Mittlerweile in Tonga

Ich komme mal wieder nicht mit dem Schreiben hinterher. Entweder ist das Internet so schlecht, dass ich nach dem Wetter-Download genug vom Warten habe oder ich habe besseres zu tun. Im letzten  Post ging es um die Reise nach Tonga und die Ankunft dort. Das ist jetzt schon einen Monat her und wir haben seither viel erlebt.

Big Mamas Yachtclub

Big Mamas Yachtclub

In Tongatapu war nach dem Einchecken Abhängen in Pangaimotu und Warten auf Wind angesagt. Diverse Yachten hingen mit uns dort und es ist generell kein schlechter Ort zum Sein. Die kleine Insel Pangaimotu liegt 1.5 sm entfernt von Nuku’alofa der Hauptstadt des Königreiches und beherbergt einen “Yacht Club” – eine Kneipe also. Die Insel ist hübsch anzusehen mit reichlich Palmen und Strand, liegt in Kristall klarem Wasser und ist umgeben von einem hübschen Korallen-Riff. Speziell im Norden der Insel, wo das Riff von einem schiffbaren  Kanal durchschnitten wird gibt es für Schnorchler viel zu sehen.

aroyaldressup

Qi über die Toppen geflaggt

atonganprincess

A Tongan Princess

badetag

A Tongan Beach Party

Zur allgemeinen Unterhaltung fand dann noch eine Fundraising-Party im Yacht-Club statt zu ehren der Königin Mutter, die ihren 90. Geburtstag feierte und Geld für Heime für behinderte Kinder sammelt. Die Segler hatten zu diesem Ereignis die Boote über die Toppen geflaggt aber die erhoffte Audienz mit der Königin-Mutter blieb leider trotzdem aus – wir mussten mit einer Prinzessin vorlieb nehmen.

Die Zeit verging schnell mit Paddleboarding, Kajaking und einer Sightseeing Tour der Hauptinsel Tongatapu und bald stellte sich der erhoffte Ostwind ein, so daß wir weiter nach Nomuka in der Ha’apai Gruppe segeln konnten.

Die 60 sm nach Nomuka wurden bei herrlichem Segelwind auf Am Wind Kursen schnell zurück gelegt und am Abend lagen wir im nächsten Insel-Paradies vor Anker. Die Insel selbst ist eher ruhig, wie üblich gibt es diverse Kirchen, denn diverse Christliche Kirchen sind in Tonga aktiv. Wir erforschten auch die kleine Nebeninsel Nomuka Iki vor der wir vor Anker lagen.

Meiner Vorliebe für Querfeldein Trips folgend versuchten wir am Ende barfuss die Insel zu durchqueren. Leider hatten wir die Entfernung unterschätzt und waren froh, als wir auf einen Pfad stiessen, der uns in den Hinterhof des einzigen

A Nomuka Beach

A Nomuka Beach

A Church on Nomuka

A Church on Nomuka

Bewohners der Insel brachte. Ein weitestgehend zahnloser alter Mann der dort mit einer Horde erstaunlich grosser und wohlgenährter Schweine ein einsames Dasein fristete. Er versuchte erst mich (erfolglos, ich verstand nicht was er wollte) und dann Gaylyn französisch mit Wangenkuss zu begrüssen. Leider sprach er kein Englisch so dass unsere Unterhaltung eher stockend verlief. Immerhin machten wir aus, dass es ihm nach Zucker für seinen Kaffee gelüstete (daher der Mangel an Zähnen) und wir versorgten ihn damit.

Von Nomuka ging es 2 Tage später weiter nach Ha’afeva. Die Insel sah auf den Karten einladend aus mit einem großen geschützten Ankerplatz im Westen. Gleich am ersten Morgen (es war Sonntag) beschlossen wir mit der Crew der britischen Yacht Tululah Ruby dem Gottesdienst im Ort beizuwohnen. Nicht so sehr weil der heilige Geist plötzlich in uns gefahren ist sondern weil die Insulaner für ihren wunderschönen Gesang bekannt sind.

