Inseln im Wind

Von Montego Bay aus zog es uns wieder zurück nach Bloody Bay, Negril. Die kleine Bucht erschien uns der optimale Platz für ein paar Tage Chillout, speziell nachdem die Marina in Montego Bay trotz vorheriger Anfrage keinen Diesel für uns hatte. Damit war unser Aktionsradius deutlich eingeschränkt denn der Tank war ziemlich leer. Glücklicherweise konnte ich von einem Deutschen Boot  60L Diesel erstehen so dass wir uns überhaupt davon machen konnten. Die Zeit wurde erfolgreich mit ein paar Ausflügen ins Insel Innere, Schnorcheln und Relaxen tot geschlagen. Zu Sylvester wurde am Strand ein Feuer gemacht. Mit von der Partie waren 5 Teutonen von dem einzigen Boot, das außer uns Jamaika tatsächlich zu besegeln schien. Ihre lustige Geschichte kann man auf ihrer Homepage nachlesen.

Friedlicnnkerplatz nach der Ueberfahrt des Grauens

Friedlicnnkerplatz nach der Ueberfahrt des Grauens

Am 4.01 war dann auch schon wieder Crew-Wechsel. Morgens wurde Carmen am Montego Bay Airport abgeliefert und am Abend meine Schwester Dagmar aufgelesen. Mittlerweile gab es auch wieder Diesel in Montego Bay, allerdings war es eine hart umkämpfte Ressource und wir mussten um unsere Zuteilung von 300L Diesel  förmlich betteln.

Nach über 6 Wochen Jamaika wurde es langsam Zeit für einen Tapetenwechsel. Mit Dagmar als Crew sollte es eigentlich auf eine kurze Kreuzfahrt um Kubas Südküste und dann weiter via Grand Cayman Island und Providencia nach Panama gehen. Allerdings war von vorneherein klar, dass hier ein paar faule Kompromisse zu machen waren, denn es standen für das gesammte Programm nur 4 Wochen zur Verfügung und in Panama galt es auch noch den San Blas Archipel und eventuell Bocas del Toro zu bereisen. Gerade als mit dem 6. Januar der erste mögliche Abreisetag heran nahte kündigte der Wetterbericht Northerlies an. Das sind starke, feucht-kalte Winde, welche im Frühjahr regelmäßig von Nordamerika kommend über die nord-westliche Karibik herfallen und den Cruisern das Leben schwer machen. Damit stand eine Abreise nach Kuba erst einmal wieder für ein paar Tage außer Frage.
Kurzentschlossen wurde Kuba samt Grand Cayman von der Agenda gestrichen und Providencia (Old Providence) als nächstes Ziel ausgerufen. Allerdings war auch hier das Wetter nicht optimal. Bei einer Abreise von Montego Bay, Jamaika am späten Montag oder am Dienstag Morgen war abzusehen, dass wir die Insel nicht vor Freitag Morgen erreichen würden. Für Donnerstag drohte uns der Wetterbericht aber 25 Kn Wind und bis über 4 m hohe Wellen (Significant wave height) an. Zudem hat die Route einen sehr fest vorgegebenen Kurs. Erst gilt es südlich von Jamaika das great Pedro Reef links liegen zu lassen, dann gilt es zwischen der Serranilla Bank und den Ausläufern des Nicaraguan Rise hindurch zu schlüpfen, danach muss man noch zwischen der Quita Sueno Bank und der Serrana Bank hindurch um endlich Kurs auf Providencia nehmen zu können, wo man hinter dem großen Saumriff Schutz vor den Wellen findet. Das ganze spielt sich in der westlichen Karibik ab, die nicht den allerbesten Ruf hat, denn Wind und Wellen haben von Osten kommend gut 1200 nm Platz sich richtig schön aufzubauen. Wir beschlossen trotzdem los zu fahrend. 25 Kn Wind zumal wenn er achterlich kommt schreckt uns nicht und 4 m Welle haben wir auch schon verschiedentlich gehabt.

