Jamaika

In Kolumbien hatte ich noch ein offenes Projekt – die Versorgung des Bootes mit Sonnenenergie – es wurde tatsächlich noch rechtzeitig vor Abfahrt abgeschlossen. Der Geräteträger bekommt zwar Abzüge in der B-Note aber er funktioniert. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Boatyard in Santa Marta noch ein wenig üben muss, bevor man ihm komplexe Arbeiten anvertrauen kann. Für mich hat es sich trotzdem gelohnt, denn der Preis war gut und meine Energieversorgung ist nun wesentlich besser. Das befreit mich davon, jeden Tag mehrere Stunden lang den Generator laufen zu lassen und erspart mir einiges an Stress.

Colobia fading away

Colombia fading away

Die Abreise war für den 18.11 geplant, damit wir unser nächstes Ziel – Jamaka rechtzeitig vor Ankunft unseres nächsten Gastes  erreichen würden. Die Überfahrt began mit Wind um die 20 Kn und kräftiger Welle von vorn recht turbulent. Zunächst schossen wir mit 8.5 Kn auf Am Wind Kurs dahin. Das hielten wir jedoch nur kurz durch, denn Qi bockte und schüttelte sich so sehr, dass man sich an Bord kaum mehr bewegen konnte. Nachdem ich kräftig Segel gerefft hatte, wurde es erheblich gemütlicher. Auch lies die steile Welle nach, für die die Küste um Santa Marta berüchtigt ist. Sie wird durch eine gegen den Wind anlaufende Strömung aufgewühlt. Kolumbien verabschiedete uns unterdessen mit  einer einmaligen Aussicht. Wenn man die Küste hinter sich lässt, kommen an einem klaren Tag hinter den niedrigeren Bergen der Küste langsam die Schnee bedeckten Gipfel der Sierra Nevada de Santa Marta in Sicht. Es ist schon eigenartig unter einer heissen tropischen Sonne in 30° warmem Wasser auf die Schneefelder auf den bis zu 5700 m hohen Bergen zu blicken. An diesem wunderbar klaren Tag blieb uns der Anblick bis zum Untergang der Sonne erhalten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gipfel schon gute 50-60 Seemeilen entfernt.

Port Antonio Jamaica

Port Antonio Jamaica

Die Überfahrt verlief ansonsten problemlos. Der Motor musste nur am zweiten Tag mangels Wind ein paar Stunden laufen,  ansonsten ging es am Wind zügig dem Ziel entgegen. Gaylyn war seit unserem Ausflug in die verlorene Stadt etwas geschwächt und hatte mit einem Fieber zu kämpfen, so dass ich den Löwenanteil der Nachtwachen übernahm, aber es ging mir erstaunlich gut von der Hand. In der letzten Nacht, unweit der Küste Jamaikas ging uns der Wind verloren, was uns jedoch nicht weiter störte, denn für eine Ankunft in Port Antonio bei Sonnenaufgang  war eine Geschwindigkeit von 3-4 Kn ausreichend. Pünktlich mit der aufgehenden Sonne erreichten wir den wunderhübschen Naturhafen von Port Antonio. Jamaika empfing uns mit der geballten Pracht einer tropischen Insel im Fotolicht der tief stehenden Sonne. Als wir um 6:00 Uhr noch unsicher in der Bucht herum trieben, auf der Suche nach der Marina oder einem geeigneten Ankerplatz winkte uns Micks, von der Errol Flyn Marina heran und half uns beim Festmachen.

