Polynesisches Paradies

Entry to Daniels Bay, Nuku Hiva

Entry to Daniels Bay, Nuku Hiva

Ausführlich habe ich zuletzt von den Marquesas geschrieben. Das scheint mittlerweile eine Ewigkeit her. Die Marquesas sind wunderhübsch anzusehen. Sie ragen steil aus der See und sind dicht bewachsen mit allem, was Menschen und anderes Treibgut in Jahrhunderten an Samen und lebenden Kreaturen herangeschleppt haben. Die Berge sind teils von extremer Schroffheit und so steil, dass Ausflüge für den im Wandern untrainierten Segler zumal in dem tropischen Klima extrem anstrengend sind. Unsere letzte Station auf den Maquesas war Daniels Bay (Anse Hakatea) auf Nuku Hiva, gleich um die Ecke von Taioahe.

Beach in Daniels Bay

Beach in Daniels Bay

Die Bucht ist umschlossen von steilen Felswänden die im Westen über 400m aufragen. Im Schatten der Berge liegt an der Mündung eines kleinen Flusses ein Dorf und folgt man dem Fluss, gelangt man zu einem Wasserfall, der mehrere hundert Meter hinab in eine Felsenschluch stürzt. Der Pfad zum Wasserfall ist zur Abwechselung einmal nicht Steil. Eine gemütliche Wanderung zunächst durch die wunderschönen Gärten des Dorfes durch Haine von Kokos, Pampelmusen, Papaya, Sternfrucht, Blumen und wilden Ananas. Dann geht es durch dichten Regenwald. Immer wieder stösst man auf die Reste der Siedlungen der alten Polynesier. Aus grossen

Friendly locals in Daniels Bay

Friendly locals in Daniels Bay

Felsbrocken sorgfältig zusammengesetzte hohe Fundamente für die Häuser. Das ganze ist überwuchert von riesigen Bäumen aber man erkennt immer noch viele Details, wie die Gruben für das Poi, Grundnahrungsmittel der Urbevölkerung.

Die Population der Marquesa schrumpfte nach dem Eintreffen der Spanier dank eingeschleppter Krankheiten auf einen Bruchteil zusammen und hat sich nie wieder erholt. Eine zwar etwas kriegerische und blutrünstige aber sehr komplexe und weit entwickelte Kultur wurde durch die Missionare und eingeschleppte Keime, Tiere und Schädlinge zerstört. Es ist traurig durch die Ruinen der Siedlungen zu Wandern, sie lassen die verlorene Kultur nah und fast lebendig erscheinen und machen den Verlust fassbar. Andererseits kann man froh sein, nicht ein paar Jahrhunderte früher als erster angekommen zu sein. Die Chancen standen damals nicht schlecht, dass man im

River in Daniels Bay

River in Daniels Bay

Erdofen und am falschen Ende der Nahrungskette geendet wäre.

Im Dorf deckten wir uns noch einmal mit Früchten ein, denn auf den Tuamotus – unserem nächsten Ziel wächst außer Kokospalmen nichts und Frisches kann man nur kaufen, wenn man das Versorgungsschiff abpasst. Die Läden sind zumeist schon wieder leer, kaum dass das Schiff den Hafen verlassen hat. Das gesagte gilt natürlich nur für die handvoll Inseln, die überhaupt über Infrastruktur verfügen. Auf vielen Atollen ist man schlicht allein. Wir erwarben reichlich Pampelmusen, Papaya, Kokos und Bananen. Als Zugabe erhielten wir noch Sternfrucht. Die Herausforderung war der Transport, denn wir hatten noch gut 2 km Wanderung zum Strand vor uns, wo unser Kayak auf uns wartete.

