Endlich wieder Südsee

Nach fast 18 Monaten Pause – zurück in der zivilisierten Welt – sind wir endlich wieder in der Südsee. 10 Tage und 300l Diesel hat es gebraucht um von Whangarei, Neuseeland nach Nuku’alofa, auf die Hauptinsel Tongatapu des Königreiches Tonga zu segeln. Leider waren es auch gut 4 Tage unter Motor, denn der Wind war eher unzuverlässig, oft platt von hinten mit weniger als 10kn. Schwacher Wind von hinten zerrt an den Nerven der Crew, denn es geht nur im Schneckentempo voran aber das Boot schlingert in der achterlichen Welle und die Segel schlagen lautstark und unangenehm.

Ein paar Tage in die Reise hinein wurden wir von einem Neu-Seeländischen Boot überholt und hatten einen kurzen Austausch per Funk. Der Skipper teilte uns mit, dass ein Neu-Seeländischer Cruising Club im Minerva Reef ein Treffen abhielte und viele Boote dort sein würden. Kurzerhand änderten wir Kurs auf Minerva – das liegt zwar deutlich westlich von unserer Kurslinie nach Tonga, aber eine kleine Pause war uns willkommen und die Wetterkarten liessen uns auf Westwinde hoffen, die uns von dort nach Tonga blasen würden.

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Sailing into the Sunset with SV Perry ahead

Minerva Reef hat eine interessante Geschichte (siehe Wikipedia) und ist einer dieser einzigartigen Orte. Mitten im Pazifik bildet es zwei Atolle, deren Korallen-Riffe bei Ebbe bis zu 90 cm aus dem Wasser ragen, bei Flut werden sie überspült, sind aber nah genug an der Oberfläche um die Ozeanwellen zu brechen und es gibt jeweils eine Einfahrt in die Lagune und damit einen ruhigen Ankerplatz mitten im offenen Pazifik.

Die letzten 48 Stunden vor Erreichen des Atolls trafen wir immer mehr Boote. Da der Wind vollständig eingeschlafen war und wir Minerva erreichen wollten bevor die Westwinde einsetzten, wurde der Diesel angeworfen und am Ende erreichten wir die Riffe an der Spitze eine kleinen Flotilla bestehend aus 5 Booten. Im Riff selber zählte ich am Abend knapp 30 Segelyachten vor Anker.

Approaching Minerva Reef

Approaching Minerva Reef

Wir erreichten das Riff am frühen Nachmittag und da es schon absehbar war, dass wir nächsten Tages weiter fahren würden um den Westwind zu nutzen, hatten wir es eilig das Riff zu erkunden. Leider vergaß Gaylyn vor unserem ersten Bad im tropischen Pazifik ihre Sonnenbrille abzunehmen. Zurück an Bord sah ich ein dunkles Objekt langsam zu Boden sinken. 12 m Freitauchen – direkt nach dem Ankerbier das ist deutlich jenseits meines Limits also musste das Tauch Equipment ausgepackt und zusammengebaut werden und wenig später war ich unterwegs zum Grund.

Die Brille war schnell gefunden und einmal unten beschloss ich noch schnell den Sitz des Ankers und der Kette zu prüfen, denn wir hatten in der Nähe einiger Korallenstöcke geankert. Die Kette wurde schnell entwirrt und auf dem Rückweg wurde ich von einem kleinen grauen Riffhai gestalkt. Er war zwar nur knapp über einen Meter lang aber reichlich aufdringlich und kam unangenehm nah.

Unser anschliessender Ausflug zum Saumriff mit Paddleboard und Kayak war eher unspektakulär abgesehen von der Tatsache, dass er mitten im Pazifik weit weg von trockenem Land stattfand. Ich denke wir werden auf dem Rückweg nach Neuseeland noch einmal hier halten müssen um das Riff ausführlich zu besichtigen. Hoffentlich haben wir dann mehr Zeit.

In der Nacht kam der versprochene Wind auf – gut 30kn aus SW bescherten uns eine unruhige Nacht. Am Morgen haben wir uns von unseren Deutschen Nachbarn (Katamaran Twiga aus Bremen) noch mal Wetterinformationen eingeholt und beschlossen unsere Reise fortzusetzen.

No wind on the Pacific

No wind on the Pacific

Das war leichter gesagt als getan, denn die Ankerkette hatte sich in der stürmischen Nacht wieder in Korallenstöcken verheddert und wir bekamen den Anker nicht hoch. Zu allem Überfluss brannte beim ersten Versuch noch die Sicherung der Ankerwinsch durch, so dass unsere Abfahrt um eine gute halbe Stunde verzögert wurde, bevor im 2. Anlauf der Anker wieder aufgelesen werden konnte. Dann ging es bei 25kn Wind durch die Einfahrt des Atolls raus in den stürmischen Pazifik. Ein spannender Vorgang, denn auf dem Riffen auf beiden Seiten der Durchfahrt brandeten große Ozeanwellen.

Leider hielt der Wind nicht lange, so dass wir schon in der nächsten Nacht – kaum 60 nm von Minerva entfernt wieder das übliche Schwachwind-Gedümpel hatten. Wir hielten noch eine Weile durch aber in der nächsten Nacht wurde dann wieder der Diesel bemüht denn unser Timing war so, dass wir es mit Motorunterstützung gerade vor Sonnenuntergang durchs Riff nach Tongatapu schaffen würden. Ohne Motor würden wir zur Unzeit ankommen und eine weitere Nacht herumdümpeln.

Landfall in Tonga at Sunset

Landfall in Tonga at Sunset

Wir schafften es wie geplant im letzten Licht durchs Riff, mussten dann aber im Dunkeln Anker werfen. Das war wie immer Nervensache, denn man sieht im Dunkeln die Hindernisse nicht, die einem am Ankerplatz das Leben schwer machen. Wir verfehlten nur knapp eine Boje die sinningerweise gut einen Meter unter Wasser schwamm. Ein Hindernis dass einem leicht den Antrieb still legen kann, wenn sich seine Leinen im Propeller verfangen.

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