Atemlos in Neuseeland

Von Australien kommend liefen wir Opua in der Bay of Islands an. Ich war auf einem vorherigen Landtripp nach Neuseeland schon einmal hier vorbei gekommen und hatte die Gegend wenig beeindruckend gefunden. Wahrscheinlich muss man die Bay of Islands vom Wasser her erkunden, um ihre Schönheit zu sehen, denn seit wir die Bucht und mittlerweile die Kueste hinunter nach Whangarei segeln, werden wir immer wieder von der Schönheit der Landschaft in Bann geschlagen.

Nach der Ueberfahrt in die Bucht einzulaufen war schon mal recht beeindruckend. Wir entdeckten mehrere Haie, die träge an der Oberfläche schliefen – einen hätte ich fast ueberfahren. Es handelte sich um kleinere Exemplare unter 2 Meter Länge, der Gattung Bronze Whaler bzw. Hammerhead. Die Bay of Islands ist das El Dorado der Fischer in Neuseeland. Neben Schwertfisch und Goldmakrele weiter draussen gibt es reichlich Snapper und andere leckere Fische in den Buchten. Die Seevögel freuen sich auch darueber, speziell die Tölpel beeindrucken mit ihren Sturzfluegen.
Wir machten im letzten Licht des Tages in Opua am Quaratänedock fest, dass für alle von Übersee kommenden Yachten vorgesehen ist. Da wir unsere Ankunft per Funk angekündigt hatten kamen gleich am nächsten Morgen zwei Damen an Bord – Immigration und Biosecurity. Die berüchtigte Kontrolle verlief eher Lax und wir verloren nur ein paar im Lande unerwünschte Lebensmittel und unseren Müll von der Überfahrt. Der Zustand unseres Unterwasserschiffes wurde toleriert und wir erhielten nur die Mahnung recht bald aufs Trockene zu gehen und unsere Hitchhiker zu entfernen. Dazu 18 NZ$ Gebuehren pro Person und das wars.

Wir hatten bereits beschlossen dass Alec – Gaylyns Bruder – noch ein paar Tage bei uns bleiben wuerde und dass wir mit ihm die Bay of Islands ausgiebig erforschen würden. Nach 2 Tagen Erholung von der Überfahrt fuhren wir zunächst nur ein paar Meilen hinüber nach Russell, der ersten Hauptstadt Neuseelands – heute ein eher verschlafenes aber sehr hübsches kleines Städtchen. Da man nur per Fähre oder ueber umständliche Umwege zu Lande dort hin kommt, hält sich die Zahl der Touristen in Grenzen. Die kleine Stadt sollte unser Basislager für die Bucht werden, denn sie verfügt ueber eine gute Ankerbucht, ein wenig Unterhaltung, zwei Supermärkte und Anlege-Möglichkeiten fürs Dhingy. Alles was der Cruiser braucht.

Unser erstes Ziel in der Bucht war Roberton Island – die Standard Insel, gleich um die Ecke kaum 5 Meilen von Russell. Wo jeder hinfährt der mal kurz raus will. Trotzdem traumhaft. Gute Ankerbucht, eine kleine Wanderung bringt einen auf ein Kliff mit einmaliger Aussicht ueber die Bay of Islands. Eine kleine Lagune zum Plantschen speziell fuer Kinder, ein langer wenngleich teils steiniger Strand und reichlich Felsenküste zum Paddleboarden und Kajakfahren. Dazu klares Wasser perfekt zum Schwimmen und Schnorcheln. Als Krönung begann Alec nun endlich tatsächlich leckeren Fisch zu fangen und unsere Diät wurde zusehens Eiweissreicher. Nach Roberton kamen wir noch diverse Male wieder zurück.

Der Neuseeländer scheint wenig Wasserscheu zu sein. Unbeeindruckt von der wahrnehmbaren Population von Haien sieht man sie teils hunderte Meter vom Boot zum Strand schwimmen und die Bucht ist voll von Booten, viele Motorboote aber auch extrem viele Segler. Dank der vielen Inseln und geschützten Buchten verläuft sich die Armada und wir hatten nie Mühe einen Platz zum Ankern zu finden.

In Opua war dieweil die Opua Sailing Week angebrochen und die Bucht wurde immer wieder von Regatten durchquert die mit Ihren bunten Ballonsegeln einen wunderschönen Kontrast zum blauen Wasser und den grünen Huegeln bilden. Diverse Male konnten wir das Cat des Team Newzealand beobachten, wenn es auf Tragflächen in unglaublicher Geschwindigkeit über das Wasser schoss.