Genacker Sailing

Genacker Sailing

Gut versorgt brachen wir nächstentags auf Richtung Toau, einem Atoll der Tuamotus, das über eine Besonderheit verfügt: Einen Pass, der das Riff nicht vollständig durchbricht. Das sorgt dafür, dass es dort keine nennenswerten Tidenströme gibt. Man kann die Bucht jederzeit anlaufen. Andere Atolle der Tuamotus können nur bei Stillwasser angelaufen werden, sonst toben in den teils engen und flachen, mit scharfen Korallenzähnen bewaffneten Pässen Strömungen, die einer Segelyacht gefährlich werden können. Im Voraus herauszufinden, wann das Wasser im Pass ruht ist nicht einfach, zuverlässige Tideninformationen sind nur für wenige Atolle verfügbar und die Strömungen hängen auch von Wind und Wellen ab, die ständig Wasser über das Saumriff in die Atolle pumpen. Das Wasser srrömt über die Pässe wieder hinaus und muss bei der Kalkulation der Strömungen in die Gleichung einbezogen werden. Die Anse Amyot auf Toau war daher ein optimaler Landfall für uns. Wir brauchten nur sicher zu stellen, dass wir bei Tageslicht ankommen nicht eine genaue Ankunftszeit.

Toau Blues

Toau Blues

Meinen Geburtstag musste ich leider an Tag 3 der 4 1/2-tägigen Überfahrt mitten auf dem Pazifik feiern. Erst am nächsten Vormittag kamen die ersten Atolle der Tuamotus in Sicht. Bei leichten Winden mit 4 Kn Fahrt glitten wir vom Genacker sanft vorangetrieben für einige Stunden an den von Palmen und Riffen gesäumten Inseln Takaroa und Takapotu vorbei. Der nächste Morgen liess uns die ersten Palmen unseres Zieles am Horizont erspähen. Man braucht viel Geduld für die niedrigen Inseln der Tuamotus. Die hohen Berge der Marquesas sieht man schon aus 20 Meilen, die Tuamotus erspäht man oft erst aus 5 Meilen Entfernung. Bei Nacht sind sie kaum auszumachen, was die zahlreichen Wracks erklärt, die man auf den Aussenriffen verrotten sieht.

Toau Blues

Toau Blues

Die Anse Amyot machte uns das Leben leicht. Nicht nur kann sie bei fast jedem Wetter und zu jeder Zeit angelaufen werden, es liegen Bojen aus, die einem das Ankern ersparen und verhindern dass die Korallen von Anker und Kette beschädigt werden, oder dass die Kette sich um Korallenblöcke wickelt und das Einholen des Ankers zur Herausforderung machen oder in eine Tauchexpedition verwandeln.

An Land gibt es eine Hand voll Hütten die ab und an von Touristen bewohnt werden, die von Fakarawa in die Einsamkeit des ansonsten unbewohnten Atolles entführt werden. Daneben leben Valentine und Gaston dort vom Anbau von Kopra der Vermietung der Bojen und von der Bewirtung der Segler. Ausserhalb der Saison ist die Insel unbewohnt und die 5-6 Bewohner suchen anderorts Beschäftigung oder besuchen ihre weit verstreuten Familien. Valentins Tochter lebt in Neu

Toau Noncommunicado

Toau Noncommunicado

Kaledonien, fast 5000 km entfernt. Zwar steht eine Telfonzelle einsam am Strand der Bucht, kommunizieren kann man aber nur über Satellit.

Außer uns lagen in den 5 Tagen, die wir in Toau verbrachten 4-5 andere Boote in der Bucht. Jan und Christina von dem schwedischen Boot Liv waren vor 8 Jahren auf ihrer ersten Weltumsegelung schon einmal hier und gehörten schon fast zur Belegschaft. Jans Strategie war es, sich nützlich zu machen und er half Gaston an Land bei der Pflege der Kokosplantage, beim füttern der Schweine und der Pflege des Anwesens. Neben zwei Booten mit jungen Australiern lief am 2. Tag das kanadische Boot Anthem ein, dessen Besitzer wir in Kolumbien kennengelernt und seitdem nicht mehr gesehen hatten. Wir beschlossen uns mit mit Jan und Jack von Anthem und den Schweden zusammen von Valentine mit einem polynesischen Festmahl verwöhnen zu lassen. Gaylyn durfte umsonst teilnehmen und

Valentine of Taou singing to the okulele

Valentine of Taou singing to the okulele

brachte ihr eigenes Essen mit, denn Gemüse (ausser Bananen und Kokos) gehört nicht zur Küche der Tuamotus. Stattdessen gabe es Poisson Cru (roher Fisch in Kokosnuss Sauce gebeizt – mein Lieblingsgericht der Polynesischen Küche) reichlich Lobster vom Grill, Fisch Focacia und gebratenen Papapgeifisch. Wir hatten einen wundervollen Abend, die Polynesier lieben den Gesang und Valentine verwöhnte uns nach dem gemeinsamen Essen mit Liedern in französisch und tahitianisch, die sie auf der Okulele begleitete.