Nordkueste nahe der Blue Lagoon

Nordkueste nahe der Blue Lagoon

Da ich seid Mitternacht auf Wache und wegen des nahen Landes auch permanent wach gewesen war, versuchte ich mir die Zeit bis zum Eintreffen der diversen “Offiziellen’ mit einem Nickerchen zu vertreiben. Leider ohne Erfolg, denn sofort began eine Prozession von potentiellen Dienstleistern, die wild entschlossen waren, uns Ihre Dienste als erstes anzubieten. Gegen 9:00 erschienen mehrere Herren von der Maritime Police, verschwanden aber sofort wieder als sie hörten dass Quarantine noch nicht an Bord gewesen war. Als nächstes erschien widerrechtlicherweise Customs und Immigration. 4 Mann die viele Dokumente sehen und noch mehr ausfüllen wollten. Widerrechtlich deshalb weil Quarantine das Boot noch nicht freigegeben hatte.  Die  strenge Dame von Quarantine erwischte mich dann auf frischer Tat (ich durfte das Boot noch nicht verlassen) im Büro der Marina, wo ich Kopien für den Zoll besorgen musste. Meine Freigabe bekam ich trotzdem und damit war endlich Ruhe auf dem Boot und ich konnte schlafen.
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Port Antonio ist ein kleines Kaff und als erster Eindruck recht ernüchternd. Der Kontrast zu Kolumbien hätte nicht grösser sein können: Wo in Kolumbien jeder  mit was auch immer für einem Gewerbe versucht ein Einkommen zu erzielen und Rumhänger und Trinker im  Strassenbild praktisch nicht stattfinden, hängen in Jamaika an jeder Ecke ein Haufen Leute rum oder liegen besoffen oder bekifft auf der Strasse und jeder 3. baggert einen an. Nach 2 Tagen in Jamaika waren wir erst einmal geheilt. Auf jedes ‘Welcome to Jamaika’ folgte unweigerlich eine Forderung oder ein Angebot, zumeist zu Preisen, die einfach unrealistisch waren. Diese Einstellung  kennen  wir in abgeschwächter Form schon von anderen Inseln, sie ist mit dafür verantwortlich, dass wir den West Indies ohne Reue schon nach einem Jahr den Rücken kehren.  So stand denn nach kurzer Zeit unser Entschluss fest, uns lieber in den Buchten, Cays und Riffen der Insel herumzutreiben, anstatt Zeit und haufenweise Geld in überteuerte Ausflüge ins Inland zu investieren.
Zunächst galt es aber Kiki vom Flughafen in Montego Bay abzuholen. Das Angebot des Taxifahrers den wir fragten belief sich auf schlappe 300 US$. Wir beschlossen stattdessen einen Leihwagen zu nehmen und sie selbst einzusammeln. Was uns nicht klar war, war dass der Flughafen gut 200 Km entfernt war, so dass uns das Unterfangen den ganzen Tag beschäftigte. Dafür konnten wir die Nordküste der Insel schon einmal von Land aus begutachten. Die Kosten von gut 85 US$ inkl. Sprit lassen mich trotzdem an der Kalkulation unseres Taxifahrers zweifeln. Ist ein Manntag in Jamaika wirklich 200 US$ wert?

