Angekommen (Vollversion)

Gaylyns Birthday Cake

Gaylyns Geburtagstorte

In den letzten Tagen auf See hatten wir unsere Minuten auf dem Satellitentelefon arg strapaziert. Da das Telefon auf See unser einziger Kommunikationskanal ist, wollten wir die kostbaren Einheiten für den Notfall erhalten und anstatt dessen lieber die Kommunikation über Internet an Land nutzen um unsere Ankunft zu melden. Das erwies sich als echte Herausforderung. Die Suche nach einem halbwegs zügigem und bezahlbaren Zugang zum Internet hat uns noch 15 Tage beschäftigt. Daher gibt es hier eine Zusammenfassung der Ereignisse unserer ersten 2 Wochen in den Marquesas. Wer die Blogs von der Überfahrt gelesen hat, weiß dass die ohnehin raue Reise gegen Ende noch etwas rauer wurde. Der starke Winde meist über 30 Kn und die hohe, kabbelige See blieben uns für den gesamten Rest der Reise erhalten.

Viel Wind bedeutet natürlich gute Geschwindigkeit, aber die unruhige See bremst das Boot immer wieder aus. Wir schafften es knapp Hiva Oa noch am 12.06 – Gaylyns Geburtstag – zu erreichen, aber das Leben an Bord bis dahin war nicht die reine Freude. Die Ankunft in Hiva Oa war noch einmal spannend. Die Informationen, die wir aus diversen Guides bezogen hatten, liessen mich befürchten, dass die hohe See die Einfahrt in den Hafen gefährlich machen könnte.

