Krokodile und andere Bedrohungen

JWD

JWD

Im Laufe einer mehrtägigen Robinsonade haben wir noch diverse Cays der Portland Bight erforscht. Auf Pidgeon Island trafen wir auf interessante Riffe in denen wir schnorchelnd schlafende Ammenhaie weckten und viele andere Bewohner des Riffes entdeckten. Zuletzt machte mich Elia noch auf einen grossen Hai aufmerksam, der zuegig vor uns davon schwamm. Es schien sich nicht um einen Ammenhai zu handeln. Ein Fischer erzaehlte uns wenig spaeter am Strand, dass hier oefter ein Tigerhai gesichtet wuerde. Das gab uns ein wenig zu denken, denn Tigerhaie gehoeren zu den Arten, die auch schon mal unangenehm werden. Nachdem wir auch Half Moon Cay besichtigt hatten ging es zurück nach Port Royal, um Elia abzusetzen und anschließend den weiteren Verlauf der Südküste zu erforschen.

Artefakte am Strand

Artefakte am Strand

Auf dem Weg dorthin wurde einmal mehr am Pelican Cay übernachtet. Als es am nächsten Morgen weiter gehen sollte gab es zunächst einmal eine anständige Schrecksekunde. Wir hatten gerade den Anker aufgelesen, der noch im Wasser hing um von Sand und Schlamm befreit zu werden. Entsprechend stand ich noch auf dem Bug und Gaylyn manövrierte das Boot mit langsamer Geschwindigkeit aus dem von Riffen umgebenen Ankerplatz heraus, als ich plötzlich im klaren Wasser den von Korallen und Geröll bedeckten Grund bedenklich nah kommen sah. Gleichzeitig ging der Tiefenalarrm los und ich rief Gaylyn zu, das Boot anzuhalten. Es dauerte noch ein paar Sekunden und ein paar Rufe, bis die Anweisung hinreichend dringlich und deutlich angekommen und umgesetzt  war und die Maschine vollgas Rückwärts lief. Das  Riff verfehlten wir wohl nur um wenige Zentimeter.
Spätestens seit diesem kleinen Vorfall ist mir plastisch klar geworden, dass die Navionics Seekarten, die ich verwende in Jamaika nicht viel taugen. In meiner Seekarte finden sich für dieses Revier eine Nummer von Riffen, jedoch nicht das, welches uns fast zum

Idyllisches Port Royal

Idyllisches Port Royal

Verhängnis geworden wäre.  Glück gehabt, dass wir langsam fuhren und ich auf dem Bug stand. Wir waren die selbe Route schon 2 mal yuvor gefahren und müssen jedes mal haarscharf am Riff vorbei gefahren sein. Einmal hatte ich es sogar anhand der seltsamen Wellen wahrgenommen und vorsichtshalber umrundet. Weil es auf der Karte nicht existierte habe ich es aber nicht als wirkliches Hindernis eingestuft.

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Weiter ging es zum Aligator Reef – laut Cruising Guide ein echtes Highlight. Ein Halbkreis förmiges Riff mit ein paar sandigen Inselchen hinter dem man Schutz vor der Dünung findet und das laut Guide zum Schnorcheln einladen sollte. Vielleicht lag es am Wind, der mit knapp 20 Knoten wehte,  uns gefiel es hier nicht gut. Die “sandigen” Inselchen bestanden aus Korallengeröll und das Wasser war flach und wenig klar.

Pelikan Sturzflug

Pelikan Sturzflug

Am nächsten Morgen ging es daher zügig weiter zum Great Pedro Bluff, einem Kap mit einer kleinen Bucht dahinter, die uns einen ruhigen Ankerplatz versprach. Unterwegs wurden wir einmal mehr von der Jamaikanischen Coastguard aufgebracht. Zunächst meinten sie, uns auf offener See bei recht ruppigem Seegang entern zu wollen. Nachdem  ich die Segel weggerefft hatte und  offensichtlich wurde wie stark das Boot schlingerte wurde das Vorhaben glücklicherweise verschoben und wir bekamen Weisung die nächste Bucht anzulaufen um dort inspiziert zu werden. Das war ohnehin unser Ziel für den Tag, und ich holte die Segel wieder hervor und navigierte QI an den angewiesenen Ort. Noch während die Coastguard unsere Papiere und das Boot untersuchte tauchte eine Gruppe Delfine auf, offensichtlich ebenfalls neugierig auf den ungewohnten Besuch.