Sunday in Ha'afeva

Sunday in Ha’afeva

Der Gesang ist in der Tat beeindruckend. Es wird generell mehrstimmig, volltönend und mit kräftigen Stimmen gesungen und wir wurden für die etwas langweiligen weil unverständlichen Predigten voll entschädigt. Nach dem Gottesdienst defilieren die Teilnehmer Hände schüttelnd aneinander vorbei. Ich entzog mich der Prozedur aber Gaylyn schüttelte dem halben Dorf die Hand, was sehr gut aufgenommen wurde.

Die Teilnahme am Gottesdienst brachte uns eine Einladung zum Mittagessen ein, die wir schlecht ausschlagen konnten. Angekommen in dem einfachen Heim kamen mir erste Zweifel, ob es nicht vielleicht doch besser gewesen wäre sich dezent aus dem Staub zu

machen. Als schliesslich zu Tisch gebeten wurde, wurden diese Zweifel zur Gewissheit. Die

Sunday in Ha'afeva

Sunday in Ha’afeva

Küche übertraf meine schlimmsten Erwartungen und das Essen bestand aus Corned Beef mit einem Spinat-artigem Gemüse durchsetzt, Huhn (welches eine sehr eigenartigen Nebengeschmack aufwies) Brotfrucht und Tapioka. Brotfrucht und Tapioka waren eher fad, das Fleisch sehr suspekt. Die Spinat-Variante war gar nicht mal schlecht

Making friends with the locals

Making friends with the locals

Making friends with the locals

Making friends with the locals

aber in mir hatte sich nach Besichtigung der Küche die Überzeugung festgesetzt dass dieses Lunch mich krank machen würde.

Glücklicherweise war das Essen scheinbar doch nicht kontaminiert. Wir etablierten mit der Familie einen regen Tauschhandel, der uns reichlich Limonen und Papaya im Tausch gegen ein paar Angelhaken und Schnur einbrachte. Nächstentags flickten wir noch das Boot des Familienvorstandes mit Epoxy und Glassfaser. Unsere Gastgeber waren Überwältigt.  Es fehlt einfach an allem auf den Inseln und man kann mit kleinen Gaben und Hilfsleistungen extrem viel bewegen.

Da eine häßliche Kaltfront mit viel Regen und starkem Wind aus Nord angekündigt war, beschloss ich trotz suboptimalem Wetter die Reise Richtung Lifuka, der Hauptinsel der Ha’apai Gruppe fortzusetzen. Dazu mussten wir bei wechselhaften, zumeist starkem Wind durch ein Labyrinth von Riffen und Inseln ankreuzen.  Da der Wind konstant in Stärke und Richtung variierte war ich permanent beschäftigt mit Trimmen, Wenden und Reffen und erschreckte Gaylyn mit einer Tirade von Kraftausdrücken, als die permanente Schwerstarbeit an den Winschen und Reffleinen anfing mich ernsthaft mürbe zu machen.

Exploring Uoleva

Exploring Uoleva

Nach erreichen der vorgelagerten Insel Uoleva, 5 sm von unserem Ziel entfernt gaben wir uns  zufrieden und ankerten in der wunderschönen Bucht vor einem weiteren traumhaften Palmenstrand.  Wir inspizierten auch diese Insel und besuchten 3 der 4 Resorts, die die einzige Besiedlung der Insel bilden. Es gab ein hochpreisiges Resort im Süden welches wir nicht besuchten, ein ziemlich cooles Kitesurfing Resort im Norden und zwei Backpacker Resorts.

Uoleva - the rough side

Uoleva – the rough side

In Captain Cooks Hideaway, einem der Backpacker Resorts begrüßte uns Mari, versorgte uns mit Passionsfrucht und selbstgemachtem Limonensaft, zeigte uns ihrte wunderschönen Flechtarbeiten, weihte uns in Tongas Begräbnisrituale ein und lieh uns eine Machtete um uns die Durchquerung der Insel zum Riff im Osten zu ermöglichen.

Von Osten branden die Pazifikwellen ungebremst auf das Saumriff, welches gut 500m vom Palmenstarnd entfernt liegt. Hier trafen wir auch die Kitesurfer an, die in der Lagune im kräftigen Passatwind ihren Spass hatten.

Zwei Tage später war es Zeit sich einen sicheren Ankerplatz zu suchen, um das kommende Schlechtwetter auszusitzen. Wir liefen Lifuka an und trafen dort auf einen Katamaran den wir schon von Nomuka her kannten. Die Eigner haben dort ein kleines Resort und sind spezialisiert auf Freitauchen und Schwimmen mit den Walen. Von ihnen erfuhr ich den optimalen Ankerplatz für den kommenden Nord-Wind.