Landfall in Atunoa

Landfall in Atunoa

Während der Annäherung war die Einfahrt von dunklen Wolken und Regenschauern im Gegenlicht der tief stehenden Sonne verschleiert und wir fingen schon an über unseren Plan B – Weiterfahrt nach Tahuata – nachzudenken. Am Ende war es aber ganz einfach und gegen 17:00 Uhr Ortszeit hingen wir im Hafen von Atuona, geschützt vor Wind und Wellen an Bug und Heckanker. Nach 21 1/2 Tagen auf offener See war dieses Ankerbier hart erarbeitet. Der Hafen selbst ist noch nicht geeignet Südseeträume wahr werden zu lassen, ist aber einer von wenigen Orten auf den Marquesas, in denen ankommende Yachten offiziell einklarieren können. Er verfügt zudem über Geldautomaten und Lebensmittelgeschäfte und bietet gerüchteweise Zugang zum Internet. Die 5 km vom Hafen in den Ort bewältigt man am besten, indem man eines der zahlreichen Autos anhält. Die Tankstelle der Insel ist im Hafen und sorgt für ausreichend Verkehr und die Insulaner nehmen einen gerne mit. Unser erster Südsee-Insulaner sprach kein Französisch, so dass die Fahrt in den Ort etwas einsilbig verlief. Generell kommt man aber mit Französisch gut durch und einige wenige sprechen auch Englisch. Am Tag nach der Ankunft wurden die wichtigsten organisatorischen Aufgaben erledigt. Einchecken und der Erwerb einer lokalen SIM-Karte zum Telefonieren waren kein Problem. Der Zugang zum lokalen WIFI den wir bei der Post teuer erkauften stellte sich allerdings als Reinfall heraus. Der Zugang zum ManaNet war nicht verfügbar und hat sich bis heute nirgends ergeben. Reached ParadiseZu Gaylyns großer Freude waren die Läden im Ort besser sortiert als erwartet (das Versorgungsschiff war am Tag vor unserer Ankunft dort gewesen), so dass wir unsere Vorräte an frischem Gemüse und anderen Lebensmitteln aufstocken konnten. Für den nächsten Tag organisierten wir mit anderen Seglern zusammen eine Tour über die Insel um die gerüchteweise schönsten Tikis der Marquesas zu besichtigen. Die Tour fand dann leider nicht statt, da unsere Fahrerin bei Abholung in lautstarke familiäre Streitigkeiten mit ihrem am Hafen wartenden Gatten verwickelt wurde und ohne uns wieder davon brauste. Kurzentschlossen holten wir unsere zwei Anker wieder auf und setzten uns Richtung nach Tahuata in Bewegung, wo laut Guides eine der schänsten Buchten der Marquesas auf uns warten sollte. Eine kurze aber rasante Überfahrt brachte uns in die kleine Bucht Vaihatu. Dort angekommen wurden Reinigungsarbeitenunsere hochgesteckten Erwartungen an die Südsee endlich erfüllt. Die Bucht ist von steil aufragenden Klippen umgeben, die zum Schnorcheln einladen, verfügt über einen langen Palmen gesäumten Sandstrand und Wasser so klar, dass man vor Anker in 8 Metern Wassertiefe noch Riffeln im Sand erkennen kann. Entlag der Klippen kann man beim Schnorcheln im tiefen Wasser Mantas, Rochen und Haie beobachten und in den Korallen und in den Felsen lebt ein Unzahl bunter Fische. Gaylyn – Heldin der Arbeit – nutze die Gelegenheit um Qi von dem unglaublichen Bewuchs zu befreien, der sich während der 3 Wochen Überfahrt an Qi angelagert hatte. Natürlich waren wir nicht die ersten Segler. Mehrere Boote, die wir zum Teil noch von Galapagos kannten lagen schon vor Anker und wir wurden noch am gleichen Abend zum Get Together am Strand eingeladen. Am nächsten Morgen machten wir Kontakt mit dem Eingeborenen. Steven (sein echter Name ist praktisch unmöglich zu behalten), ein langhaariger, sehr kräftiger gut aussehender junger Mann hockt zumeist am Feuer vor seiner Hütte und begrüßt seine Besucher mit Orangen, Pampelmusen und Limonen aus Tahuata von unteneigener Ernte. Ich durfte auch gleich noch das frisch erlegte Schwein probieren, welches im Topf auf dem Feuer vor sich hin köchelte. Wer seine köstlichen Früchte in größeren Mengen erwerben möchte bringt am besten etwas zum Tauschen mit, am liebsten nimmt er Rum. Wir erwarben einen großen Beutel köstlicher Früchte im Tausch gegen 2 Packungen Zigaretten aus Kolumbien und 4 Dosen Bier aus Panama. Einziger Wehrmutstropfen in der Bucht ist, dass Steven keine Ausflüge in das die Bucht umgebende Tal erlaubt. Offensichtlich habe sich einige Segler in der Vergangenheit selbst bedient und nun ist alles jenseits des Strandes für uns Tabu. Fünf Tage später hatten wir genug vom Herumhängen, Schnorcheln und waren gründlich erholt von der Überfahrt. Zwar hatten wir es geschafft über das Iridium Telefon, den Rest der Welt per Mail von unserer Ankunft zu informieren und für teures Geld neue Minuten zu kaufen. Nur weigerte sich das Telefon uns die gekauften Minuten auch anzuzeigen. Zudem verstopfte ein Wetterbericht den Posteingang – wann immer wir versuchten ihn herunterzuladen, brach die Verbindung nach kurzer Zeit ab. So blieb unsere Aproaching Fatu HivaKommunikationssperre praktisch intakt und es wurde Zeit eine Insel zu wechseln und endlich Internet zu finden. Nächstes Ziel war Fatu Hiva, die Bay of Virgins. Diese Bucht hat wahrscheinlich jeder schon mal auf Fotos gesehen und keine Yacht, die die Marquesas besucht kommt darum herum. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass es an einem so populären Ort kein Internet gibt. Wir brachen abends auf kreuzten die Nacht über gegen leichte Winde an. Gegen morgen schlief der Wind komplett ein, so dass wir die verbleibenden 20 Meilen unter Motor laufen mussten während die Insel langsam vor uns Gestalt annahm. Wie viele der Marquesas ragt die Insel steil und hoch aus dem Meer. Dramatische Felsenklippen und eigenartig geformte Bergsättel bewachsen mit tief grüner Vegetation prägen das Bild der Insel. PenisbuchtDie Bay of Virgins hiess ursprünglich Bucht der Penisse und das trifft die Sache eigentlich recht gut. Die Missionare sahen in den steil aufragenden Phallussen wohl lieber das Abbild der Mutter Gottes und benannten sie flugs um. Für mich war unmittelbar klar, dass es sich um den schönsten Ort handelt, den ich bisher besucht habe. Die Hänge sind dicht mit Kokospalmen bewachsen und der kleine Ort liegt in einer Schlucht, die von hohen teils skurril geformten und dicht bewachsenen Felsennasen eingeschlossen ist. An Land umhüllt einen der Duft von Zitrus-Bäumen und Blumen. Zunächst galt es jedoch einen Ankerplatz zu finden. Nur am Rand der Bucht nahe den Klippen findet man flacheres Wasser (unter 10 m) und nur wenig sandigen Grund. Zur Mitte hin fällt der Meeresgrund steil ab und mit 10 ankernden Booten war die Bucht nicht gerade leer. Zudem ist der Ort berühmt für seine Fallböen, die teils mit 40 kn und mehr von den hohen Berghängen durch das Tal fegen. Man ist daher gut beraten sein Boot sorgfältig zu verankern. Bei unserer Ankunft war jedoch alles ganz ruhig, eine leichte Brise wehte von Westen durch das Tal. Am Strand gab uns ein junger französischer Segler ein Von Obenerstes Briefing. Wo ist der Laden? Wo gibt es Wasser, Brot, Früchte? Internet leider Fehlanzeige. Am nächsten Morgen, nachdem wir das Boot noch einmal nach dem nun von Osten wehenden Wind verankert hatten, machten wir uns auf, die umliegenden Berge zu erobern. Eine Schweiss treibende Angelegenheit aber absolut die Mühe wert. Zunächst geht es durch das Dorf vorbei an der Kirche, der Schule, zwischen kleinen sehr einfachen Häuser umgeben von liebevoll gepflegten Gärten in denen neben tropischen Blumen Papayas, Mangos und Unmengen von Zitrusfrüchten wachsen. Danach schlängelt sich die kleine Betonpiste umgeben von Palmenhainen durch das Tal entlang eines kleinen Happy SailorsBaches und dann steil hinauf in die Berge. Der Marsch hinauf zeigte uns schnell, dass nach 3 Wochen Pazifik unsere Ausdauer deutlich geschwächt war. Wir genossen die Aussicht von oben auf die Bucht, den Ort und die Weiten des Pazifik. Dann zog uns das noch ausstehende Frühstück zurück auf das Boot. Die Spätfolgen des Frühsports begleiteten uns noch Tage später in Form von üblem Muskelkater. Die Segler in der Bucht bildeten eine bunt gemischte aber extrem nette Gemeinschaft. Boote aus England, Kanada, Frankreich, Belgien, Finnland, Norwegen und den USA bevölkern die Bucht. Einige kennen wir bereits aus aus Panama oder Galapagos, die meisten anderen lernen wir schnell kennen. Wieder gab es eine Party gleich am ersten Abend, diesmal auf einem großen amerikanischen Motorsegler, der Cetacera. Mit zu Gast waren Jim und seine Tochter Carmen aus Vancouver, sowie ihre Gitarre. Jim singt zumeist smallwaterfalleher Country lastige Titel aber seine Tochter ist der Knaller. Sehr interessante, fast ausschließlich selbst geschriebene Lieder, kunstvoll auf der Gitarre begleitet und mit einer sehr guten Stimme gesungen bereicherten den Abend. Tags darauf ging es zum Barbeque bei einer lokalen Familie. Es gibt im Ort keine richtigen Restaurants aber einige Einwohner laden die Segler zum Essen ein – gegen einen Unkostenbeitrag. Wir genossen einen Querschnitt durch die lokale Küche. Fisch in Zitronensaft und Kokosnussmilch gebeizt, gegrilltes Huhun und Schwein ein wenig Gemüse Reis und verschiedene Gerichte auf Basis von Bananen. Zum Nachtisch gab es Kuchen, denn der Sohn hatte Geburtstag. Wir lernten viel über die Insel und die Ansichten und Gepflogenheiten der Einwohner. Auch am schönsten Ende der Welt gibt es das Problem der Landflucht. Die Kinder gehen auf der Nachbarinsel zur Schule und viele verschwinden nach Tahiti. Die Bevölkerung wird zwar kräftig aus Paris subventioniert, lebt aber zumeist vom Anbau von fruitKopra. Ein mühsamer Broterwerb. Verhungern muss aber niemand auf der Insel, überall wachsen Früchte und Kokosnüsse und die Inseln sind voller wilder Schweine und Ziegen die eifrig bejagt werden. Der Vorteil, an einem so schönen Ort zu leben liegt darin, dass man die Welt nicht besuchen muss, denn die Welt kommt zu Besuch. Die Einwohner sehen Celebrities zu Hauff denn keiner der es sich leisten kann, lässt sich Fatu Hiva entgehen. Nach wenigen Tagen Flaute setzte der Wind wieder ein und mit ihm die bösen Fallböen, die das Ankern in der Bucht unangenehm werden lassen. Für uns war der Wind das Zeichen zum Aufbruch. Immer noch auf der Suche nach dem Internet beschlossen wir via Hiva Oa nach Nuku Hiva zu segeln. Mit 16 kn Wind auf Am Wind, später im Norden von Hiva Oa auf vor Wind Kurs waren die 60 Meilen nach Hanaiapa in 10 Stunden erschlagen. Der kleine Ort an der Nordküste Hiva Oas ist traumhaft schön. Zwar gibt es keinen weißen Sandstrand, dafür aber einen Wasserfall, der von hohen Klippen heran direkt ins Meer stürzt und der Ort ist ein einziges Meer aus Farben, Früchten , Blumen und Düften. Bis auf ein brasilianisches Boot waren wir zunächst das einzige Boot hier. Später traf der hightech Katamaran Gizmo ein, den wir schon au Fatu Hiva kannten. Eine super leichte