Ansonsten war der Aufenthalt in der Great Pedro Bay abgesehen von den Horden von Pelikanen, die teils direkt neben dem Boot einschlugen um ihrer etwas eigenwilligen Methode des Fischfanges nachzugehen nicht weiter bemerkenswert.

Crocs im Black River

Crocs im Black River

Eines weiteres Highlight laut Cruising Guide war unser nächster Hafen – Black River. Hier gibt es den gleichnamigen Fluß, dessen Wasser im Oberlauf sehr schön klar aber durch Tanine dunkel gefärbt ist und der neben vielen Vögeln und Fischen eine beträchtliche Population an Krokodilen beherbergt. Als wir den Hafen noch auf der Suche nach einem Dock oder Ankerplatz umrundeten wurden wir von unseren “Freunden” von der Coastguard an einen Anleger in der Mündung des Flussen herangewunken. Nachdem wir mit Unterstützung der Offiziere an dem heruntergekommenen und für Segelyachten wenig geeigneten Anleger festgemacht hatten wurden wir von dem Caretaker des Boatyards angesprochen. Nachdem ich ihm Auskunft über unsere Pläne gegeben hatte zog er davon um mit seinem Boss zu reden und kam kurz darauf wieder um uns die Preise zu verkünden. 100 US$ Grundgebühr zuzüglich 50 US$ pro Tag Liegegebühr. Die Verhandlungen blieben sehr kurz und 10 Minuten später waren wir wieder in der Bucht und hingen am Anker.
Unser anschließender Ausflug an Land führte uns zunächst im Dinghy den Fluss hinauf auf der Suche nach einem geeigneten Anleger. Kurzentschlossen machten wir am Dock eines Ausflugsunternehmens fest, welches Exkursionen in den Black River anbot. Das Ende des Anlegers wurde von über 2 Meter langem Krokodil bewacht, welches dort in der

