Kolumbien hautnah

Wir sind nun seit 5 Tagen unterwegs in Kolumbien und sind mit dem Land inzwischen auf eine Art auf Tuchfühlung gegangen, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Das liegt zum einen an den Kolumbianern, die wenn man sich erst einmal eingewöhnt hat unglaublich freundlich und hilfsbereit sind, zum anderen an der Art, wie wir reisen. Zunächst brachte uns ein Flieger von Santa Marta nach Bucaramanga, mitten ins Herz von Kolumbien.

Leider ereilte mich Tags zuvor noch ein leichter Magen-Darm-Virus, begleitet von einem Fieber, so dass ich den Begin der Reise nicht wirklich geniessen konnte. Von Bucaramanga ging es per Bus weiter zum Parque National de Chichamocha. Oberhalb des 2. längsten Canyons des Planeten gelegen, gleicht der Park eher einer großen Freizeitanlage mit diversen Ziplines, Gokart-Bahnen, Kiting, Rafting und allen möglichen anderen Vergnügungen. Eines der Highlights ist die Seilbahn, die fast 1000 m hinunter an den Grund der Schlucht und wieder hinauf an den gegenüber liegenden Rand führt. Leider verpassten wir die Gelegenheit drüben zügig wieder die Seilbahn zu besteigen, so dass wir dort für 2 Stunden in einem künstlichen kolumbianischen Touristendörfchen gefangen waren. In der Schlange für die Gondel zurück wurden wir von Sandra angesprochen, ob wir englisch sprächen. Sandra ist Kolumbianerin und  Englisch-Lehrerin und wollte ihre in Kolumbien seltenen Englishkenntnisse an uns trainieren. Ihre Einladung uns in ihrem Zuhause zurück in Bucaramanga zu beherbergen mussten wir leider ausschlagen.

Weiter ging es wiederum per Bus nach San Gil – der Hauptstadt des Abenteuersports. Hier kann man für kleines Geld auf unglaublich viele verschiedene Arten Adrenalin freisetzen. Von A wie Abseiling , B wie Bungeejumping, Caving, Canyoning, Drachenfliegen und Rafting, bleibt kein Wunsch unerfüllt. Aufgrund meines immer noch angeschlagenen Gesundheitszustandes entschieden wir uns für T wie Trekking und wanderten auf einem Camino Real, einem alten Handelspfad der Eingeborenen, der von den Spaniern genutzt und von einem deutschen restauriert worden ist, von der wunderschön erhaltenen  alten Kolonialstadt Barichara nach Guane, der einstigen Hauptstadt der gleichnamigen Ureinwohner. Eine 2-Stündige Wanderung durch eine wunderhübsche hügelige Landschaft. Sowohl in Barichara als auch in Guane scheint die Zeit stehengeblieben zu sein – in Guane geht man noch hoch zu Pferd einkaufen.

Die Wanderung führte auf extrem grobem Kopfsteinpflaster quer durch die hügelige Landschaft voller Vögel und Schmetterlinge. Teils erinnerte die Landschaft an Deutschland im Hochsommer, nur dass viele Pflanzen und die teils eigenartigen Vogelstimmen nicht recht passen wollten. Unterwegs machten wir Pause in einer kleinen Finca, die am Weg mit kalten Getränken warb. Ein kleiner Pfad führte uns zu dem einfachen Bauernhaus, wo wir von einer alten Frau euphorisch begrüßt wurden. Wasser gab es aus kleinen Plastiktüten, aber nachdem Gaylyn ihr eine Kleinigkeit von ihrem Kunsthandwerk abgekauft hatte kannte ihre Freude keine Grenzen. Wir wurden mit exotischen Früchten versorgt und durch ihren Hinterhof zu einem Aussichtspunkt verfrachtet und durch eine grandiose Aussicht belohnt.
Nächstentags ging es weiter nach Villa Levya, einer weiteren Kolonialstadt in den Bergen. Die Unterkunft, die Gaylyn gebucht hatte, lag 14 km ausserhalb mitten in der Pampa. Die Umgebung war wunderschön, nur in der Hospedaje (Pension) waren wir etwas verlassen. Am nächsten Morgen wurden wir nach dem Frühstück (Maismehlfladen mit Käse, Spiegelein und heisse Schokolade mit Käseeinlage) auf den versprochenen Hike zu den nahegelegenen Wasserfällen geführt. Der Weg wurde schnell recht waghalsig, so dass Gaylyn, die es nicht so mit der Kletterei bald zurünckbleiben musste. Der ganze Ausflug war nach gut 20 min beendet. Wir beschlossen daraufhin, den Tag zu nutzen um Villa de Levya zu besichtigen. Auf dem Marsch zur Hauptstrasse, wo wir einen Bus zu finden hofften trafen wir einen Bauern, mit dem ich einen netten Plausch auf spanisch hatte. Leider musste ich dabei zur Kenntniss mehmen dass der Bus schon vor einer Stunde gefahren war und der nächste in 2 Stunden zu erwarten war. Wir beschlossen einfach loszulaufen und unser Glück ansonsten per Anhalter zu versuchen. Die ersten 20 Minuten auf der Piste verliefen ereignislos, ausser ein paar Motorrädern, Kühen und Pferden war nichts zu beobachten.  Dann kamen 2 Laster in Folge und der zweite – eine riesige Maschine mit grossem Anhänger hielt tatsächlich an. Anstatt uns ins Füherhaus oder auf die Ladefläche zu verfrachten deutete der Beifahrer nur auf den Zwischenraum direkt hinterm Führerhaus vor dem Anhänger. So verbrachten wir die nächste halbe Stunde dort, ans Führerhaus geklammert, unter uns der Dieseltank, die Antriebswelle und die Strasse.. Ich frage mich inzwischen wozu man in so einem Land noch Geld fuer Abenteuersport ausgeben soll, wenn man nur den Daumen raushalten muss um das Abenteuer gratis zu bekommen.

