carlos (von uns schnell als Haustier angenommen und entsprechend mit einem Namen versehen) sich ausgiebig selbst begutachtete.  Nach Ankunft in der Marina de Santa Marta machte Carlos sich jedoch flugs auf die Socken und ward nicht mehr gesehen.

So sind wir denn seid Sonntag Nachmittag endlich in Südamerika. Für uns macht das einen großen Unterschied, waren wir doch das ganze Jahr nur auf kleinen Inseln und in ihren überschaubaren Städtchen unterwegs. Eine richtige Stadt auf dem Festland – zudem

Marina de Santa Marta

Marina de Santa Marta

in Südamerika – ist eine ganz andere Angelegenheit. Die schiere Masse von Menschen aller Couleur die sich durch die Strassen schiebt und drängelt ist gewöhnungsbeddürftig. Jetzt werden noch ein paar Arbeiten am Boot auf den Weg gebracht und dann geht es an die Erforschung des Inlandes. Ich freue mich schon königlich auf die kühlen Temperaturen im kolumbianischen Hochland denn hier an der Küste werden wir in der schwülen Hitze  bei lebendigem Leibe gegart.

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