Countdown

Da ein Blog nun einmal davon lebt, dass ab und zu etwas gepostet wird um die Aufmerksamkeit der Leser aufrecht zu erhalten,  habe ich mich zu dem Entschluss durchgerungen etwas zu schreiben, obwohl es eigentlich nichts Welt bewegendes zu berichten gibt.

Damit bin ich auf jeden Fall in guter Gesellschaft, denn wenn ich schaue was um mich herum gesendet, gebroadcastet, herausgeschriehen, publiziert, gemailt, gepostet oder mir sonstwie zur Kenntnis gebracht wird, ist die Quote dessen, was mich auch nur entfernt betrifft verschwindend gering. Das voraus als Warnung. Nun also zu den Neuigkeiten aus der Rubrik ‘Dinge die man nicht wissen muss’ – ein Update auf den Status meiner Landflucht.

Ich habe ja schon geahnt dass es fürchterlich werden würde als ich Anfang Dezember den Flug von Mallorca in die Heimat buchte. Man sitzt hier in der Kälte bei rekordverdächtig miserablem Wetter (mittlerweile ist es ja wenigsten schön anzusehen) in dem man keine Katze vor die Tür schicken mag und ist umgeben von Dingen, von denen man sich bald trennen wird. Bei manchen Dingen weckt das Hochgefühle, bei anderen sentimentale und bei wieder anderen tut es weh. Und bei allen ist es so, dass man sie noch einmal in die Hand nehmen und entscheiden muss was daraus wird: Verschenken, verticken, entsorgen, einlagern oder mitnehmen.

Da ich beschlossen habe nur mitzunehmen was ich auch benutzen werde und es sinnlos finde haufenweise Dinge über Jahre einzulagern, liegt die Betonung auf verschenken, verticken und entsorgen. Wenn man noch dazu über die Jahre leicht messieske Züge entwickelt hat und nicht konsequent beseitigt hat was nicht mehr benötigt wurde, steht man vor einer gigantischen Müllhalde und bei jedem 2. Stück, das man in die Hand nimmt kommen Gedanken wie ‘das war ein ein Geschenk’ , ‘das hat eine Bedeutung für Dich’ , kurz – das kannst Du nicht einfach wegwerfen. Früher kam noch der ‘das könnte aber noch mal nützlich sein’-Gedanke hinzu den ich mittlerweile konsequent zu verneinen gelernt habe.

Für alle IT-Messies: Ich habe noch eine Sammlung von ca. 50 Netzteilen die allesamt noch funktionieren und einst ein breites Spektrum von Geräten mit unterschiedlichster Strom-Spannung und -Stärke versorgt haben. Leider hat sich die Hoffung, dass sich noch einmal ein anderes Gerät findet, welches eben diese Spannung benötigt und zudem noch denselben Stecker hat als trügerisch erwiesen. Diese Sammlung (ebenso wie diverse andere) ist nun in liebevolle Hände abzugeben.

Es gibt aber natürlich auch eine Menge Sachen, die mir hier noch Spass machen –  hauptsächlich solche, die mit meinen Freunden zusammen hängen oder mich auf meine Zukunft vorbereiten. Die Auseinandersetzung mit der Materie, die in Kürze für mich wichtig sein wird: Wetterkunde, Navigation, Vorratshaltung, Sturmtaktiken, Boots-Ausrüstung, Segeltrimm, Segelrouten usw. Die Bücher stapeln sich mittlerweile und Amazon hat ein Vermögen mit mir verdient.

So wie es aussieht ist aber jetzt der terminale Startschuß gefallen. Ich habe eine neue Heimat für meine Katzen gefunden und bin bester Hoffnung dass sie es dort mindeststens ebenso gut haben werden wie hier. Wer Ashanti und Bishette besuchen möchte kann sich dabei in idyllischer Umgebung gleich noch energetisch wieder ins Gleichgewicht bringen lassen (Seelenlicht) oder die dort produzierten und ausgesellten wunderschönen Bilder bestaunen/erwerben, von denen neben der erbaulich-dekorativen auch eine heilende Kraft ausgehen soll (Seelenlicht Bilder).

Nun kann ich was die Auflösung des Hausstandes betrifft endlich ans Eingemachte, denn ich muss auf keine sensiblen Mitbewohner mehr Rücksicht nehmen.