Reach Falls

Reach Falls

Der Leihwagen wurde am nächsten Morgen noch einmal verlängert, um damit die Umgebung von Port Antonio unter die Lupe zu nehmen. Unser erstes Ziel- die Blue Lagoon bekannt aus dem gleichnamigen Film mit Brooke Shields wurde uns von der Geldgier der dortigen Touriabzocker vergällt. Wir beschlossen direkt zu den Reach Falls weiter zu ziehen. Die waren den ein echter Volltreffer. Zwar wurde auch hier kassiert aber deutlich moderater und die Wasserfälle sind den Eintritt wert. Das klingt jetzt vielleicht arrogant aber wir haben im Laufe des Jahres reichlich tropische Wasserfälle aller Couleur besichtigt und qerade in Kolumbien war das Angebot inflationär. Die Reach Falls sind zwar nicht hoch aber zum Baden, Klettern, und an Schönheit suchen sie ihresgleichen. Highlight ist eine Höhle, in die man durch einen engen Schlund von oben hineinsteigt. Durch diverse Löcher ergiesst sich das Wasser des Baches in die Höhle, ein echter Thrill.
IMG_3729Auch einen weiteren Ausflug – eine Flossfahrt auf dem Rio Grande – können wir weiter  empfehlen. Mit Wildwasser-Rafting hat das allerdings nichts zu tun, es geht auf einem Bambusfluss gemächlich den Urwaldfluss hinab. Wem die Stromschnellen zu rasant sind, kann so lange aussteigen und zufuss gehen.
Zwischendurch vertrieben wir uns die Zeit in Port Antonio mit der Erforschung von Navi Island. Die Insel liegt in der Einfahrt und gehörte einst Errol Flyn. Heute ist sie völlig mit tropischer Vegetation überwachsen und es stehen nur noch Ruinen.
Nachdem Kiki sich hinreichend akklimatisiert hatte und unsere Vorräte aufgestockt waren, verliessen wir Port Antonio um die Südküste Jamaikas  zu erforschen. Mit  von der Partie war neben Kiki Elia, ein junger Schweizer, der uns in der Marina angesprochen hatte und sich exakt für unser Zielgebiet interessierte. Wir liessen uns von IMG_3712seinem jugendlichen Charme überzeugen und nahmen Ihn für ein Woche an Bord.
Via Bowden und Port Royal sollte es in die Portland Bight gehen, wo wir die aussen liegenden Riffe und Cays erforschen wollten. Ein Segler in Port Antonio warnte uns dringend davor bei Nacht zu segeln. Er war in finsterer Nacht auf See von der Coastguard gebordet worden. Da die kleinen Boote der Jamaikanischen Offiziellen nicht klar markiert sind, war er sich wohl nicht klar, wer die schwer bewaffneten Schwarzen waren, die mitten in der Nacht sein Boot entern wollten. Die Angelegenheit schien ihn und seine Crew nachhaltig traumatisiert zu haben.

Jamaikanischer Abend an Bord - das Essen schmeckt besser als es aussieht

Jamaikanischer Abend an Bord – das Essen schmeckt besser als es aussieht

Als wir in Bowden direkt vor der Niederlassung der dortigen Coastguard vor Anker gingen dauerte es nicht lang bevor auch wir Besuch bekamen. Sie schauten zunächst ein wenig ernst drein und wirkten mit ihren automatischen Waffen recht bedrohlich. Während ich meine Dokumente produzierte und der Boss der Truppe endlose Formulare ausfüllte und mein Boot oberflächlich inspizierte verwickelte Gaylyn den Rest der Truppe in Gespräche und bald war die Stimmung gelockert. Als ich die ‘traumatischen Erfahrungen’ unseres Seglerkollegen mit der Coastguard ansprach schauten die Männer etwas betreten. Sie waren es gewesen, die den Segler so erschreckt hatten und fanden ihr Vorgehen völlig OK. Sie hätten sich klar identifiziert und wären klar zu erkennen gewesen. Offensichtlich führt die latente Angst einiger Cruiser vor Piraterie mitunter zu hysterischen Reaktionen.

Lime Cay

Lime Cay

Unser nächster Stopover war Port Royal – der Hafen liegt auf einer Landzunge ausserhalb des grossen Industriehafens von Kingston. Wir übernachteten zunächst auf Lime Cay einem hübschen kleinen Inselchen ausserhalb des Hafens. Hier konnte man inmitten eines kleinen Riffs vor einer tropischen Insel ankern, kaum 600 m entfernt von der Hauptfahrrinne durch die ein steter Strom von Frachtschiffen an uns vorbei

Port Royal - der ewige Seitenwind und die Folgen

Port Royal – der ewige Seitenwind und die Folgen

zog. Das war strategisch leider komplett falsch, denn so wurden wir nächstentags vom Zoll beim Einchecken in Port Royal um 64 US$ Wochenendaufschlag erleichtert.
Port Royal hat eine interessante Geschichte. Einst war der Hafen die Operationsbasis der übelsten Piraten der Karibik. Sie waren die Geheimwaffe der  englischen Krone und erleichterten mit Kaperbriefen der Königin bewaffnet die spanischen Schiffe um das Gold, welches sie aus den Süd- und Mittelamerkianischen Kolonien nach Spanien transportierten. Ober-Pirat Sir Henry Morgan wurde sogar geadelt und zum Gouverneur von Jamaika ernannt. Die Stadt blühte

