Metamorphose

Übelmeinende Leser könnten nun anmerken, dass die Überschrift gut passt, weil ich zumindest schon mal das Stadium einer dicken Raupe erreicht habe, andererseits aber nicht so gut weil zu bezeifeln ist, dass aus mir in diesem Leben noch ein wunderschöner Schmetterling wird.

Ich meine das natürlich ein wenig abstrakter. Ich finde nämlich dass in einem Menschenleben die Phasen die aufregenden, schönen und lebenswerten sind, in denen getrieben durch eigene Anstrengungen oder glückliche Fügungen Veränderung und Entwicklungen sich häufen und neue Lebensabschnitte geboren werden. Ich bin aktuell in einer solchen Phase und genieße es in vollen Zügen.

Insbesondere verwachse ich derzeit langsam aber sicher mit meinem Boot. Je länger ich darauf lebe, desto stärker strecke ich meine Fühler aus um irgendwann jedes Geräusch und jede Schwingung sofort zu spüren und zu erkennen.  Fehlt nur noch dass ich wie in ‘Piraten der Karibik’ vorgeführt, selbst beginne Seepocken anzusetzen.

Nachdem ich am Dienstag ein ausgiebiges und sehr kompetent durchgeführtes Training in Sachen Hafenmanöver genossen habe, komme ich nun aus dem Staunen nicht mehr heraus, was mit meinem 15 Tonnen Schiff auf engsten Raum alles machbar ist – und das selbst wenn ich am Ruder stehe. Nachdem ich im unbetreuten Selbstversuch zu der Erkenntnis gekommen war, es im Hafen mit einem eigenwilligen sturen Bock von einem Boot zu tun zu haben, wurde ich Dienstag genötigt im engsten Hafenbecken ‘auf dem Teller Drehungen’ und Anleger zuhauf zu fahren, die ich bis dato so nicht für möglich gehalten habe.

Die zweite neue und bahnbrechende Errungenschaft habe ich Peter und Silvie zu verdanken, die mir zum Abschied ein Kochbuch geschenkt haben, das voll von höchst leckeren aber trotzdem gut machbaren Gerichten steckt – Gerichte für jede Windstärke, aufgeteilt nach Beaufort. So kam es denn gestern zu meinem ersten Fischgericht, dass nicht nur dadurch bestach, dass es der erste Fisch war den ich abgesehen von Fischstäbchen je in der Pfanne hatte, sondern im Resultat auch noch extrem lecker schmeckte.

Alles in Allem verläuft meine Landflucht bis dato sehr erfolgreich. Am Wochenende wird nach Cabrera gesegelt, das Permit habe ich gerade besorgt…

 

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2 Responses to Metamorphose

  1. Sven says:

    So schnell geht das also: von ‘Quax dem Bruchpiloten’ zu ‘Stiefelriemen Bill’… oder war war das Cpt. Davy Jones? Der mit den Seepocken in der Fratze? Ach nee, der hatte ja ‘nen Oktopuss in der Visage hängen. Egal, solange du nicht dein Herz in einer Truhe aufbewahren musst, um mit Lady Qi zu verwachsen und die sieben Weltmeere sicher und mit Freuden zu besegeln, ist ja eigentlich alles im Lot. Ich freue mich zu hören, dass Du den ominösen ‘Radeffekt’ besiegt hast und komplizierte Einpark-Panik-Manöver ab sofort der Vergangenheit angehören 🙂 Auch meine Lernkurve ist seit dem letzten Mal gestiegen: das nächste Mal bin ich mit einem neuen, fetten Fender und Stange ausgerüstet, bereit mit vollem Körpereinsatz und filmreifen Stunts das eigene sowie benachbarte Boote vor etwaigen Schleifspuren zu schützen…

    Ehrlich gesagt, vermisse ich jetzt schon das wunderbar einfache, aber intensive (Er)Leben auf einem Boot. Das Ankern in einer wunderschönen Bucht, Buh-Buh machen, während man leicht hin und her geschaukelt wird… Nicht zu vergessen die herrliche Aussicht auf das Wasser, die Küsten oder im Hafen auf die Kathedrale von Palma beim Sonnenuntergang. Hmm… Was will man mehr? Oder was braucht man eigentlich mehr?

    Ich wünsche einen tollen Törn nach Cabrera!

    Liebe Grüße
    Sven

    P.S. Positionslichter alle in Ordnung? Prima! Ich werde jetzt noch ein paar Knoten legen. Man weiss ja nie, wann das nächste Anlegemanöver kommt …

    • thomas says:

      Positronen und Ankerlicht ist gefixed und vieles mehr noch dazu. Seemannschaft ist geboostet – obschon ab und zu gibt es noch mal ein paar echte Lachnummern, ich will jetzt nicht ins Detail gehen. Du weißt ja ich das handhabe: a) Einen filmreifen Stunt abliefern, b) feststellen, dass das unterirdisch war, c) nachdenken wie man es richtig gemacht hätte, d) versuchen es nächstes mal anders zu machen. Cabrera wäre etwas für Dich. Ich schreib Montag vielleicht mal drüber und stelle ein paar Bilder ein. Du wirst vergehen vor Neid. Einfach traumhaft und Segelwind war auch noch da, wenn auch nur wenige Stunden. Nun liegen wir an der Boje, schaukeln schön und ach ja, ich war Baden. Außerdem lerne ich langsam Kochen. Heute schon wieder ein geiles Gericht gemacht. Einfach Herrlich….
      Gruß Thomas

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