Gizmo

Gizmo

Konstruktion aus Kohlefaser, die in seine Racing-Zeiten bis zu 35 kn gelaufen ist. Nun ist er für Cruising Zwecke umgebaut und hat infolgedessen an stark zugenommen, läuft aber immer noch 25 kn. Wir hatten die Besitzer in Fatu Hiva kennengelernt und waren zur Bootsbesichtigung eingeladen worden. Das andere Boot im Hafen gehörte einem Brasilianischen Lebenskünstler, von dem wir auch schon gehört hatten. Ihm war mitten im Pazifik das Ruder gebrochen und wir hatten noch auf Galapagos Mail bekommen, dass er dringend Epoxy braucht um ein neues Ruder zu bauen. Er hat es irgendwie auf die Inseln geschafft und nun baut er hier sein neues Ruder. Epoxy sucht er immer noch denn es wird auf den Inseln extrem teuer gehandelt. BigwaterfallAm Abend des 2. Tages ging es weiter nach Nuku Hiva. Diesmal waren 80 Meilen zu überwinden. Kaum raus aus der Bucht legte der Wind kräftig zu und wir schossen mit bis zu 9 Kn Speed und achterlichen Winden unserem Ziel entgegen. 12 Stunden später lag die Bucht von Taioahe vor uns. Die Bucht und der Ort bestechen zwar nicht durch besondere Schönheit, es ist aber der einzige Ort auf den Marquesas den man als halbwegs zivilisiert brachten kann. Zum ersten mal seit Galapagos gibt es Restaurants, Internet und sogar eine Yachtservice, der sich um die Belange der zahlreichen Segelyachten kümmert. Traumhaft.

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