PLastik Krokodil am Pier

PLastik Krokodil am Pier

Sonne lag und von uns sofort als Plastikattrappe eingestuft wurde.  Vielleicht hätte uns auffallen müssen, dass etwas nicht stimmte: Der Angestellte der nur dumm grinste, als wir ihn fragten ob wir unser Dinghy lieber dort am Ende des Stegs festmachen sollten und uns anwies es lieber aussen an einem der Ausflugsboote anzubinden, die Ansammlung von Kindern auf der Brücke, die irgendetwas hier wahnsinnig interessant zu finden schienen oder die Tatsache, dass das Krokodil am nächsten Morgen nicht dort war als wir unseren Ausflug in den Black River machten.
Eine durchaus lohnenswerte Expedition übrigens. Wir sahen zuhauf Krokodile, Reiher und andere Bewohner des Sumpfes. Gaylyn und Kiki wollten noch die nahe gelegenen YS-Wasserfälle besichtigen, mich zog es zurück aufs Boot, wo eine Reparatur der unangenehmen Art (Bereich Sanitär) auf mich wartete, für die ich etwas Ruhe gut gebrauchen konnte.
Später, nachmittags rief mich Gaylyn über Funk, um sie am Anleger abzuholen. Als ich mich dem kleinen Dock in Gleitfahrt näherte sah ich, dass das Krokodil wieder an seinem angestammten Platz ausgebracht war. Gleichzeitig sah ich Gaylyn heftig gestikulieren und hörte sie rufen, verstand jedoch nicht was sie wollte. Fröhlich hielt auf das Ende des Docks mit dem Plastikkrokodil zu, welches seltsamerweise heute das Maul weit offen stehen hatte. Ich hatte das Dinghy bereits verlangsamt und wollte gerade anlegen, als es kaum 2 Meter von meinem Bug entfernt  mit grossem Getöse ins Wasser sprang. Man sollte sich bei Krokodilen nie auf den ersten Eindruck verlassen und lieber 2 mal  hinschauen – Krokodile können den ganzen Tag lang still daliegen und dabei extreme Aehnlichkeit mit Plastikattrappen entwickeln.
Nachdem ich heil an Land war konnten Gaylyn , Kiki und ich uns vor Lachen kaum halten. Die Beiden hatten zuvor gerade die Angestellten des Ausflugsunternehmens zum Wahnsinn getrieben, da sie den Plan gefaßt hatten ein Foto mit dem Krokodil zu machen – als Lacheffekt sollte Kiki ihren Kopf, bzw. die Hand in das offenstehende Maul des Plastik-Reptils stecken. Die Angestellten versuchten sie davon abzuhalten als sie fröhlich auf das Krokodil zumarschierten. Erst als das Krokodil sich angesichts der unerwarteten Annäherung deutlich bewegte, waren sie gewillt die Warnungen ernst zu nehmen.
Ich denke das war eine gute Vorbereitung auf Australien, mit  einem der dortigen Salties (Salzwasserkrokodile) wäre die Sache wahrscheinlich nicht so lustig gewesen.
Ansonsten war Black River fürchterlich. Der Zoll den ich in jedem Hafen besuchen muss um einen neuen Cruising Permit zu bekommen war nicht zu finden, tauchte dann am 2. Tag überraschend auf um dann unverrichteter Dinge wieder zu verschwinden. Nachdem ich ihn nachmittags noch einmal gefunden hatte versprach er mir die Papiere für den nächsten Tag um 9:00. Als er dann um 10:30 eendlich aufschlug hatte er noch die Frechheit ein Bestechungsgeld einzufordern.  Parallel hatte die Coastguard schon angekündigt, dass sie noch einmal an Bord kommen müssten. Mittlerweile habe ich mir sagen lassen, dass die einen deshalb so heimsuchen, weil sie gerade zu Weihnachten auf Bestechungsgelder aus sind.

Unsere kleine Beachbar in Negril

Unsere kleine Beachbar in Negril

Weiter ging es via Bluefield nach Negril, wo wir Kiki in ein Taxi setzen wollten, dass sie nach Montego Bay zum Flughafen bringen würde. Wir ankerten in Bloody Bay – so genannt nach dem Blut der Walfische, die hier früher geschlachtet wurden vor einem bewaldeten Strandabschnitt in der Mitte  zwischen zwei monströsen Riu Ferienanlagen. Gleich gegenüber liegt eine winzige Beachbar in der ständig ein paar Hängengebliebene und Dauerurlauber am Tresen hängen um ihren Alkohol- und THC-Pegel aufrecht zu erhalten. Ansonsten verirren sich vereinzelt Urlauber der umliegenden Anlagen in die Bar,  meist um von den Einheimischen für 5 US$ einen Joint zu erwerben, der dann direkt vorort verköstigt wird. Ein wenig Völkerverständigung findet aber auch statt, denn häufig sieht man die Touris mit den Rastafarians Scribbage oder

Gaylyn und neue Freunde

Gaylyn und neue Freunde

Domino spielen.. Ein Platz der Begegnung also und nachdem ich Wayne ein paar alte Seile für sein Boot geschenkt hatte sind wir dort auch hoch wilkommmen und sind auch eingeladen an den unglaublich monströsen Joints zu ziehen die dort in regelmäßigen Abständen herumgereicht werden.