Als nächstes machten wir auf Urupukapuka halt. Die Insel steht unter Naturschutz und das Department of Conservation unterhält Wanderwege über die gesamte Insel. Störend fällt eigentlich nur auf dass die Neuseeländer das Konzept der Sepentinen generell abzulehnen scheinen. Die Wege gehen meist direkt die Berge hoch und wenn es zu steil wird gibt es Treppen. Als Segler ist man ja eher nicht so Ausdauer stark und diese Pfade sind ein echtes Problem fuer die untrainierte Pumpe. Mittlerweile sind wir Kardio-Mässig fast auf Neuseeland-Niveau aber der Weg dahin war hart. Klar dass die Aussichten über die Bucht, die grünen Huegel und schroffe Kliffs einen für alles entschädigen und die Eiweiss reiche Fischkost baut einen wieder auf. Nebenbei sind die Ankerbuchten perfekt für ausgiebige Touren mit dem Paddleboard und dem Kajak, speziell morgens und abends wenn der Wind noch nicht erwacht oder schon eingeschlafen ist.

Nach gut 3 Wochen an Bord zog Alec Richtung Auckland davon um Freunde und Familie zu besuchen und Gaylyn schloss sich an um Ihrem Sohn und Enkelsohn einen Besuch abzustatten und die letzteren für einen Ausflug in die Bucht wieder mitzubringen. Ich unternahm dieweil einen 4 tägigen Solotripp durch die Bucht. Für den Familienbesuch entfaltete Roberton Island noch einmal sein volles Unterhaltungs-Potential. Paddleboarding und Kajakfahren fuer die ganze Familie, Fischen, Austern-Sammeln, Wandern, Schwimmen, Schnorcheln, Segeln, Sonnenbaden liessen keine Langeweile aufkommen…

Die Wetterberichte liessen uns dann doch der Bucht den Rücken kehren, denn wir wollten den aufkommenden Winnd nutzen um nach Whangarei zu kommen bevor das Wetter richtig schmuddellig wird. Allerdings war uns nicht klar wie schön der Kuestenstrich südlich der Bay of Islands sein würde. Whangamumu Bay bescheerte uns unglaubliche Wanderwege entlang der Kueste und in die Berge inklusive der üblichen atemraubenden Aussichten ueber Buchten, Kliffs und Strände und durch einmalige Kuestenwwälder voller Farne, Palmen und Kauri-Bäumen.

In Whangamuru Bay war es die Vielfalt des Waldes die uns beeinduckte und Mimiwhangata Bay gab uns den Rest. Eine Wanderung durch Farmland mit unglaublichen Ausblicken ueber Buchten und Inseln, gruene Huegel und Feuchtbiotope voller Gänse, Enten und schwarzer Schwäne. Dazu kilometerlanger Sandstrand und Felsige Kuesten mit Kelpwäldern und vereinzelte Schafe, die uns begaffen als waren wir Aliens..

Nur gut dass wir uns vor dem aufkommendenm Schlechtwetter nacht Tutukaka verdrueckt haben. Die Bucht ist eher unscheinbar und wir erholen uns langsam vor der Reizueberflutung durch schöne Natur..

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2 Responses to Atemlos in Neuseeland

  1. Tina says:

    Wow, allein diese Namen… herrlich exotisch und verlockend :o)))))) Genießt die Zeit, NZ ist ein Traum, aber wem erzähle ich das? Lasst es euch gut gehen und genießt euer wildes Seefahrerleben :o))) Big hug per los dos und schön weiter berichten ;o)

  2. Silvie says:

    Hi Gaylyn&Thomas, wie schön, dass nach der langen Funkstille endlich mal wieder etwas geschrieben wurde und dann noch so ausführlich und wunderbar zu lesen!!! Wie geil – man ist voll mit dabei und Du musst uns unbedingt wieder öfter updaten, um unseren tristen Alltag mit dauerverhangenen, regnerischen 2 Grad in diesen ungastlichen Breitengraden zu versüßen…;-) Reisen liegen leider bei uns vorest nicht an, nur die übliche leckere Testwoche auf Malle Anfang März (100.000 Kalorien in einer Woche – uff…) und damit viel zu früh, um so richtig schönes und vor allem warmes Wetter zu haben. Aber trotzdem können wir es kaum erwarten und senden schon mal muchas Besitos aus Hamburgo von den Pesis (unser Redaktionskürzel) ;-))

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