Zwei ‘major problems’ müssen jedoch noch beseitigt werden:  Es muss eine einigermaßen zufriedenstellende Lösung für den sich abzeichnenden Krieg um die Bewertung und Bezahlung meiner Firmenanteile gefunden werden und dem Amtsgericht Hamburg, Abteilung Schiffsregister müssen endlich Beine gemacht werden,  damit die seit über 4 Monaten vor sich hin dümpelnde Registrierung meines Bootes endlich auf den Punkt gebracht wird. Beide Probleme sind leider durchaus geeignet meinen Aufenthalt im Deutschland auch über den Beginn meiner bald einsetzenden Obdachlosigkeit hinaus zu verlängern.

Also – Daumen drücken bitte, ansonsten kann man jetzt die Tage, Stunden und Minuten mit herunter zählen:  Ohne festen Wohnsitz 5 years, 8 months, 17 days ago

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4 Responses to Countdown

  1. Sven says:

    Hallo Thomas,

    Du tust mir wirklich, wirklich und richtig, wirklich richtig leid… Du armes Schwein, Ein Schiff wartet auf dich in Palma und du musst hier rumhängen. Mein Tipp: Stell dir vor du hast nur einen Koffer (kein Schrankkoffer!) oder Rucksack, für die Dinge, die du wirklich für dein Leben brauchst. Der Rest ist Ballast, erschwert nur den Kopf und das Leben. Und wie sagt man so schön, wenn nix mehr geht an Bord: Ballast abwerfen und zwar alles, was nicht angeschraubt, gedübelt oder gespackst ist (inklusive Rum-Fässer und ja, der Smutje muss weg, wenn alles nix mehr hilft )… Das macht den Kopf leichter, um sich auf die Dinge zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind. Und selbstredend: meine Wohnung ist zwar klein, aber du findest immer eine offene Tür 😉

    • Thomas says:

      Vielen herzlichen Dank für Dein offensichtlich tief empfundenes Mitgefühl..
      Es ist aber wirklich nicht so leicht. Wenn man es erst einmal hinter sich hat ist es natürlich wunderbar. Der Prozeß als solcher ist ätzend. Leider wird ein Koffer auch nicht ausreichen. Den sprengt schon die Tauchausrüstung die selbstverständlich nicht hier bleiben kann. Dann kommt eine wachsende Flut von Fachbüchern über die Seefahrt im Allgeimenen und im besonderen, weiter geht es mit meiner IT-Landschaft, die zwar stark zusammen gestrichen wird aber… Ich habe den Verdacht dass ich am Ende eine Spedition beauftragen werde, denn mit 30 Kg. Fluggepäck wird es doch ein wenig eng.
      Vielen Dank auch für die Einladung, Du weißt ja wie Du bei mir unter kommen kannst..

  2. Tina says:

    … Countdown, auf in ein neues Leben, das sicher abenteuerlicher, wilder, ungestümer, aber auch ruhiger, friedvoller und viel entspannter sein wird. Voller inspirierender Momente und Begegnungen… jeder Tag bringt einen neuen Sonnenaufgang, irgendwo auf der Welt und mit einem Sprung ins Wasser, wirst du ihn begrüßen… Welch’ wunderbares Leben dich erwartet…lass’ allen Ballast zurück und freue dich einfach nur auf das, was kommt, es wird dich glücklich machen! Alles Liebe, Tina

  3. sven.karl@userealfire.net says:

    Lästig hin oder her – Veränderungen sind immer leidvoll… Am Anfang! Warte auf das große Finale – es wird klasse. Kannst du deine Nautik- und sonstwas Segelliteratur nicht bei Google einscannen lassen. Die digitalisieren doch alles, was bei zwei Klicks nicht auf den Bäumen ist.
    Und jetzt noch ein Spruch vom Chefaphoristiker (und das bin ich, selbstredend): “Was gestern war, ist Geschichte – was morgen wird, nur Gerüchte! Wer das Glück sucht muss den steten Wandel akzeptieren.” ( Habe ich aus “Kung-Fu Panda” – wer sagt denn, dass Pixar-Animationsfilme keine tieferen Weisheiten parat halten…)
    Ich merke gerade, der Spruch passt gar nicht – du bist ja schon voll im Wandel. Egal, trotzdem ‘ne gute Punchline…

    LG
    Sven

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