QI@02°37.59’N 85°23.85’W 29.04.2014 07:03 UTC-5

Der Aequator ist nur noch 142 sm entfernt und 360 sm trennen uns noch von einem moeglichen Zielhafen auf Galapagos. Der Wind hat uns endlich gefunden, mittlerweile ist die Hauptmaschine seit 25 Stunden nicht mehr gelaufen.
Die Naehe zum Aequator bereitet uns einiges an Kopfzerbrechen. Da sowohl Gaylyn als auch ich ihn noch nicht zur See ueberquert haben, sieht der Seemannsbrauch vor. – um Schaden abzuwehren – Neptun ausgiebig zu huldigen. Dazu muss eine zumeist aufwendige Prozedur durchgefuehrt werden. Genaues ueber den Ablauf ist nicht bekannt, ausser dass der Neuling eine zumeist erniedrigende Aufnahmeformularitaet in den Kreis der Juenger Neptuns zu durchlaufen hat. Mal schauen wie wir das machen..
Dass Galapagos in greifbare Naehe rueckt ist fein, aber eigentlich wollen wir dort nicht Station machen. Die Einklarierungsprozeduren sind extrem teuer und (aehnlich wie die Aufnahme in den Kreis der Juenger Neptuns) erniedrigend. Von der diesjaehrigen World ARC (eine Art um die Welt Segelrally) wurde eine groessere Menge Boote nach Inspektion des Unterwasserschiffes abgewiesen, musste sich aus Ecuadorischen Gewaessern entfernen um dort fuer teures Geld im offenen Pazifik das Unterwasserschiff von unerwuenschtem Bewuchs befreien zu lassen. Die offizielle Einklarierung kostet minimum 600 US und dann hat man noch kein Cruising Permit und darf keinen anderen Hafen anlaufen. Wir haben uns daher dagegen entschieden, allerdings scheinen viele Yachten einen ‘Emergency Stopover’ einzulegen, der im Prinzip nicht verweigert werden kann. Fuer uns waere das hauptsaechlich zur Aufstockung von Obst und Gemuese interessant, denn nach einer Woche auf See und knapp 10 Tagen seit Panama ist frisches

Gemuese nun aus und ausser einem Strunk Bananen der mittlerweile bedenklich schnell reift, einem Haufen gruener Mangos und zwei hoch gruenen Papayas ist das Obst auch verbraucht oder vergammelt. Ob wir diese Option wahr nehmen, muessen wir in den naechste 3-4 Tagen entscheiden. Bisher hatten wir den Luxus frischer Kost, die Umstellung auf Haltbares und Konserviertes schreckt uns ein wenig, koennte aber als Klage auf hohem Niveau abgetan werden.
Gestern hatten wir einen wunderschoenen Segeltag, der uns fuer all die nervigen Flautentage der letzten Woche entschaedigt hat. Ein leichter Wind trieb QI auf am Wind Kurs durch die ruhige See und machte das Dasein an Bord angenehm. Die Sonne schien und lud die Batterien und das Leben war unbeschwert.
Zur Unterhaltung kamen einige Seevoegel vorbei. Einer lies sich haeusslich nieder, uebernahm am Ende sogar das Cockpit und liess uns auf kurze Distanz herankommen. Erst als ich ihn durch die Rueckeroberung des Cockpits verstoerte, entschied er sich uns wieder zu verlassen. Andere Voegel rasten kuzfristig auf der Bugreling, die aber zumeist zu glatt ist um bequem zu sein oder umfliegen uns nur neugierig. Wer weiss wer nachts alles unerkannt mitfaehrt.
Gegen Abend nahm der Wind deutlich zu und seitdem stampfen wir mit gerefften Segeln und kraeftiger Lage gegen eine kabbelige See an. Das ist weniger angenehm, bringt uns aber voran. Insbesondere ist der Wind so gnaedig aus SSE zu wehen, so dass wir einen Kurs von 230 grad halten koennen, der uns mit etwas Glueck halbwegs direkt und ohne viel Kreuzen nach Galapagos bringt. Wehmutstropfen ist die Stroemung, die nun schon seit 4 Tagen permanent gegen uns arbeitet und unsere ohnehin langsame Geschwindigkeit um knapp einen Knoten zu verringern scheint.
Alles in allem fuehlen wir uns inzwischen auf unserem kleinen Planeten pudelwohl. Im Gegensatz zur Ueberquerung des Atlantik, wo ich permanent angespannt und eher weniger gut gelaunt war, bin ich hier mit meinem Dasein ganz zufrieden und weitere 20-30 Tage auf See schrecken mich nicht.

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