Selbst die Haeuser stehen schief

Selbst die Häuser stehen schief

in Folge des spanischen Goldes auf, war aber wegen der fragwürdigen Klientel gleichzeitig der übelste Sündenpfuhl der Karibik. Folgerichtig wurde die Stadt einige Jahrzehnte später durch eine Folge von Erdbeben und die einhergehenden Tsunamis zu grossen Teilen zerstört und in der karibischen See versenkt. Heute dokumentiert ein Museum in den Ruinen des Fort Charles die Geschichte des Ortes.
Der Hafen vermochte uns jedoch nicht zu fesseln, der Ankerplatz war tief und schlammig und der Ort abseits vom Museum eher öde.  Zur Ehrenrettung der Jamaikaner muss man sagen, dass ich hier diverse nette Gespräche mit den Locals hatte, ohne dass irgendjemand mich angebaggert hätte. Vielleicht ist das ja nur in Port Antonio Sitte… Trotzdem beschlossen wir den noch ausstehenden Ausflug in die Blue Mountains und den Besuch in Kingston zunächst zu vertagen und erst einmal die Portland Bight mit ihrer Vielzahl von  kleinen Cays und Riffen zu erforschen.
Eine gute Entscheidung. Zunächst war es etwas gewöhnungsbedürftig, dass wir ganz allein unterwegs waren. Seitdem wir Port Antonio verlassen haben, wo immerhin 2 andere  Cruiser am Kai oder vor Anker lagen, waren uns keine Yachten mehr begegnet. In den Cays direkt bei Port Royal waren am Wochenende  ein paar lokale Motoryachten unterwegs aber abseits der Hauptstadt haben wir bisher nur Fischer getroffen. Von unseren bisherîgen Reisen sind wir es gewohnt in jeder Ankerbucht schon ein paar Boote vorzufinden, in Jamaika stellt sich das Gefühl ein, dass wir die einzigen sind, die die Insel erforschen.

Little Plican Cay - diese Insel machen uns nicht einmal die Fischer streitig

Little Plican Cay – diese Insel machen uns nicht einmal die Fischer streitig

Unser erstes Ziel waren die Pelican Cays. Da wir an einem Sonntag ankamen war bereits eine grössere Gruppe von Jamaikanern samt Frauen und Kindern auf der Insel, die sich von Fischern hatten hinausfahren lassen und dort fröhlich feierten. Elia machte schnell Kontakt und bekam von den Jamaikaner ihre Waffen gezeigt, die einige von Ihnen im Hosenbund trugen. Das machte uns zwar ein wenig Sorgen aber mit der sinkenden Sonne zog die Truppe davon und wir hatten die Insel wieder ganz für uns.
Elia hatte mittlerweile die Zeit genutzt seinerseits mit Waffengewalt Angst und Schrecken im Riff zu verbreiten. Mit der Harpune bewaffnet hatte er 5 kleine Langusten (Chicken Lobster) geschossen, die rund um die Insel herum zuhauf unter den Felsen sassen. Das IMG_3783

Mt Ausguck am Bug in das Riff schleichen

Mt Ausguck am Bug in das Riff schleichen

Feuer der jamaikanischen Wochenendausflügler glimmte noch vor sich hin und die Lobster wurden stilgemäß auf einem Stück Wellblech gegrillt und unmittelbar verzehrt.
Am nächsten Morgen zogen wir nach kurzer Inspektion per Dinghy ein paar hundert Meter weiter zum Little Pelican Cay. Hier sah das Riff besser aus und der Zugang zur Insel war einfacher. Die Insel selbst war allerdings recht überschaubar. Eher eine Sandbank, vielleicht 30 m im Durchmessser und nur im Zentrum mit ein wenig niedriger Vegetation entspricht sie fast dem Klischee von der einsamen insel mit dem ebensolchen Schiffbrüchigen – nur die Palme fehlte. Dafür gab es reichlich trockenes Treibholz, so dass das Lagerfeuer/Barbeque für den Abend sofort gebucht war.

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