Schon an unserem Ankunftstag hatten die wenigen Bewohner des Atolles alles in Bewegung gesetzt um den einzigen Fernseher der Insel in Betrieb zu setzen und die Satelitenschüssel so auszurichten, dass das Endspiel der WM zu empfangen war. Ich hatte schon auf den Marquesas vom Sieg der teutonoischen Equipe über die Grande Nation (die Polynesier liess die Niederlage der Franzosen eher kalt) und den wundersamen Einzug der deutschen

Toau World Cup Party

Toau World Cup Party

Elf ins halbfinale gehört. Hier hörte ich Berichte über den Sieg über Brasilien und es ergab sich die einmalige Gelegenheit dem Endspiel live beizuwohnen. Da ohnehin kein Wind für die Weiterreise abzusehen war, beschlossen wir zu bleiben.

Zusammen mit Valentine und Gaston und einer gemischten Segler-Gruppe aus Schweden, USA, Kanada und Australien wurde das Spiel verfolgt. Gaston hatte eine Kiste Bier auf Argentinien verwettet und war sehr enthusiastisch. Als einziger Deutscher vorort war ich in der Pflicht dagegen zu halten. Nach dem wohlverdienten Sieg überzeugte Gaylyn mich, dass es angebracht war als Weltmeister einen auszugeben (Australische Sitten). Die 10 Bier kosteten mich umgerechnet 50US$, waren aber gut

Toau World Cup Party

Toau World Cup Party

investiert. Der Sieg wurde mit einem spontanen gemeinsamen Lunch gefeiert zu dem alle Boote sowie die Gastgeber etwas beisteuerten.

Am nächsen Morgen ging es weiter nach Fakarawa. Hier wollten wir unsere bereits sehr reduzierten Vorräte auffrischen und den Südpass besuchen, der von allen Seglern als einzigartiges Tauchrevier und wundervoller Ankerplatz gelobt wird. Die Einfahrt in das Atoll durch den eher einfachen Nord-Pass verlief ohne Zwischenfälle aber die Versorgungslage im Ort Rotaova war mehr als mager. Frisches Gemüse oder Obst war nicht zu haben. Immerhin gab es Internet, das aber so langsam war, dass es mir in der ersten gut 3-Stündigen Session im Internet Cafe nicht gelang meine Mail vollständig herunterzuladen. Infolgedessen wurde nur das Nötigste erledigt, ein kurzer Artikel und eine handvoll Fotos auf den Blog geladen.

Gaylyn up the Palm in Fakarawa South

Gaylyn up the Palm in Fakarawa South

Zwei Tage später ging es weiter in den Süden der Insel. Die Fahrrinne durch das Innere des Atolls führt oft dicht am Nord-Rand entlang und bietet traumhafte Aussichten auf azurblaues Wasser vor Palmenstränden. Die Route ist durch Seezeichen gekennzeichnet, welche auf den zahlreichen Riffen stehen, die das Durchqueren des Atolls zur Herausforderung machen. Man segelt zumeist in 20-30 m tiefem Wasser, doch die Korallenriffe steigen aus dieser Tiefe steil bis direkt unter die Oberfläche auf so dass man ohne Warnung vom tiefen Wasser auf harten Kalkstein 20cm unter der Oberfläche trifft. Glückicherweise sind die Untiefen bei gutem Licht im klaren Wasser leicht auszumachen. Wenn man allerdings bei Nacht oder im Gegenlicht segelt wird es brandgefährlich sobald man auch nur an den Rand der Fahrrinne kommt.

Die letzten 2 Meilen zum Ankerplatz mussten wir die Fahrrinne verlassen. Gaylyn stand auf dem Bug und hielt nach Riffen Ausschau während ich Qi im Schneckentempo ans Ziel

Fakarawa South

Fakarawa South

steuerte. Mehrfach gab Gaylyn Alarm denn das Licht war nicht gut und es ist extrem schwer die Tiefe der Korallenstöcke zu beurteilen, die unter dem Boot vorbei ziehen. Am Ankerplatz erwarteten uns bereits mehrere bekannte Boote. Neben dem deutschen Boot Anke Sophie, das wir aus Galapagos kannten waren das Niederländische Boot Deese und die Neuseeländer auf Daemon schon da, denen wir schon seit Panama mehrfach begegnet waren.

