Durch die Tasman See

In der letzten Meldung habe ich meine Abreise aus Australien angekündigt. Danach hatte wir noch ein paar gute letzte Wochen an der Goldcoast. Nach dem Ende von Gaylyns Schuljahr sind wir dorthin umgezogen und haben unsere Tage am `Ballermann` von Australien verbracht. Interessanterweise ist es sehr leicht dem Trubel der Goldcoast zu entkommen. Es reicht zumeist schon auf die andere Seite des Broadwater nach South Stratbroke überzusetzten und schon findet man sich in einer Dünenlandschaft voller Kängurus und einsamer Strände wieder.
Bums Bay, wo wir vor Anker lagen war nicht ganz so idyllisch. Die Freizeitvergnügungen der Goldcoast umfassen typischerweise hauffenweise PS also Jetski, Jet Boat, Helikopter, Wasserski, und einige Sachen für die ich nicht einmal einen Namen habe, z.B. mit eine Art Jetpack an den Füssen oder am Rücken fliegen. All das spielt sich um unseren Ankerplatz herum ab.

Wir haben trotzdem eine gute Zeit und viel Spass mit dem neuen Paddleboard und Gaylyns Bruder Alec gehabt, der mit seinem Tri auch in Bums Bay lag und uns auf der Überfahrt begleiten wollte. Unter anderem waren wir mit dem Paddleboard Surfen und zu meinem grossen Erstaunen war das ein Kinderspiel. Verglichen mit einem normalen Surfboard, ist das Paddleboard allerdings auch ein mittlerer Flugzeugträger.

Für die Überquerung der Tasman See mitten in der Cyclone-Saison hatte ich mir meteorologische Unterstützung von Met-Bob – dem Neuseeländischen Wetter-Guru eingekauft und am 11.01.2016 sollte es nach seiner Prognose so weit sein. Wir kamen am 10. im Yachtclub zu einem letzten Familientreffen zusammen, sagten ausführlich Adieu und am nächsten Morgen wurde ausklariert und abgelegt.

Leider hatten wir nur sehr wenig Wind, aber wie wir bald bemerkten hatten wir einen angenehmen Begleiter in Form des East Australian Current, einer Meeres-Strömung, die uns für den grössten Teil der Reise mit einem extra Knoten Speed versorgte.

Als nach ein paar Tagen der Wind mal wieder ganz ausblieb, wurde kurzerhand der Motor ausgeschaltet und das Paddlebaoard ausgepackt. Wir namen alle ein Bad über gut 2-3 Km Wassertiefe und drehten eine Runde auf dem Board. Alec liess sich dann noch ein wenig bei 6kn Fahrt auf dem Paddleboad schleppen.

Eine andere Quelle für Heiterkeit waren Alecs Versuche mit meinem Equipment Fische zu fangen. Leider war er sich der Dimension des Unterfangens nicht voll bewusst. Draussen auf dem grossen Teich fängt man nämlich keine kleinen Fische. Der erste Versuch endete damit, dass eine deutlich über einen Meter grosse Goldmakrele mit dem gesammten Equipment davon kam. Wir sahen sie in der Entfernung springen. Weiter Versuche endeten ähnlich so dass zuletzt nichts mehr an Bord war, was die Aufmerksamkeit der Fische erregt hätte. Ein Schwarm Bonitos machte sich über uns lustig indem er parallel zum Boot durch die Wellen glitt aber jeden Köder verweigerte.

Dann kam die Kalt-Front – lange angekündigt von unserem Wetter-Guru, der Unheil verkündende Text Nachrichen an unser Iridium Telefon schickte in denen er uns mitteilte, diese Front hätte in Sydney Bäume entwurzelt. Wir schrieben fröhlich zurück, es wären keine Bäume in unmittelbarer Nähe, und fragten uns was da wohl auf uns zu kommt. Es war dann aber nicht weiter schlimm, 25kn Wind mit 30 kn in Böen gaben uns endlich mal guten Speed auch wenn es nicht gerade komfortabel war.

Leider blieb bei dem Wind unser Windpilot auf der Strecke, der nach ein paar Modifikationen erstmals seit langem wieder zur Zufriedenheit funktioniert hatte. Ein paar Tage später verabschiedete sich auch unser elektrischer Autopilot mit einem engen 360 Grad Vollkreis des Bootes und fortan wurde wieder von Hand gesteuert. Ich habe den Windpilot später zwar reparieren können, aber trotzdem verbrachten wir viel Zeit am Ruder.

Alles hat auch seine gute Seite. Auf den langen Nachtschichten verbrachten wir viel Zeit damit nach den Sternen zu steuern – die beste Art den Sternenhimmel wirklich im Detail kennen zu lernen, denn wer starrt sonst schon 3 Stunden lang in den nächtlichen Himmel. Am Tage bewunderten wir den Flug der Seevögel, die uns fast auf der ganzen Reise begleiteten und die majestätischen Wellenzüge die aus dem Südpazifik heranrollen. Zuletzt ging uns doch wieder der Wind aus, so dass wir von Cape Reianga – der Nordspitze Neu Seelands bis nach Opua in der Bay of Islands unter Maschine liefen. Trotzdem war es ein Erlebnis – speziell die Albatrosse am Cape Reianga sind wunderschön anzusehen wenn sie mit ihren riesigen Flügelspannweiten in den Aufwinden der Wellen Surfen.

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