Providencia -Blick afs Saumriff

Providencia -Blick afs Saumriff

Am Dienstag den 7.1. wurde in Montego Bay der Anker gelichtet und ich hatte zum ersten mal seit langem wieder Gelegenheit den Gennacker aufzuziehen. Das riesige Ballonsegel ist nicht nur wunderhübsch anzusehen, sonder erzeugt auch schon bei leichtem achterlichen Wind einen gewaltigen Vortrieb. Ansonsten war die Reise zunächst ohne besondere Vorkommnisse und es ging zumeist zügig voran.
In Der Nacht zum Donnerstag frischte der Wind dann etwas früher als erwartet kräftig auf und die Welle wurde steiler und höher, was in der Dunkelheit jedoch nur schwer zu erkennen war. Am frühen Morgen wurde ich dann aus leichtem Schlummer unsanft geweckt. Eine große brechende Welle war in das Cockpit eingestiegen und hatte uns zudem so stark auf die Seite gedrückt, dass unter Deck alles in Bewegung kam. In weiser Voraussicht hatten wir alle Luken und auch den Niedergang verschlossen. Nur die Luke auf dem Achterdeck war unvollständig verriegelt und bescherte Gaylyn einen kühlen Guss im Bett. Zudem hatten sich unter Deck ein paar Schapps geöffnet und alles mögliche war durch den Salon geflogen. Die Krönung war eine Flasche Sweet Chilli Sauce deren Deckel sich gelöst hatte. Beim Aufschlag auf den Boden spritzte der süsslich-klebrige Inhalt bis an die Decke. Es war also einiges an Schadensbehebung unter Deck zu leisten was in dem stark schlingernden Boot um 4:00 Uhr morgens keine Begeisterung auslöste.

Chillout in Providencia

Chillout in Providencia

Das Problem war, dass Wind und Welle nicht wie erwartet deutlich, sondern nur so eben von hinten kamen. Die Wellen trafen daher fast von der Seite auf das Boot und die großen Brocken, die immer wieder zwischen den normalen Wellen auftauchen und sie um ein erhebliches an Höhe und Kraft übertreffen können, spielten uns übel mit. Im Laufe des Donnerstag Vormittag wurden wir noch 2 mal bös auf die Seite gelegt, davon einmal so weit, dass das Wasser sich von Lee her in das Cockpit ergoss. Ein anderes mal fehlten nur ein paar Zentimeter zum Cockpit-Rand. Da Qi recht hoch aus dem Wasser ragt und das Cockpit recht zentral im Boot liegt und noch einmal durch ein gut 30 cm hohes Schanzkleid geschützt ist muss es uns schon sehr weit auf die Seite gelegt haben.

Die einzige Option und weiter Knockdowns zu verhindern, wäre gewesen im Zickzack zwischen Am Wind und Raumschot Kursen wechselnd die Wellen in einem besseren Winkel abzureiten. Am Ende fuhren wir einfach weiter wie gehabt und nachdem Wind und Welle im Laufe des Tages etwas nachliessen, fiel am Freitag Morgen gegen 3:00 Uhr der Anker auf der Reede von Providencia und wir fielen erschöpft in die Kojen des endlich still liegenden Bootes.

Am nächsten Morgen überraschte uns Providencia mit wunderbaren Ausblicken. Die Reede von Santa Isabel mit der kleinen Insel Santa Catalina läßt endlich den Traum von der Piraten-Insel wahr werden, wegen dessen man ja ursprünglich mal in die Karibik gesegelt ist. Die Inseln sind von satt grüner Vegetation bedeckt, die sich die steilen, teils merkwürdig geformten Hügel hinauf zieht. Berge und Küsten sind oft mit Kokospalmen

Belohnung fuer die harte Ueberfahrt

Belohnung fuer die harte Ueberfahrt

bewachsen. Der erste Eindruck war infolgedessen schon einmal exzellent und wir konnten es kaum erwarten die Insel zu erforschen. Zunächst musste aber erst einmal der Agent Mr. Bush kontaktiert werden, denn es galt wieder in Kolumbien einzureisen. Zu meinem großen Erstaunen hatte ich schon früh morgens beim Ankern diverse andere Segelboot vor Anker entdeckt. Nun wurden wir von der Crew eines deutschen und eines Schweizer Bootes begrüßt und über die örtlichen Gegebenheiten aufgeklärt. Irgendwann meldete sich auch Mr. Bush und ich durfte ihm in seinen Laden folgen. Dort schlugen nacheinander diverse Offizielle auf und nach einer halben Stunde Zeit und Zahlung von 180 US$ war die Sache erledigt und wir durften uns frei zwischen den 5000 Bewohnern der Insel und einer Handvoll Touristen bewegen. Die Touristen kommen zumeist auf Tagesausflügen von der 50 Meilen entfernten Schwesterinsel San Andres herüber – dem Mallorca der Kolumbianer.