Monique und Peter von Deese hat es in den Marquesas bös getroffen, sie haben sich mit Ciguatera vergiftet – einem starken Nervengift, welches in den Riffen von Bakterien produziert wird und sich über Fische in die Nahrungskette einschleicht. Sie hatten noch Glück im Unglück – andere Teilnehmer des Mahles zu dem sie eingeladen worden waren, mussten mit schweren Vergiftungen nach Tahiti ausgeflogen werden. Monique und Peter kämpfen seitdem “nur” mit Schlaflosigkeit und üblen nervlichen Störungen, die aber nach

Fish in Fakarawa South Pass

Fish in Fakarawa South Pass

über 2 Wochen langsam anfangen abzuklingen. Ich bin angesichts dessen ziemlich froh, dass ich mich zu 99% vegetatrisch ernähre. Wer schlau ist, isst hier nur Fisch, der auf hoher See oder von den Einheimischen gefangen wurde, die wissen welche Fische betroffen sind.

Das Tauchen im Pass ist ein Abenteuer für sich. Es gilt wie bei der Einfahrt den richtigen Zeitpunkt abzupassen, wenn die Strömung einschläft. Vorzugweise taucht man bei Niedrigwasser, so dass die wieder einsetzende Strömung einen zurück ins Atoll schiebt. Zudem drückt die einlaufende Flut glasklares Ozeanwasser in das Atoll und führt zu spektakulären Sichtweiten. Am nächsten Morgen begleiteten wir Dirk und Tom vom australischen Boot Dancing Bear zum Tauchen mit den Tetanau Divers. Ein einmaliges Erlebnis. Wir waren etwas früh dran aber die

Shark in Fakarawa South Pass

Shark in Fakarawa South Pass

ausgehende Strömung war kaum mehr wahr zu nehmen. Der Pass ist dicht bewachsen mit wunderschönen Steinkorallen und viele große Fischen leben im in der Tiefe. Neben grossen Scharen von Doktor- und Sergeant-Fischen, Barschen und riesigen Napoleonfischen gibt es reichlich Blacktip-Haie die sich neugierig den Tauchern und Schnorchlern nähern. Sie warten auf ihre Gelegeheit – sobald sie das Geräusch einer Harpune oder das Zappeln eines angeschossen Fisches spüren eilen sie herbei um dem Jäger seine Beute abzujagen. Glücklicherweise hatten wir uns schon auf Toau an die ständige Präsenz von Blacktips und grauen Riffhaien gewöhnt. Hier waren es nur noch einmal mehr.

Coral in Fakarawa Pass

Coral in Fakarawa Pass

Shark in Fakarawa South Pass

Shark in Fakarawa South Pass

Wir haben danach jeden Tag einen Ausflug in den Pass unternommen, uns mit dem Dinghy gegen das auflaufendem Wasser aus dem Pass geschummelt, um dann mit dem Beiboot an einer langen Leine schnorchelnd in glasklarem Wasser wieder in das Atoll zu treiben. Wenn wir nicht im Pass unterwegs waren haben wir die kleinen Palmeninseln Riffe und Lagunen um den Ankerplatz herum mit dem Dhingy und dem Kayak erforscht.

Die Tuamotus bieten abgesehen von der Versorgungslage genau was wir suchen. Eine nette Gemeinschaft von Seglern, einzigartige Tauch- und Schnorchelreviere, palmengesäumte einsame Inseln, und Schwimmen in glasklarem Wasser. Auf dem Rückweg vom Südpass haben wir noch einmal am Rande des Atolls vor einem unberührten Sandstrand Anker geworfen und die Einsamkeit und Schönheit des Atolls genossen. Mittlerweile sind wir wieder in Rotoava, der Siedlung von Fakarawa und auf dem Absprung nach Tahiti, wo wir in Kürze Besuch erwarten. Die Toamotus werden wir wohl vermissen aber alle die schon einmal durch den Pazifik gesegelt sind sagen uns, Richtung Westen wird es immer besser..

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