Dark Clouds over Paradise

Dark Clouds over Paradise

Die nächsten Tage hatten wir unglaublich schlechtes Wetter. Neben Wind bis 40kn gab es Regen in rauhen Mengen und kein bisschen Sonne. Als das schlimmste vorbei war erkundeten wir den Strand und fanden dass Ha’apai Beach Resort. Der Australische Besitzer war nett und die Speisekarte höchst einladend und wir beschlossen am Abend dort einzukehren um Gaylyns Geburtstag nachzufeiern. Dazu muss man wissen, dass in Ha’apai für Vegetarier nichts zu holen ist. Neben den obligatorischen Tapioka- und Maniok Wurzeln ist auf den Märkten nichts Grünes im Angebot. In den chinesischen Läden gab es dazu noch Brot, Äpfel aus Neuseeland, steinalte Kartoffeln und Zwiebeln. Eine echte Herausforderung für Gaylyn.

Gloomy Sundown

Gloomy Sundown

Abends gab es mal wieder einen Regenschauer und da die Sonne gerade untergegangen war, mahnte ich zur Eile um noch bei Licht den Durchgang im Riff zum Dinner zu finden. Der nächste Schauer war schon in Sicht und wir schafften es gerade trocken ins Restaurant bevor es wieder schüttete. Es regnete infernalisch  – unter dem Wellblechdach des Restaurants konnten man kaum sein eigenes Wort verstehen und das Ankerlicht unseres Bootes verschwand immer wieder in der Wasser geschwängerten Luft. Wir vertrieben uns die Zeit mit ein paar schwer genervten Huschrauber-Piloten, die dort gestrandete waren und wegen des Wetters nicht fliegen konnten. Mehrere Stunden später nutzten wir eine kleine Pause im Wolkenbruch um in dunkler Nacht mit dem Dhingy wieder zum Boot zurück zu kehren.

Wieder hiess es Warten auf den richtigen Wind. In der Nacht die wir im Restaurant verbracht hatten, hatten zwei Yachten versucht Richtung Norden nach Vava’u zu segeln. Am nächsten Morgen waren beide wieder da, nass und frustriert.

Wir warteten weiter und schlugen die Zeit mit Paddleboarden tot. Bei einem meiner Ausflüge paddelte ich direkt in einen Trupp von ca. 10 kleinen Blacktip-Haien hinein, die erschreckt auseinanderstoben. Einer schoss direkt auf Gaylyn zu die neben mir im Kajak daherpaddelte und vor Schreck eine spitzen Schrei ausstiess.

Anchor up at Sunrise in Lifuka

Anchor up at Sunrise in Lifuka

Zwei Tage später beschlossen wir,  dass es Zeit war Lifuka zu verlassen, lichteten im ersten Licht des Tages den Anker und segelten nach Norden davon. Wie schon unsere Reise-Entscheidungen  zuvor war es perfektes Timing. Zunächst mussten wir so hoch wie möglich an den Wind aber im Laufe des Tages drehte die Brise von Nord-Ost Richtung Ost und legte zu. Wir hatte alle Segel draussen und beschleunigten zusehends. Am Ende hatten wir die 70 sm nach etwas über 10 Stunden abgesegelt und rauschten mit knapp 8 kn Speedgegen die Welle dahin. Einmal im ruhigen Wasser der Vava’u Gruppe kamen wir gerade noch im letzten Licht am Ankerplatz an.

Welcome Rainbow in Vav'au

Welcome Rainbow in Vav’au

Wir hatten schon in Ha’afeva das richtige Timing gehabt. Diverse Boote hatte der Nordwind dort erwischt und sie hatten ein paar grausame Nächte in der nach Norden offenen Bucht. Nach Vava’u war uns nur ein Boot gefolgt, alle anderen hatten weiter auf Südwind gewartet und mussten die Strecke am Ende unter Motor laufen, weil der Südwind zu mau war.

Weiter gehts demnächst mit Vava’u. Wer jetzt schon genervt ist von den ewigen Palmenstränden wird daran keine Freude haben denn Vava’u ist der Knaller.

 

 

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