Easy rider

Easy rider

Für den nächsten Tag wurde für eine Handvoll Dollar ein kleiner Wagen gemietet. Das Gefährt hatte Ähnlichkeit mit einem Golfcart, wurde aber von einem Benzinmotor angetrieben und war geländegängig. Damit kann man bei moderaten Geschwindigkeiten die Insel innerhalb einer guten halben Stunde umrunden. Auf die Frage wie weit wir mit dem Tank kämen wurde, uns gesagt, es würde für gut 6 Runden um die Insel reichen, genug also.
Die erste Runde diente denn auch nur der groben Erkundung, denn leider hatten wir unseren kolumbianischen Reiseführer auf dem Boot vergessen und waren entsprechend orientierungslos. Als wir nach gut einer Stunde wieder in der Haupt- und Hafenstadt ankamen, nutzte ich die Gelegenheit schnell zurück zum Boot überzusetzen und den Reiseführer zu holen.
Die zweite Runde war denn auch ein Volltreffer. Zunächst kehrten wir im Ninjo Divino ein, von dem uns gesagt worden war, es gäbe dort den besten Fisch. Tatsächlich war die Fischplatte, die ich mir mit Dagmar teilte, das Beste, was ich seit langem an Fisch bekommen habe. Neben einem leckeren Fisch unbekannter Gattung enthielt sie Krebsfleisch und eine halbe Languste sowie superleckeren Kokos-Reis, Bananen Chips und frischen Salat. Zudem war es genug für zwei Personen und kostete nur 15 US$.
Weiter ging es zu Rolands Beach Bar, auch ein ganz spezieller Ort. Die Bar ist reich mit maritimen Strandgut dekoriert und gut besucht von Touristen und Locals. Es wird natürlich anständig laut Reggae Music gespielt und getanzt. Die Palmen ragen schräg über den Strand und über das Meer, wie es sich gehört und eine Schaukel lädt zum Schwingen über den Wellen ein. Die Pina Collada wird in der Kokosnuss serviert und hat reichlich Umdrehungen..

Fischplatte am Strand

Fischplatte am Strand

Von der Strasse entlang der Ostseite der Insel bieten sich Unglaubliche Ausblicke über das Saumriff, an dem sich mächtige Wellen brechen. Zwischen dem Riff und dem Strand lädt wundervoll türkises Wasser durchsetzt von Korallen zum Schnorcheln ein.
Leider hatten wir nur begrenzt Zeit für die Insel und der nach wie vor starke Wind verhinderte eine Erforschung des Riffes mit dem Dinghy. Am Dienstag sollten Wind und Wellen nachlassen, so dass sich die Weiterreise nach Panama anbot. Wir erforschten bis dahin die ruhigeren Wasser hinter der Isla Catalina mit Schnorchel und Taucherbrille und auch die Insel selbst wurde unter die Lupe genommen. Alles dort errinnert an Captain Morgan, einen der berüchtigsten Freibeuter der Karibik. Gaylyn (Morgan) fühlte sich also zuhause. Vom Landausflug brachten wir unsere ersten selbstgesammelten braumen Kokosnüsse mit, die noch jetzt unser Frühstück bereichern.

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3 Responses to Inseln im Wind

  1. Tina says:

    Huhu, du altes Faultier… scheint ja ansteckend zu sein in Panama…warum liest man eigentlich so gar nichts mehr von dir? Ich wollte mich mal beschweren…. zum Glück ist Gaylyn nicht so eine treulose Seele und so wissen wir daheim wenigstens, was in eurem bunten, schillernden Leben so passiert ;o) Allerdings hörte sich der letzte Eintrag ja gar nicht so gut an… tut mir total leid, gut, dass euch nichts passiert ist, aber ich hoffe, auch der Bootsschaden hält sich in Grenzen? Wann geht es weiter? Alles Liebe und eine dicke Umarmung für los dos ;o))))))

  2. Silvie says:

    Hey Thomas,

    jawoll, wo bleiben Kommentare von Dir? Gaylyn postet immer so tolle Sachen, aber mein Englisch doch so grottenschlecht und das Übersetzungsprogramm den ganzen Abend immer in der Küche und dabei, sein Buch fertig zu kriegen…;-)) Von daher für all die armen Daheimgebliebenen: schick’ doch mal wieder ein paar News in german!!! Bussi von uns, auch an Gaylyn, und weiterhin gute Zeit für Euch! Silvie

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