Allerdings ist es nicht wirklich notwendig, die Bar persönlich aufzusuchen. Sowohl die Musik als auch der Ganja-Geruch erreicht uns auch auf dem Boot und sorgt für eine angenehm entspannte Atmosphäre an Bord.
Kiki ist mittlerweile wieder in der Heimat – zur allergrößten Enttäuschung der männlichen Belegschaft am Strand, denn alleinstehende weibliche Touristen werden hier intensiv umworben. Gut, dass sie nur einen Tag hier hatte, denn das Interesse war groß.

Carnival Magic - versenkt mit seinem Querstrahlruder Yachten im Handumdrehen

Carnival Magic – versenkt mit seinem Querstrahlruder Yachten im Handumdrehen

Mittlerweile sind wir wieder weiter gezogen um Carmen – unseren nächsten Besucher  in Montego Bay abzuholen. Nach all den Bedrohungen durch Riffe, Krokodile, Coastguard und Rauschdrogen wähnten wir uns hier sicher. Doch der Schein trügt. Gestern Morgen fanden wir im Hafen gegenüber ein großes Kreuzzfahrtschiff die Carnival Freedom vor. Kurze Zeit später kam ein zweites – die Carnival Magic in den Hafen um kaum 300 Meter entfernt an den Anleger zu gehen. Eine Nacht vorher hatten wir noch kaum 50 Meter von ihrem Kai entfernt vor

QIam Pier in Montego Bay

QIam Pier in Montego Bay

Anker gelegen. Als der Kreuzfahrt-Riese wegen des recht starken Windes ausgiebig von seinem Querstrahlruder Gebrauch machte, um sich an die Pier zu drücken, wurden die in der Bucht verankerten Segelyachten von der Strömung so stark vertrieben, dass ihre Anker nicht mehr hielten. Ein Boot hätte sich fast um eine Dalbe gewickelt und die Skipper hatten die Motoren an und versuchten verzweifelt dagegen zu halten. Die gefährliche Strömung hörte erst auf, nachdem ich das Kreuzfahrtschiff per Funk anrief und darauf aufmerksam machte, dass es gerade dabei war ein paar Yachten in Seenot zu versetzen.  Selbst am Pier, wo QI vermeintlich sicher festgemacht lag, wurde die Strömung so stark, dass ich mich genötigt sah, meine Festmacherleinen zu verstärken. So sieht ein besinnliches Fest unter Seglern aus..

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2 Responses to Krokodile und andere Bedrohungen

  1. Tina says:

    Lucky survivors .o))))))) please take good care of yourself!!!! Happy new year & nothing, but the best! Baci, Tina

  2. Tanja Hameister ("Dame" von Thorsten Timm) says:

    Hallo Ihr Weltenbummler,…das neue Jahr ist bereits 13 Tage alt, und die Zeit rennt und rennt. Der alltägliche Großstadt-Dschungel-Arbeits-Stress hat sich mit den vielen Feuerwerksraketen leider nicht in Schall und Rauch, mit bunten Glitzersternchen aufgelöst! Um so mehr bieten Eure Abendteuer eine kleine Flucht in Eure Welt, da Du, lieber Thomas, so herrlich Eure Erfahrungen nieder schreibst. Also, bitte nicht aufhören!
    Da Thorsten soooo busi ist, muß ich Ihn immer über Eure neusten Geschichten informieren, und jedesmal sehe ich dieses gewisse Leuchten in seinen Augen,die sagen wollen:….oooch,…ich auch,….! Tja,….dann werde ich mal als liebende Ehefrau die Frage der Fragen stellen: Wo treibt Ihr euch denn so vorraussichtlich Anfang März herum?
    Wir haben 2 Wochen Urlaub und wissen noch nicht so recht wohin. Mit den hamburger Skiferien kann man als leidenschaftliche Nicht-Ski-Fahrer nicht wirklich viel anfangen (Ist ja auch viel zu gefährlich wie man an Schumi sehen kann). Vielleicht bekommen wir ja ein Meet & Greet hin? Aber nur wenn Ihr Lust habt,…..
    Bis dahin viele Grüße, und paßt weiterhin gut auf Euch auf!
    Tanja & Thorsten

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