Viel Arbeit gab’s und wenig Brot

..pflegte meine Mutter immer zu sagen – so fühl ich mich auch gerade. Naja, wenig Brot ist wohl eher der freiwilligen Selbstkontrolle geschuldet mit dem Zweck die Bikini-Figur wieder zu erreichen, bevor in Arenal die Friseusen einfallen.

Viel Arbeit gibt es allerdings. Nachdem ich die ersten paar Tage eher lustlos ein wenig rumgebröselt und mich von den grausamen Umzugstagen erholt habe, war heute der Tag der Wahrheit. Als ich heute morgen mein Antlitz im Spiegel erblickte fielen mir beim besten Willen keine Ausreden mehr ein, mich weiter mit unnützem Blödsinn zu beschäftigen. Keine Rückenschmerzen mehr, es regnet nicht, alle nötigen Werkzeuge sind bereits eingekauft, keine wichtigen Besuche  – nichts.

Also habe ich schweren Herzens die Arbeitshose angezogen, den Spachtel und das Schleifgerät geschultert und angefangen meine lackierten Teakleisten von Lack zu befreien, Wäsche zu waschen, den Reiniger fürs Teakdeck auszuprobieren. Am Ende des Tages muss ich mit Erstaunen feststellen, dass das auf jeden Fall erheblich mehr Spass macht, als unnütz in der Gegend rumzuhängen. Ich glaube sogar ich kann mich daran gewöhnen. Nur die Sonne muss scheinen.

Das ist schon mal eine gute Prognose denn die Haupbeschäftigung der Fahrtensegler ist nicht etwa ver(wein)geistigt bei einem Glas Bacardi-Cola auf den Sonnenuntergang oder auf leichtbekleidete Südseeschönheiten zu starren, sondern das permanente Instandsetzen des Bootes. Schrauben unter Palmen – je früher ich mich daran gewöhne desto besser.

Leider gibt es auch ein paar Rückschläge, die mich befürchten lassen, dass ich noch einmal in die Werft muss. Zum einen hat der Skipper, den ich für ein wenig Trainng heuern wollte  (auch so eine Arbeitsverhinderungsmaßnahme) nach oberflächlicher Inspektion des  Bootes meine Maschine bemängelt. Damit würde er nicht losfahren. Bei der Sichtung der Maschine durch die Öleinfüllöffnung war ihm Rost auf den Kipphebeln und dem Zylinderkopf aufgefallen. Im schlimmsten Fall bedeutet das, dass sich mein Motor doch kaputtgestanden hat, seine prognostizierte Lebensdauer gerade rapide abgenommen hat und ich eventuell einen neuen benötige. Im besten Fall ist mir nur das gute Gefühl genommen, eine zuverlässige Maschine im Boot zu haben.  Und dann steht nach der Besichtigung der Experten-Meinungs-Stand in Sachen Seeventile mittlerweile auf 3:1 für recht bald Austauschen.

Fazit – ich sollte keine Experten mehr an Bord lassen.

 

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4 Responses to Viel Arbeit gab’s und wenig Brot

  1. Holger says:

    Ahoi Thomas,
    na dann alles Gute auf der Qi aus dem nasskalten Norden ….. bibber und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und das richtige werkzeug an Bord 😉

    Holger

  2. sven.karl@userealfire.net says:

    Lieber Thomas,

    das Leben ist Arbeit, Arbeit, Arbeit, auch wenn Du nicht arbeitest – das pflegte meine Großmutter immer zu sagen… Na ja, und dann ein Boot: ist der Bug erst fertig kannste am Heck gleich wieder anfangen… 🙂 Aber das ist doch das Schöne daran, dass es immer was zu tun gibt und man weiss, warum man es tut! Mit der Maschine und den Ventilen ist allerdings übel, solltest Du wirklich aus dem Wasser müssen. Da hören wir ja schon die Kassen klingeln und das im sauteuren Palma. Hmm, das kann dir aber wohl nicht die Laune verderben, denn morgens aufwachen, die frische Luft, die Sonne und die entschleunigte Segleratmosphäre mit einem Cafe con leche obendrauf – unbezahlbar, oder? Keep me updated! Liebe Grüsse aus Frankfurt.

  3. Sven says:

    Habe mich gerade umgeschaut: ich denke mein ganzes Leben passt in zwei Koffer, der Rest ist überflüssiges PlingPling, nicht relevant für mich! Fazit: Wirf ab, was nur Ballast ist (gilt auch für schwierige Bootssituationen… ) Das Dumme dabei: was mir anscheined materiell am Arsch vorbei geht, sammelt sich mit zunehmenden Alter in Form von Fettzellen an meinem ehemals unwiderstehlich attraktiven Körper 🙂 Hmm, fuck it! Lass mich wissen, wann die Audienzzeit in Palma beginnen kann.

    LG Sven

    • thomas says:

      Ich hoffe, dass die Sache mit demWerftaufenthalt erst einmal nicht so drängt. Ich würde es lieber im Spätsommer tun, bevor ich Richtung Atlantik gehe. Und dann auch nicht unbedingt im sauteuren Palma. Außerdem herrscht in der Werft gerade drangvolle Enge. Ich sage Dir auf jeden Fall Montag Bescheid wie es steht..
      Liebe Grüße
      Thomas

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