Villa de Levya war deutlich weniger aufregend aber wunderhübsch und hat gerüchteweise die grösste Kopfsteinpflaster-Plaza von Südamerika. Und tatsächlich, die Plaza ist so gross wie sie ungenutzt ist und das Kopfsteinpflaster im Dorf ist prädestiniert jedem Radfahrer innerhalb kürzester Zeit Haemhorriden  zu verschaffen. Auf dem Rueckweg in unsere selbstgewählte Einoede machten wir bei einem Naturpark halt, der eine schöne Wanderung zu mehreren Wasserfällen versprach. Dort trafen wir Eduard mitsamt Frau und Kind, der uns anbot uns zu und durch die nahegelegenen Höhlen zu führen. Da unser Bedarf an Abenteuern für den Tag noch nicht gedeckt war sagten wir zu und machten uns mit ihm auf den Weg. Dier erste Höhle war eine Enttäuschung, kaum 20 m tief in den Felsen ging es hinein, und ausser ein paar Fledermäusen war nicht viel zu holen. Dafür bot sie uns willkommenen Schutz vor einem durchziehenden Regenschauer und Eduard spielte uns zur Unterhaltung eine Weise auf seiner Bambusflöte. Eine weitere Wanderung brachte uns zu der Hauptattraktion. Für diese Höhle wurden wir mit Helm und Lampe ausgerüstet und dann ging es hinab in die Tiefe. Teils mussten wir auf dem Bauch unter Felsüberhängen entlangrobben, zumeist aber konnte man mehr oder weniger aufrecht gehen. Nach einigen hundert Metern kamen wir in eine grosse Grotte, wo mehrere unterirdische Ströme sich vereinigten und in die Tiefe hinab fielen. Für uns war die Reise hier zuende, weiter ging es nur mit Kletterausruestung. Eduard bat uns die Lichter zu löschen um die Dunkelheit erleben zu können. Nachdem ich auch meine Uhr noch unter der Fliessjacke versteckt hatte war die Finsternis perfekt. Ein eigenartiges gefühl, tief im inneren der Erde neben einer Steilwand zu sitzen und keine optische Wahrnehmung mehr zu haben. Ausser einem erneuten Solo für eine Bambusflöte war in den nächsten 5 Minuten nur das Plätschern des Wassers zu hören.

Nächstentags statteten wir Eduard einen weiteren Besuch ab und er gab uns ein paar Geheimtips für den Hike zu den Wasserfällen. Auf dem Weg dorthin konnten wir einen weiteren neuen Freund gewinnen, einen kleinen Hund aus der Nachbarschaft, dem offensichtlich der Sinn nach einer strammen Wanderung stand. Er blieb uns auf der ganzen Strecke treu.  Nachdem der gut gesicherte Pfad des Naturparks abgewickelt war, machten wir uns auf den Weg den inoffiziellen Weg zum 4. Wasserfall zu erforschen. Erst ging es steil aufwärts über Felsen, dann über kleine Trampelpfade durch eine wunderbare von Sträuchern, Blumen  und Flechten  durchsetzte Landschaft, am Rand eines Steilhanges entlang zu dem versprochenen Wasserfall. Gerade rechtzeitig um einem einsetzenden Wolkenguss zu entgehen kamen wir wieder bei Eduard an.

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